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Plakatmotiv: Hunter Killer (2018)
Ein gut orchestrierter Actionfilm
mit ein paar nachdenklichen Tönen
Titel Hunter Killer
(Hunter Killer)
Drehbuch Arne Schmidt + Jamie Moss
nach dem Roman „Riring Point“ von George Wallace + Don Keith
Regie Donovan Marsh, UK, China, USA 2018
Darsteller Gerard Butler, Gary Oldman, Caroline Goodall, Mikhail Gorevoy, Mikael Nyqvist, Common, Carter MacIntyre, Shane Taylor, Kola Bokinni, Mikey Collins, Will Attenborough, Kieron Bimpson, David Gyasi, Michael Jibson, Christopher Goh, Brian Kinney, Sarah Middleton, Taylor John Smith, Gabriel Chavarria, Cosmo Jarvis, Linda Cardellini u.a.
Genre Action
Filmlänge 126 Minuten
Deutschlandstart
25. Oktober 2018
Inhalt

Kapitän Joe Glass wird auf eine Rettungsmission gesandt, um ein im Nordmeer verschollenes US-amerikanisches Jagd-U-Boot (hunter killer) aufzuspüren. Auf das vermisste U-Boot wurde ein russischer Anschlag verübt, der jedoch nur von einem Putschversuch des russischen Verteidigungsministers Durov ablenken soll. Dieser hat den russischen Präsidenten bereits in seiner Gewalt.

Glass informiert das Pentagon, das eine Einheit von Navy SEALs in Marsch setzt. Sie soll den russischen Präsidenten befreien. Glass soll die SEALs anschließend mit seinem U-Boot aufnehmen. Dazu allerdings muss er durch mit reichlich Minen bestücktes feindliches Gewässer manövrieren und den Mörsergranaten der russischen Fklotte ausweichen. Auftrag: den Dritten Weltkrieg verhindern …

Was zu sagen wäre

Es ist schön, besonnenen Männern beim Kriegshandwerk zuzusehen. Das gibt U-Bootfilmen Farbe. U-Bootfilme folgen strikten Regeln: Es gibt immer einen Konflikt zwischen Captain und Erstem Offizier. Es gibt Mörsergranatenbeschuss, der in bedrohlicher Tiefe Wände wackeln lässt. Es gibt – seit Wolfgang Petersens Das Boot platzende Nieten. Es gibt unkontrollierbaren Wassereinbruch. Es gibt – „Torpedo im Wasser!!!“ – gebellte Kommandos. Das U-Boot muss an einem Felsen entlang schrammen. Auch gibt es eine unklare Gefechtslage, weil die Kommunikation gestört ist.

Donovan Marsh folgt diesen Regeln in „Hunter Killer“ treu und montiert drumherum einen ordentlichen Thriller mit den erwähnten besonnenen Köpfen. Das gab es ganz ähnlich 1990 in der Tom-Clancy-Verfilmung Jagd auf Roter Oktober, wo ein namenloser CIA-Analyst klüger war als die gesamte US-Admiralität, und also auf Vertrauen baute statt Raketen, und in Crimson Tide, in dem Denzel Washington als besonnener Erster Offizier in einem U-Boot, das keinen Kontakt mehr zur Außenwelt hat, den Dritten Weltkrieg mit Worten und menschlichem Instinkt verhindert.

In „Hunter Killer“ übernimmt diese Besonnenheit Gerard Butler (Criminal Squad – 2018; „Geostorm“ – 2017; London Has Fallen – 2016; Olympus Has Fallen – 2013; „Kiss the Coach“ – 2012; Coriolanus – 2011; Der Kautions-Cop – 2010; Gamer – 2009; „P.S. Ich Liebe Dich“ – 2007; „300“ – 2006; Timeline – 2003; Lara Croft – Tomb Raider: Die Wiege des Lebens – 2003; Die Herrschaft des Feuers – 2003). Er spielt gerne den handfesten Kerl von nebenan. Auch hier ist er einer, der keine Navy-Academy durchlaufen hat, statt dessen sein Handwerk – „Ich war mein ganzes Leben auf U-Booten!“ – on duty gelernt hat und deswegen zunächst argwöhnisch von der Mannschaft beäugt wird. Und so kann das zu einem dieser schnell vergessenen U-Boot-Filme werden, die in meinem Leben schon ein paar Mal da waren, mich unterhalten haben und also nicht nötig sind. Zum Glück kommt noch ein Team Navy-SEALs ins Spiel.

