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Kinoplakat: Der Mann mit den Röntgenaugen
Eine SciFi-Story,
der das Drama fehlt
Titel Der Mann mit den Röntgenaugen
(X aka: „Man with the X-Ray Eyes“)
Drehbuch Ray Russell + Robert Dillon
Regie Roger Corman, USA 1963
Darsteller
Ray Milland, Diana Van der Vlis, Harold J. Stone, John Hoyt, Don Rickles u.a.
Genre Horror
Filmlänge 79 Minuten
Deutschlandstart
31. März 1979 (TV-Premiere)
Inhalt

Der Wissenschaftler Dr. James Xavier nimmt gegen den Rat von Kollegen nach Experimenten an Affen einen Selbstversuch vor: Er entwickelt damit das menschliche Auge so weit, dass es die Fähigkeit eines Röntgenapparates hat.

Als er an sich selbst ein neues Serum testet, kann er plötzlich durch Gegenstände hindurch sehen. So erkennt er Krankheiten und Verletzungen im menschlichen Körper besser als es mit einen Röntgengerät möglich ist. Sein Kollege und Freund Sam Brant, der von der Gefährlichkeit der Expermente überzeugt ist, rät Xavier, mit den Versuchen aufzuhören. Xavier hört jedoch nicht auf ihn. Es kommt zum Streit, und während des Handgemenges stößt Xavier seinen Freund ungewollt durch ein Fenster. Xavier flüchtet, da er nun wegen Mordes von der Polizei gesucht wird.

Xavier landet bei Crane, der eine Jahrmarktbude besitzt. Dort verdingt er sich als Wahrsager unter dem Namen Dr. Mentalo. Als Crane herausfindet, dass Xaviers Tricks gar keine sind, überredet er ihn, als Wunderheiler zu wirken. Crane erpresst Xavier, da er inzwischen herausgefunden hat, dass Xavier wegen Mordes gesucht wird …

Was zu sagen wäre

Bevor der Film Gas geben könnte, ist seine Prämisse ad absurdum geführt. Die Frage, die der Film die ganze Zeit nicht beantworten kann, ist: Warum, zur Hölle, will jemand Röntgenaugen? Die Antwort: Tja … weil‘s geht! Roger Corman hat einen mad-scientist-Film gedreht, bei dem die Mutation des Wissenschaftlers sich nicht gegen andere wendet, sondern gegen den Wissenschaftler, der immer noch mehr sehen kann – und noch mehr. Es gibt ein unveröffentlichtes Ende zu diesem Film, in dem der Zuschauer erfährt, dass Xavier sogar ohne Augen noch sehen kann, sehen muss.

Das, was Xavier hingegen sieht, ist zwar der neueste Schrei optischer Tricks, mit einer Spectarama genannten Technik wird das Bild farblich verfremdet und verdreht; Fachleute machen dafür eine „besondere Prismenanordnung“ verantwortlich. Es sind dann aber – aus dem Zuschauersessel betrachtet – eben doch nur ein paar bunte Special-Effects-Shots, die man zwar als eigenes Blickfeld nicht haben möchte, die aber auf der Leinwand nichts gänsehautiges erzeugen, höchstens Roger Cormans Ruf unterstreichen, immer die günstigste Lösung zu wählen (Der Rabe – Duell der Zauberer – 1963).

Der Film krankt an seiner Ausweichlichkeit. Die großen Science-Fiction-Fime machen aus der guten, der humanistischen Idee eines sozial engagierten Wissenschaftlers eine Bedrohung für die Menschheit – Riesenameisen, Wahnsinn, Monster, gespaltene Persönlichkeiten. Ray Milland (Bei Anruf Mord – 1954; „Das verlorene Wochenende – 1945) kann einfach nur immer besser, bzw. immer mehr sehen; das bedroht niemanden, auch mich im Kinosessel nicht. Schwieriger ist, dass ich auch mit dem – mehr oder weniger schuldfrei – wegen Mordes gejagten Wissenschaftlers nicht mitfiebere. Der X-Ray-Arzt lässt mich kalt. Und was soll diese Kraft geben? Die Frage, was wir sehen, wenn wir durch die Hindernisse hindurch sehen, wird an der Oberfläche beantwortet – nämlich die jeweils nächst drunter liegende Schicht, was schon etwas albern ist, fragt man sich, was denn den Blick eigentlich begrenzt. Socken? Wäsche? Haut? Augenlider?

Die tiefer gehende Frage, was entdecken wir denn dahinter, wo beginnt die Sphäre des neuen Sehens, bleibt unbeantwortet.

Wertung: 4 von 8 D-Mark
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