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Kinoplakat: Die Reise ins Ich
Ein Film voller Möglichkeiten
schrumpelt zu einem Nichts
Titel Die Reise ins Ich
(Inner Space)
Drehbuch Chip Proser + Jeffrey Boam
Regie Joe Dante, USA 1987
Darsteller

Dennis Quaid, Martin Short, Meg Ryan, Kevin McCarthy, Fiona Lewis, Vernon Wells, Robert Picardo, Wendy Schaal, Harold Sylvester, William Schallert, Henry Gibson, John Hora, Mark L. Taylor, Orson Bean, Kevin Hooks u.a.

Genre Science Fiction, Abenteuer Action
Filmlänge 120 Minuten
Deutschlandstart
10. Dezember 1987
Inhalt

Testpilot Tuck Pendleton stellt sich in den Dienst der Wissenschaft. Verkleinert auf Mikrobengröße soll er mitsamt eines geeigneten U-Boot-Prototyps in die Blutbahnen eines Kaninchens gejagt werden. Das Experiment läuft schief – jedenfalls, was die Zielkoordinaten angeht. Offenbar waren Industriespione dem Experiment auf der Spur. Sie überfallen das Labor in der heißen Schlussphase des Tests, ein Weißkittel schnappt sich die Spritze mit dem verkleinerten Tuck und flieht verzweifelt in einen nahen Supermarkt. Er wird gestellt und getötet.

Mit letzter Kraft jagt er die Spritze Jack Putter in de Hintern, einem neurotischen Supermarktangestellten, dem der Arzt eben absolut keine Aufregung verschrieben hat. Jetzt haben Tuck und Jack ein Problem: Morgen früh um neun Uhr geht der Sauerstoff in Tucks U-Boot aus, Jack ist so gar nicht der Typ, um sich hochbezahlte Profikiller vom Hals zu halten. und dann ist da ja auch noch Lydia Maxwell, Tucks On-und-Off-Freundin.

Als Tuck Jack zu ihrem Haus führt, um sie von dieser unglaublichen Geschichte zu überzeugen und zur Mithilfe zu überreden, verguckt sich Jack von jetzt auf sofort. Das macht die Sache nicht gerade einfacher …

Was zu sagen wäre

Joe Dante hat in seiner Karriere viele auf den ersten Blick mittelmäßige Filme gedreht. Selten strahlten sie Neues aus. Dante hat bei Produzent Roger Corman gelernt, dem Guru für all jene, die Filme machen wollen, aber kein Geld haben. Auch James Cameron etwa hat bei ihm das Handwerk gelernt

Joe Dantes Filme (Explorers - Ein phantastisches Abenteuer – 1985; ) sind deshalb immer auf der Meta-Ebene interessant: Sein Piranhas (1978) war interessant unter dem Aspekt, wie der den Weißen Hai in Billig hinbekommt und dabei trotzdem unterhält. Gremlins (1984) sieht aus, als sei Regisseur Joe Dante nur ausführende Hand des Executive Producers Steven Spielberg gewesen, weil der sich seinen Ruf nicht mit blutbesudelten Monstern in der Vorstadt versauen wollte. Auch den vorliegenden Film hat Steven Spielberg produziert. Aber hier fehlen auf allen Seiten die Ideen. „Innerspace“ scheitert nicht an seinen Effekten, nicht an seiner Story, der Film scheitert an den Erwartungen, die der Zuschauer hat.

Das Marketing hat „Innerspace“ wahlweise als Remake oder als Fortsetzung des Films Die phantastische Reise verkauft, den Richard Fleischer 1966 gedreht hat. Gerne wird erwähnt, dass der Kameramann in Die phantastische Reise Ernest Laszlo war, der Vater des hier agierenden Kameramanns Andrew Laszlo. Wie so häufig in der Werbung klingt das toll, bedeutet aber gar nichts.

1966 reiste ein Team von Wissenschaftlern, unter ihnen Raquel Welch und Donald Pleasance, mit einem Mini-U-Boot durch die Blutbahn eines Mannes, um ein Blutgerinsel im Gehirn zu entfernen. Der Film punktete mit den plastischen inneren Organen, mit der tödlichen Wucht von Herzklappen und mit einem Verräter an Bord, der die Mission zum Scheitern bringen soll. Der Film war (damals) irre spannend und spielte hauptsächlich im Inneren des Menschen.

Diese „Fortsetzung“, dieses Remake, spielt meistens außerhalb unter kalifornischer Sonne. Dennis Quaid sitzt als Tuck Pendleton lediglich in seinem U-Boot, klemmt sich an Gehörgänge und Sehnerven an und gibt seinem Gastkörper Kommandos – etwa während einer Schlägerei, wenn er ihm sagt, wann er wohin schlagen soll, „wo es weh tut“. Daraus zieht der Film ein paar ganz witzige Situationen. Aber zu erledigen hat Pendleton im Körper nichts, kein Blutgerinsel ist zu entfernen, kein Tumor; er muss lediglich bis morgen früh, 9 Uhr wieder an der Luft sein. Damit wird das „Innerspace“ des Titels zum bunten Wartezimmer aus Fettzellen, die aussehen wie milchige Lampignons. Der Rest ist Action-Comedy in kalifornischen Industriegebieten mit ein paar okayen Special Effects und dem gerade schwer angesagten Komiker Martin Short und der wie immer lieblichen Meg Ryan in den tragenden Nebenrollen (in diesem Film haben sich Ryan und Quaid verliebt und waren von 1991 bis 2001 verheiratet).

Nichts von dem, was die „Phantastische Reise“ bei all ihrer Sixties-Naivität, was Ernest Laszlos Kamera stark gemacht hat, findet sich hier wieder; die Innenaufnahmen des menschlichen Körpers sind austauschbar. Damals reichten ein paar weiße Blutkörperchen, die Donald Pleasance fraßen, um dem Film einen Platz im Kanon der Science-Fiction-Fans zu sichern; hier ist es am Ende ein Magengeschwür, das uns ein Skelett vorführt. Na gut …

Die biochemische, wissenschaftliche Komponente dieses Science-Fiction-Films – die das Original noch hatte – spielt keine Rolle mehr, ist nur Auslöser für ein Abenteuer, in dem sogar Gesichter mittels der Schrumpftechnik verändert werden können; kurz: Erzähldramaturgie ist überflüssig, in diesem Film reicht der deus ex machina.

Wertung: 5 von 10 D-Mark
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