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Kinoplakat: Die Eiserne Lady
Meryl Streep superb, die Montage
bezaubernd, der Film etwas zäh
Titel Die Eiserne Lady
(The Iron Lady)
Drehbuch Abi Morgan
Regie Phyllida Lloyd, UK, Frankreich 2011
Darsteller Meryl Streep, Jim Broadbent, Olivia Colman, Susan Brown, Phoebe Waller-Bridge, Iain Glen, Alexandra Roach, Harry Lloyd, Amanda Root, Clifford Rose, Michael Cochrane, Jeremy Clyde, John Sessions, Anthony Head, Richard Syms, Richard E. Grant, Angus Wright, Roger Allam, Michael Pennington, John Harding u.a.
Genre Drama, Biografie
Filmlänge 105 Minuten
Deutschlandstart
1. März 2012
Inhalt

Margaret Thatcher wächst in gewöhnlichen Verhältnissen auf. Ihr Vater war Kolonialwarenhändler, methodistischer Laienprediger und Bürgermeister. Ihre Mutter war gelernte Hausschneiderin.

Nicht viel deutet zu dieser Zeit auf die politische Karriere hin, die Margaret Thatcher zu einer der berühmtesten Politiker der vergangenen Jahrzehnte machen würde. Mit der Unterstützung ihres Ehemanns Denis erobert sie die von Männern dominierte Politik Englands. Sie schafft es die Grenzen zwischen den Klassen und Geschlechtern aufzuheben und macht sich auch international als „Eiserne Lady” einen Namen.

Ihre Wahrnehmung ist dabei höchst ambivalent, von den einen wird sie gefürchtet und von den anderen verehrt …

Was zu sagen wäre

„Das ist dieser Film mit der Meryl Streep. Da, wo sie ihren dritten Oscar für gekriegt hat.”
„Ah, wo sie Margaret Thatcher spielt?”
„Richtig!”
„Worum geht's denn eigentlich?”
„Keine Ahnung. 'ne Biografie oder so.”

So oder ähnlich laufen die Gespräche ab, wenn es um „Die Eiserne Lady“ geht. Alle loben, schwärmen von Meryl Streep, die in der Tat eine wunderbare Vorstellung gibt („Von Löwen und Lämmern“ – 2007; „Der Teufel trägt Prada“ – 2006; „Robert Altans Last Radio Show“ – 2006; Der ManchurianKandidat – 2004; Die Brücken am Fluss – 1995; Am wilden Fluss – 1994; Das Geisterhaus – 1993; „Der Tod steht ihr gut“ – 1992; „Die Teufelin“ – 1989; Jenseits von Afrika – 1985; Kramer gegen Kramer – 1979; Manhattan – 1979; „Die durch die Hölle gehen“ – 1978). Dazu schimpfen die einen, der Film sei zu unpolitisch, man könne Margaret Thatcher nicht auf die demente alte Lady reduzieren – die sie im Film über weite Strecken gibt. Dazu schimpften die anderen, der Film käme ihrer historischen Leistung nicht einmal nahe. Wieder andere monierten, er sei „zu politisch”.

Kinoplakat (UK): The Iron LadyIch finde ihn bezaubernd montiert. Und als Portrait einer alten Dame an der Grenze zur Demenz etwas zäh. In der Rahmenhandlung sehen wir Lady Thatcher ein paar Tage in ihrem Alterssitz zu, umgeben von dienstbaren Geistern, von ihrer Tochter – und von ihrem Gatten Denis, der vor Jahren verstarb, aber ein fröhliches Leben in Maggies Einbildung an der Lady Seite lebt. In erschöpften Momenten schweifen ihre Erinnerungen durch die Zeit und wir, die Zuschauer, erleben die bekannten Momente – Bergarbeiterstreik, das Nieder-Ringen der Gewerkschaften, Falkland-Krieg und nach zehn Jahren in 10 Downung Street der Dolchstoß durch Michael Hazeltine.

Das Herzstück des Films ist eine Szene, in der Thatcher den um ihre Wiederwahl besorgten Kabinettsmitgliedern klar macht, wo der Hammer hängt und warum sie bei ihrer starren Haltung den Gewerkschaften gegenüber – trotz wirtschaftlicher Krise – bleibt. Während eine Hausangestellte ihr einen Knopf annäht, kreisen die Männer um die Lady im Machtzentrum wie Wölfe. Feige bleiben sie auf Abstand, schmieden im Verborgenen ihre Ränke. Männer kommen überhaupt schlecht weg in diesem Film – es sind durch die Bank amorphe, meist charakterlose, wenigstens aber charakterschwache Gesellen, die Großbritannien klein gemacht haben und sich von der Frau in Blau Rettung erhoffen – und Macht. Der einzig sympathische Mann ist Denis Thatcher, der von Harry Lloyd (jung) und Jim Broadbent (alt) gespielt wird. Broadbent (u.a. der Slughorn aus Harry Potter und der Halbblutprinz – 2009) spielt oscarreif, ist aber nicht einmal nominiert. Er wurde 2002 für seine Nebenrolle in „Iris” (Richard Eyre, UK 2001) mit einem Oscar geehrt.

Ich gehöre zu denen, die den Film gerne etwas politischer gehabt hätten – männliche Lemuren im Cut auf der Regierungsbank, die vor der starken Frau kuschen und auch sonst alles falsch machen, ist mir etwas zu wenig für dieses zeithistorische Portrait (Buch, Regie, Hauptrolle – alle weiblich). Der Film ist gut, erfüllt aber nicht meine Erwartungen.

Wertung: 6 von 7 €uro
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