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Kinoplakat: Der Mieter
Der größte Horror
steckt im Nachbarn
Titel Der Mieter
(Le locataire)
Drehbuch Gérard Brach + Roman Polanski
Regie Roman Polanski, Frankreich 1976
Darsteller

Roman Polanski, Isabelle Adjani, Melvyn Douglas, Jo Van Fleet, Bernard Fresson, Lila Kedrova, Rufus, Romain Bouteille, Jacques Monod, Patrice Alexsandre, Jean-Pierre Bagot, Josiane Balasko, Michel Blanc u.a.

Genre Thriller
Filmlänge 126 Minuten
Deutschlandstart
8. Oktober 1976
Inhalt

Der zurückhaltende Bankangestellte Trelkovsky mietet in Paris beim Besitzer eines Mietshauses eine möblierte Wohnung. Er erfährt von der Concierge, dass sich Simone Choule, die zuvor darin wohnte, aus dem Fenster gestürzt hat. Bei einem Besuch im Krankenhaus – noch kurz vor deren Tod – lernt er deren Freundin Stella kennen und erfährt so einiges über die Person Simone Choule. Als sie sich von Simone verabschieden, beginnt diese ohne ersichtlichen Grund laut zu schreien.

Trelkovskys neue Nachbarn verhalten sich ihm gegenüber sehr zurückhaltend und misstrauisch. Bei jeder seiner Bewegungen klopfen sie an die Wände, um ihn zur Ruhe zu ermahnen. Bald gehen auch anonyme Anzeigen bei der Hausverwaltung und der Polizei ein. Überall ist er als nachtaktiv und ruhestörend bekannt.

DVD-Cover: Der MieterTrelkowsky beginnt zu glauben, dass seine Nachbarn ihn in Simone Choule verwandeln und ihn ebenfalls in den Tod treiben wollen. Im Café bekommt er Simones Getränke und Zigaretten, von der Concierge erhält er Simones Post und bei einem Einbruch in sein Appartement werden ihm alle persönlichen Dinge gestohlen, während die seiner Vormieterin unangetastet bleiben. Trelkovsky beginnt, sich mit Simone zu identifizieren, zieht ihre Kleider an und glaubt, er werde nun auch wie sie behandelt …

Was zu sagen wäre

Close-Ups der Gesichter, Totalen eines engen Innenhofs, verdächtige Handlungen zweifelhafter Nachbarn, Verfolgungswahn. Paranoia. Es ist ein ausgelutschter Vergleich, aber Roman Polanski verbeugt sich tief vor Alfred Hitchcock – hier vor der räumlichen Beschränktheit des Fenster zum Hof (1954). Polanskis Enge aus dem Wohnhaus in „Rosemary‘s Baby“ (1968) ist der zweite Maßstab.

Bewundernswert, wie leicht es dem Mann mit der großen Nase und dem unschuldigen Blick gelingt, Grauen zu erzeugen. Polanski reichen … Menschen; und da ist er Hitchcock dann eine ganze Ecke voraus. Bei dem Briten musste der verdächtige Nachbar ein Mörder sein, bei Polanski sind es einfach … Nachbarn.

Polanski (Chinatown – 1974; „Macbeth“ – 1971; „Tanz der Vampire“ – 1967; „Wenn Katelbach kommt …“ – 1966; Ekel – 1965) dekliniert die Phasen der Anpassung des Individuums, um nicht aufzufallen. Ein Mensch wird … eingenordet, ordnet sich unter, fügt sich in das Bild, das die Gesellschaft ihm zudenkt, ordnet sich unter bis zur totalen Identifikation mit dem vorangegangenen Sündenbock, der Vormieterin. Gruselig.

Er bleibt mit der Kamera stets nah an den Protagonisten, lässt weg, was ablenkt, Musik etwa, inszenatorische Mäzchen. „Der Mieter“ macht Angst. Polanskis Thriller altert nicht: Ein paranoider junger Mann wird über die Erwartungen seiner Angebeteten und seiner Nachbarn verrückt. Eingepfercht ist er auf kleinstem Wohnraum.

<Nachtrag2015>Der Film vollzieht einen unheimlichen Kreis, der heute Spannungsstandard ist, aber selten so elegant gesetzt wurde, wie 1976 von dem aus Polen stammenden Regisseur.</Nachtrag2015>

Wertung: 9 von 9 D-Mark
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