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Plakatmotiv: Die Uhr läuft ab
Solider Thriller mit
aktuellem Bezug
Titel Die Uhr läuft ab
(Ransom)
Drehbuch Paul Wheeler
Regie Caspar Wrede, UK 1974
Darsteller Sean Connery, Ian McShane, Jeffry Wickham, Isabel Dean, John Quentin, Robert Harris, James Maxwell, William Fox, Harry Landis, Norman Bristow, John Cording, Christopher Ellison, Richard Hampton, Preston Lockwood, Karen Maxwell u.a.
Genre Thriller
Filmlänge 119 Minuten
Deutschlandstart
24.04.1975
Inhalt

Der international gesuchte Terrorist Martin Shepherd, der eine Serie von Bombenanschlägen in London verübte, überfällt mit einigen Komplizen die britische Botschaft in Stockholm und nimmt den herzkranken Diplomaten Gerald Palmer sowie dessen Personal als Geiseln und hält sie in Palmers Residenz gefangen. Die Terroristen fordern, dass sechs in Schweden inhaftierte Mitstreiter gegen Palmer ausgetauscht werden sollen.

Um diesen den Weg in die Freiheit zu ermöglichen, entführt zur selben Zeit ein zweites Kommando von Terroristen unter der Leitung von Ray Petrie eine mit 100 Passagieren besetzte Verkehrsmaschine nach Stockholm. Geistesgegenwärtig landet der Pilot das Flugzeug so unsanft, dass eine komplizierte Reparatur am Fahrwerk die Terroristen länger als geplant aufhält. Das Flugzeug steht nun auf einer abgelegenen Rollbahn, und Petrie fordert, dass er Kontakt mit Martin Shepherd erhält. Er überzeugt diesen, dass seine Gruppe und die Geiseln mit dem gekaperten Flugzeug fliehen können, nicht mit einem Militär-Flugzeug wie ursprünglich geplant.

Plakatmotiv: Die Uhr läuft abDer schwedische Chef der Security, Oberst Nils Tahlvik, will eine kompromisslose Position einnehmen, wird aber von den Regierungen Schwedens und Großbritanniens überstimmt, die darauf bestehen, dass alle Forderungen der Terroristen erfüllt werden. Tahlvik und seine Gruppe unternehmen mehrere Versuche, die Pläne der Terroristen zu vereiteln, jedoch ohne Erfolg. Kurz vor dem Start des Flugzeugs gelingt es ihm, an Bord zu gelangen. Da weiß er längst, dass „Terrorist“ und „Polizist“ nicht mehr in jedem Fall gegensätzliche Bezeichnungen sind …

Was zu sagen wäre
Beginne Deinen Film mit einem Erdbeben und steigere dann langsam das Tempo. Mit einem Erdbeben geht es nun nicht gerade los, aber mit lauter verheerenden Explosionen britischer Öl-Lager und Energieunternehmen. Dafür wird aber, um in der Analogie zu bleiben, auch das Tempo nicht mehr angezogen. „Die Uhr läuft ab“ ist ein ordentlicher Politkrimi mit einem Hauch zeitgenössischer Paranoia, was das Thema Innere Sicherheit und Terrorismus und Staatsraison angeht. Er ist aber auch kein Leuchtturm des Kinos.

Ein Colonel bekommt den unmöglichen Auftrag, einen Fall von Flugzeugentführung unblutig zu beenden – eine klassische Rolle für einen echten Kinohelden, wie Sean Connery (Mord im Orient-Express – 1974; „Zardoz“ – 1974; „Sein Leben in meiner Gewalt“ – 1973; James Bond 007 – Diamantenfieber – 1971; „Der Anderson Clan“ – 1971; „Das rote Zelt“ – 1969; „Ein Haufen toller Hunde“ – 1965; Marnie – 1964; Die Strohpuppe – 1964; James Bond 007 jagt Dr. No – 1962), der sich allen Hindernissen zum Trotz seinenWeg bahnt – und die meisten Hindernisse stellen die eigenen Leute.

<Nachtrag 2012>Es ist unheimlich, wie der Film – lassen wir die innenpolitischen Thrillermotive mal beiseite – die Ereignisse des Deutschen Herbst vorweg nimmt. The Taking of the Landshut. Sean Connery (Helmut Schmidt) lässt gegebenenfalls auch honorige Botschafter (Arbeitgeberpräsidenten) über die Klinge springen. Damals machte man aus einem solchen Thema einnen spannenden Thriller. Zwei Jahre später wurde das Thema bittere Realität und noch später ging sie ein in das – sehr dünne – Buch deutscher Helden.</Nachtrag 2012>

Interessant ist ein kleiner Dialog am Rande des Dramas. Da gibt es einen kurzen Diskurs über die Frage, wie gefährdet das Leben eines Befehlshabers ist, der andere für sich in die Schlacht schickt. „Terrorists“ oder „Ransom“ – unter beiden Titeln lief die Originalversion in den Kinos – ist ein solider Actionkrimi, der die filmischen Möglichkeiten seiner Zeit ausreizt.

Wertung: 4 von 8 D-Mark
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