Auch bei diesen SEALs werden alle Kinoklischees ausgespielt. Der Loser ist am Ende der Gewinner, der Teamleader ist am Ende gar kein Arschloch sondern ein guter Typ, die Kumpels sind fachlich versiertes Kanonenfutter. Donovan Marsh hegt eindeutig mehr Sympathie für die U-Bootleute. Und weil nun also zwei Kommandounternehmen in zwei Filmstunden orchestriert und koordiniert werden müssen, eines unter Wasser, eines über Wasser, bleibt der Dramaturgie wenig Zeit für eine Dann-geht-der-ganz-Plan-schief-es-muss-improvisiert-und-aufs-Glück-vertraut-werden-Abzweigungen; die sind in solchen Filmen eher redundant, weil ohnehin klar ist, dass jede knisterne Stille, die man im U-Boot unter schwer bewaffneten Zerstörern verbingt, nicht mit dem Tod der Protagonisten endet.

Der Film ist so vollgepackt mit Storylines, dass die Dramaturgie – darin den Ocean-11-Filmen nicht unähnlich – ohne Umwege ins Ziel steuern muss. Und das funktioniert großartig. „Hunter Killer“ ist ein, okay: auch Testosteron gesteuertes Actionvehikel, das auf den Effekt setzt. Dramatischer Score. Bedrohlicher Score. Majestätischer Score. Immer dann, wenn Brückenszenen die Story nur transportieren, aber nicht voranbringen, sagt uns der Score, was wir fühlen sollen. Szenen, die die Handlung treiben, kommen ohne Score aus, präsentieren stattdessen die harten Furchen Gerard Butlers, der sich auf einen Vertrsauensdeal mit Mikael Nyqvist einlässt, der bisher nie eine Vertrauensfigur im Kino war („Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück“ – 2015; John Wick – 2014; Mission: Impossible – Phantom Protokoll – 2011; Atemlos – Gefährliche Wahrheit – 2011; „Vergebung“ – 2009; „Verdammnis“ – 2009; „Verblendung“ – 2009), aber ausgerechnet hier, in seinem letzten Film, eine ist.

Lediglich Freunde des Schauspielers Gary Oldman, der auf den Kinoplakaten an zweiter Stelle genannt wird, kommen nicht auf ihre Kosten. Er spielt den obersten Bürokraten im Pentagon und hat nur wenige Szenen (Die dunkelste Stunde – 2017; Killer's Bodyguard – 2017; Planet der Affen: Revolution – 2014; RoboCop – 2014; Paranoia – Riskantes Spiel – 2013; Dame, König, As, Spion – 2011; „The Book of Eli“ – 2010; Batman Begins – 2005; Harry Potter und der Gefangene von Askaban – 2004; Rufmord – Jenseits der Moral – 2000; Lost in Space – 1998; Air Force One – 1997; Das fünfte Element – 1997; „Der scharlachrote Buchstabe“ – 1995; „Ludwig van B. – Meine unsterbliche Geliebte“ – 1994; Léon – Der Profi – 1994; True Romance – 1993; Bram Stokers Dracula – 1992; JFK: Tatort Dallas – 1991).

Nein: „Hunter Killer“ bringt die Filmkunst keinen Schritt voran und auch den Kinofilm nicht aus seiner existenziellen Krise. Aber er ist ein unterhaltsames Stück Popcornkino mit differenzierten Tönen, wenn etwa Captain Glass seine mordlüsternen Soldaten daran erinnern muss, dass die Seeleute der russischen Seite auch „lediglich Befehle befolgen“ und keineswegs tumbe Mordbuben sind. Das wirkt in Zeiten, in denen die reale Politik eher das Gegenteil präsentiert, wie Balsam im Kinosessel.

Wertung: 6 von 8 €uro
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