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Kinoplakat (US): Cutthroat Island – Die Piratenbraut (1995)
Ein buntes Spektakel mit
der falschen Besetzung
Titel Die Piratenbraut
(Cutthroat Island)
Drehbuch Robert King + Marc Norman + Michael Frost Beckner + James Gorman + Bruce A. Evans + Raynold Gideon
Regie Renny Harlin, USA, Frankreich, Italien, Deutschland 1995
Darsteller

Geena Davis, Matthew Modine, Frank Langella, Maury Chaykin, Patrick Malahide, Stan Shaw, Rex Linn, Paul Dillon, Christopher Masterson, Jimmie F. Skaggs, Harris Yulin, Carl Chase, Peter Geeves, Angus Wright, Ken Bones u.a.

Genre Abenteuer
Filmlänge 124 Minuten
Deutschlandstart
25. April 1996
Inhalt

Drei Teile einer Karte. Zusammengesetzt führen sie zum sagenumwobenen Schatz von Cutthroat Island. Einen Teil hat die berüchtigte Freibeuterin Morgan Adams. Ihre beiden Onkel die jeweils anderen Teile. Einer der beiden Onkel ist bald tot, ermordet von Onkel Dawg Browne, der jetzt nur noch Teil 3 der Karte braucht – den von Morgan Adams.

Aber Morgan ist selbst scharf auf den Schatz und gerät bei der Suche danach an den undurchschaubaren Haudegen William. Bald jagen zwei vollbemannte Piratenschiffe gen Cutthroat Island. Auf der Suche nach dem größten Schatz seit Menschengedenken …

Was zu sagen wäre

Schwer vorstellbar, in welchem Teil Eures Lebens meine Lateinkenntnisse vonnöten sein könnten, Madame.“ Segelschiffe. Knatternde Piratenflaggen. Ein sagenhafter Schatz. Das sind die Eckpfeiler eines Piratenfilms.

Dazu gehört eine Geschichte mit Überraschungen und dramatisch zugespitzen Situationen – Grundvoraussetung eines jeden Kinofilms. Da ist die Idee, eine Frau in den Mittelpunkt der Piratengeschichte zu stellen, schon mal nicht schlecht, vor allem, wenn man dann auf dem Nebenschauplatz namens Filmgeschäft dem aufgeregten Geflatter der beleidigten Hollywood-Männer lauschen kann – für den Matthew-Modine-Part waren Keanu Reeves, Liam Neeson, Charlie Sheen, Jeff Bridges, Ralph Fiennes, Michael Keaton und Michael Douglas angefragt, alle lehnten ab, Douglas (Basic Instinct – 1992; Black Rain – 1989; Wall Street – 1987) mit der Begründung, dass Geena Davis’ Rolle ihn zu sehr in den Hintergrund drängen würde.

Plakatmotiv: Die Piratenbraut (1996)Das Gockelgeflatter drumrum ist amüsant, geht auf dem Hauptschauplatz, also im Film, aber nicht auf: Matthew Modine („Bye Bye Love“ – 1995; … und das Leben geht weiter – 1993; Short Cuts – 1993; „Fremde Schatten“ – 1990) als achtbeste Besetzungslösung ist dem Abenteuerspektakel nicht gewachsen, er ist zu lieb, zu viel Lausbubencharme, zu wenig Schurken-Haudrauf. Und Gene Davis („Sprachlos“ – 1994; „Ein ganz normaler Held“ – 1992; „Eine Klasse für sich“ – 1992; Thelma & Louise – 1991) macht aus der Frauenrolle dann doch eine Männerrolle im hochgeschürztem Bustier. Wenn ihre Kameraden ihr eine Kugel aus dem Bauch holen, trinkt sie tapfer Rum und beißt in Burt-Lancaster-Eroll-Flynn-Tradition die Zähne gegen den Schmerz zusammen. Gleiches Recht für alle natürlich, aber etwas mehr Frau hätte dieser Piratenbraut gut getan.

Renny Harlin setzt vor allem auf die Schauwerte eines Piratenfilms: Stolze Schiffe auf weiter See, verwegene Kerle, fulminant programmierte Explosionen. Wenn im Finale eine ganzes Schiff zu Streichhölzern verarbeitet wird, ist das auf der Cinemascope-Leinwand schon ein gewaltiger Anblick. Aber dem bunten Effektspektakel mit seinen hohen Schauwerten steht eine dürre Erzähldichte gegenüber.

Die Geschichte ist gefällig, mehr nicht; sie führt von Explosion zu Schwertkampf zur nächsten Explosion und dazwischen liegt ein Schatz, der so schwer zu transportieren sein muss, dass man sich ganz unwillkürlich fragt, wie die Männer ihn bloß aus der Höhle bekommen haben. So eine Frage ziemt sich eigentlich nicht in einem Spektakelfilm. Aber da das Hirn des Zuschauers nicht anderweitig gefordert ist, schweift es halt ab.

Vor diesem Spektakelfilm hatte Regisseur Renny Harlin mit Cliffhanger (1993) und Stirb Langsam 2 (1990) zwei Hits hintereinander. Mit „Cutthroat Island“ ist die kleine Serie gerissen. „Die Piratenbraut“ ging als gigantischer finanzieller Misserfolg in die Kinogeschichte ein.

Eine Zeit lang galt der Film laut Guinness-Buch der Rekorde als größter kommerzieller Flop des Filmgeschäfts. Bei geschätzten Produktionskosten von 98 Millionen US-Dollar spielte der Film in den USA mit knapp 10 Millionen US-Dollar nur ungefähr zehn Prozent der Ausgaben ein. Diese Pleite war gleichzeitig der Anfang vom Ende des Produktionsunternehmens Carolco Pictures, das viele erfolgreiche Filme wie Red Heat (1988) oder Die totale Erinnerung – Total Recall (1990) in Auftrag gegeben hatte. Durch den Flop mit „Die Piratenbraut“ ging Carolco in Insolvenz.

Wertung: 4 von 10 D-Mark
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