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Plakatmotiv: Dracula jagt Minimädchen (1972)
Statt von viktorianischen Gewändern
tropft das Blut jetzt von Hot Pants
Titel Dracula jagt Mini-Mädchen
(Dracula A.D. 1972)
Drehbuch Don Houghton
Regie Alan Gibson, UK 1972
Darsteller Christopher Lee, Peter Cushing, Stephanie Beacham, Christopher Neame, Michael Coles, Marsha A. Hunt, Caroline Munro, Janet Key, William Ellis, Philip Miller, Michael Kitchen, David Andrews, Lally Bowers, Constance Luttrell, Michael Daly u.a.
Genre Horror
Filmlänge 96 Minuten
Deutschlandstart
30. Juni 1972
Inhalt

Im Jahr 1872 führen Graf Dracula und Professor Lawrence Van Helsing auf einer durch den Londoner Hyde Park rasenden Kutsche einen erbitterten Kampf. Als die Kutsche in einer Kurve umkippt, wird der Professor vom Kutschbock gegen einen Stein geschleudert und der Graf wird von den Speichen eines der Räder aufgespießt. Dracula zerfällt zu Staub und auch Van Helsing erliegt seinen Verletzungen.

Plakatmotiv: Dracula jagt Minimädchen (1972)100 Jahre später wird der Graf durch eine schwarze Messe unter der Führung von Johnny Alucard (Anagramm von Dracula) wieder zum Leben erweckt und treibt nun im London von 1972 sein Unwesen. Seine Opfer sucht er sich vornehmlich unter jungen Frauen, die ihm Johnny Alucard beschaffen muss. Als immer mehr Leichen gefunden werden, kontaktiert Inspektor Murray von Scotland Yard Lawrence Van Helsings Urenkel, Lorimar Van Helsing, und bittet ihn um Hilfe. Lorimar erkennt die Zusammenhänge und fürchtet nun, dass seine Enkelin Jessica, die zu Alucards Clique gehört, in Gefahr ist. Er macht Alucard, welcher inzwischen selbst zum Blutsauger wurde, ausfindig und zwingt ihn das Versteck Draculas preiszugeben.

Jessica befindet sich inzwischen in Draculas Bann. Bewaffnet mit Weihwasser, Dolch und Kruzifix macht Van Helsing sich auf, der Blutsauger zu stoppen …

Was zu sagen wäre

„Dracula A.D.1972“ heißt der Film im Original – das deutsche „Mini-Mädchen“ im Titel soll wahrscheinlich auf die Mode in London verweisen – Hot Pants, Minirock. Auf jeden Fall ist das hier ein Zeitsprung: Raus aus dem viktorianischen England rein ins Swinging London. Das Neue verdrängt das Alte, sagt schon gleich die Eingangsszene: Eine Party im noblen Londoner Appartement läuft aus dem Ruder, als junge Leute inklusive der (echten) US-Rockband Stoneground den Salon entern und die graumelierten Anzugträger an den Rand drängen.

Nachdem der Vorgänger, „Dracula – Nächte des Entsetzens“ (1970) gefloppt war, beschloss man in den Hammer-Filmstudios, dass die Dracula-Reihe modernisiert werden müsse. Also verlegt Hammer die Handlung ins gegenwärtige London, hinterlegt den Film mit zeitgemäßer Rockmusik und baut Drogen und das typische 70er-Jahre-Outfit in die Story ein. In diesem London können dann jugendliche Menschen mit langen Haaren und ausgeflippten Mützen bitterernste Schwarze Messen schon mal für eine lustige Drogenparty bei psychedelischer Musik halten, die etwas aus dem Ruder läuft.

Junges Fleisch also für den Grafen. Und die weibliche Fraktion trägt eng anliegendes Jersey, das die Brüste gut zur Geltung bringt. Soweit also ein visuell runderneuerter Vampirismus. Naja … nicht ganz rund.

Der werte Graf trägt weiter seinen gräflichen Umhang, fletscht die Zähne wie eh und je. Und der Horror wird gruseliger auch nicht mehr – auch wenn wir hier der Holzpfählung des Grafen gleich zweimal beiwohnen dürfen – im anfänglichen Rückblick und im großen Finale. Der Geschichte liefert das aber nichts mehr Neues. Nach der ersten Toten mit rätselhaften, an Ritualmord erinnernden „Verstümmelungen“ – Caroline Munro darf schreien – wendet sich ein offenbar sehr aufgeschlossener Inspector an Professor Van Helsing, dessen Nichte zum Freundeskreis der Toten zählt. Als Van Helsing dann aber seine Theorie des wieder erstarkten Vampirismus offenbart, will der Inspector ihm partout nicht glauben. „Ich verstehe diese Jugend nicht“, sagt der Mann von Scottland Yard. „Drogen, LSD, sie sind mir so fremd wie …“ „Wie ein Vampir?“, ergänzt der Professor, den Peter Cushing gewohnt doppelbödig anlegt (Frankenstein muss sterben! – 1969; Dracula – 1958).

Seltsam auch, dass der Inspector dem Professor dann abends freies Feld beim Schlusskampf überlässt, keine Polizeiabsicherung anordnet und am Ende (nach dem Abspann) – da verrät man nichts Neues – vor einem Häuflein Staub steht, der für die „Ritualmorde“ verantwortlich sein soll.

Wertung: 3 von 8 D-Mark
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