IMDB
Kinoplakat: Die Lincoln Verschwörung
Robert Redfords Geschichtsstunde
als Proseminar zur Staatsbürgerkunde
Titel Die Lincoln Verschwörung
(The Conspirator)
Drehbuch James D. Solomon + Gregory Bernstein
Regie Robert Redford, USA 2011
Darsteller James McAvoy, Robin Wright, Kevin Kline, Evan Rachel Wood, Tom Wilkinson, Justin Long, Danny Huston, James Badge Dale, Colm Meaney, Alexis Bledel, Johnny Simmons, Toby Kebbell, Jonathan Groff, Stephen Root, John Cullum u.a.
Genre Drama, Historie
Filmlänge 122 Minuten
Deutschlandstart
29. September 2011
Inhalt

Washington 1865. Der amerikanische Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südstaaten ist vorbei, dennoch herrscht überall immer noch Aufruhr. Da wird Präsident Abraham Lincoln ermordet. Die verwitwete Südstaatlerin und Pensionsbetreiberin Marry Surrat wird zusammen mit sieben Männern der Kollaboration mit dem Attentäter angeklagt und vor ein Militärgericht gestellt.

Frederick Aiken, ein Kriegsheld der Nordstaaten und frischgebackener Anwalt, soll ihre Verteidigung übernehmen. Nur widerwillig nimmt er diese Aufgabe an. Während das aufgebrachte Volk nach Rache schreit, wächst bei Frederick im Laufe des Prozesses mehr und mehr Bewunderung für die Frau. Doch um das Gericht von Marys Unschuld zu überzeugen und sie vor dem Galgen zu bewahren, muss er sich erst einmal selbst die Frage beantworten: Ist sie ein unschuldiges Opfer? Eine aufopfernde Mutter, die nur versucht, ihren Sohn zu decken, den einzigen Flüchtigen des Attentats?

Oder ist sie doch eine geschickte Lügnerin und kaltblütige Verschwörerin?

Was zu sagen wäre

Ein Gerichtsthriller. Getragen von einem exquisiten Cast. Die Frauenrollen sind durchweg wunderbar gespielt – zurückhaltend spielt die ätherisch schöne Robin Wright (State of Play – Stand der Dinge – USA 2009; Message in a Bottle – USA 1999; „Forrest Gump” – USA 1994) die Pensionswirtin, leidenschaftlich trumpft dagegen Evan Rachel Wood („Ides of March” - 2011) – als deren Tochter, standesbewusst giftig-süß ist Alexis Bledel als die Verlobte des Helden.

Garanten für hohe Schauspiel-Qualität

Bei den Männern stechen neben dem Garanten für Qualität Tom Wilkinson („Der Ghostwriter” – USA 2010; „Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat” – USA 2008; Michael Clayton – USA 2007; „Cassandras Traum” – USA 2007) und Kevin Kline („Robert Altman's Last Radio Show“ – 2006; Wild Wild West – 1999; In & Out – Rosa wie die Liebe – 1997; Der Eissturm – 1997; Wilde Kreaturen – 1997; French Kiss – 1995; Dave – 1993; „Chaplin“ – 1992; „Grand Canyon“ – 1991; „Lieblingsfeinde – Eine Seifenoper“ – 1991; „Im Zeichen der Jungfrau“ – 1989; „Ein Fisch namens Wanda“ – 1988; „Silverado“ – 1985; „Der große Frust“ – 1983; „Sophies Entscheidung“ – 1982) hervor, der hinter der kleinen Brille des rational-kühlen Kriegsministers völlig aufgeht und kaum mehr zu erkennen ist, Danny Hustons (Robin Hood – USA 2010; „Kampf der Titanen” – USA 2010; X-Men Origins: Wolverine – USA 2009; Operation: Kingdom – USA 2007) Ankläger Joseph Holt und James McAvoy („Wanted” – USA 2008; „Abbitte” – USA 2007; „Geliebte Jane” – USA 2007) als ambivalenter, zweifelnder Anwalt Frederick Aiken.

Natürlich ist „The Conspirator” nicht einfach die Nachbildung historischer Ereignisse. Robert Redford sitzt auf dem Regiestuhl, bekennender Linker, der auch hier seine Stimme gegen Militärwillkür, gegen Unrecht und das-Volk-will-es-so-Justiz erhebt. Redfords Film zeugt von einem tief empfundenen Misstrauen gegen alle staatlichen Institutionen; die Generalität, die als Richter fungiert und jeden Einspruch abweist, ist einer gehobenen Diktatur ähnlich. Es war offenbar kein Ruhmesblatt, das die junge US-Demokratie da abgab und Redford knüpft ungeniert Paralellen ins Heute. Der veröffentlichte Mob will ein Sühneopfer und die Kirche setzt sich über alle staatliche Gewalt hinweg. Ein wichtiger Zeuge der Verteidigung, Pater Rosa, verweigert die Zusammenarbeit mit dem lapidaren Satz: „Unsere Gesetze stehen in der Bibel, Herr Anwalt. Unsere Treue gilt Gott allein.” Gefeiert wird die Macht des woanders-Hinsehens.

Böse ist, wessen Schweinsäuglein blitzen

Das aufzuzeigen ist aller Ehren wert, gerät aber zum etwas angestrengten Proseminar in Staatsbürgerkunde. Es wäre hilfreich gewesen, dem Tribunal der Generalität etwas mehr Charakter zu gönnen. Redford vertraut auf das feiste Schweinsäuglein-Gesicht Colm Meaneys, der dem Prozessvorsitzenden diabolisches Selbstbewusstsein gibt, auf lange graue Bärte und Uniformen – mit solchen Äußerlichkeiten hat Redford die Generalität des Verrats am Volk überführt, bevor es los geht. Schwierig! Und Kevin Kline muss in die Kamera knurren, es sei ihm völlig egal, wer gehängt werde, Hauptsache, das Volk bekomme sein Opfer.

Das inszeniert Redford in mächtigen Räumen mit mächtigen Gemälden und Polstern, in denen der Rauch teurer Zigarren steht und stellt dagegen die karge Zelle der auf ihr Urteil harrenden, schwarz gewandeten Witwe, in die biblischer Lichtschimmer fällt. Das ist natürlich schön anzusehen und Newton Thomas Sigel beweist sein Können als Kameramann, aber da fehlt im Soundtrack eigentlich nur das Hosianna in der Gefängniszelle. Hier drängt sich die Binse auf: Weniger ist mehr!

Redfords Film ist eine Anklage, eine Mahnung, eine Erinnerung, dass das Land of the Free auf dem Rücken fragwürdiger und scheinheiliger Methoden errichtet wurde. Und er hat einen sehr schönen Abspann

Wertung: 5 von 7 €uro
IMDB