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Kinoplakat: Der Manchurian Kandidat
Großes Paranoia-Kino
Prickelnd gespielt
Titel Der Manchurian Kandidat
(The Manchurian Candidate)
Drehbuch Daniel Pyne + Dean Georgaris
nach dem Roman von Richard Condon und dem Drehbuch von George Axelrod
Regie Jonathan Demme, USA 2004
Darsteller Denzel Washington, Liev Schreiber, Meryl Streep, Jeffrey Wright, Jon Voight, Vera Farmiga, Bruno Ganz, Obba Babatunde, Kimberly Elise, Ted Levine, Miguel Ferrer, John Bedford Lloyd, Dean Stockwell, Anthony Mackie, Jude Ciccolella, Simon McBurney, Zeljko Ivanek, Paul Lazar, Tom Stechschulte, Be Be Winans, Robyn Hichcock, Charles Napier, David Keeley, Pablo Schreiber u.a.
Genre Thriller
Filmlänge 129 Minuten
Deutschlandstart
11. November 2004
Inhalt

Teaserplakat: Der Manchurian KandidatEr hat diese Albträume seit dem ersten Irak-Krieg. Es ist immer derselbe Traum. US-Major Marco Bennet hat damit leben gelernt. Hellhörig wird er erst, als ein damaliger Kamerad seinen Weg kreuzt, den dieselben Träume plagen. Ob auch Ex-Sergeant Raymond Shaw von Träumen geplagt wird. Shaw gilt als Kriegsheld, seit er damals seine Einheit – unter dem Kommando von Bennet – aus einem Hinterhalt rettete. Er wurde mit der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Heute, 13 Jahre später, ist er Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten.

Bennets Albträume drehen sich immer wieder um Shaws damalige Aktionen, die sich zunehmend in ein Schreckensszenario verwandeln, in dem Shaw seine Einheit keineswegs gerettet hat. Und in dem die Kameraden, die im Hinterhalt ihr Leben ließen, einen ganz anderen Tod finden, als in … ja in was? In der offiziellen Version? Gibt es eine große Manuipulation? Eine Verschwörung? Was oder wer steckt dahinter? Was wäre ihr Ziel? Welche Rolle spielt Shaws Mutter, die ehrgeizige Senatorin Eleanor Prentiss Shaw? Ist der Konzern „Manchurian Global” verstrickt („Noch ein, zwei Jahre und Ihr Konzern überflügelt den Etat der Europäischen Union.” „Tun wir das nicht heute schon?”)?

Längst plagen Bennet nicht mehr allein Albträume. Jetzt plagt ihn ein schrecklicher Verdacht, dem er nachgehen muss. Während seine Vorgesetzten an seiner Zurechnungsfähigkeit zweifeln und das Sicherheitsnetz um Shaw immer enger wird, läuft Marco die Zeit davon, die er noch hat, die Wahrheit aufzudecken …

Was zu sagen wäre

Kinoplakat: Der Manchurian KandidatWelcome back, Sixties. Was für ein wunderbar altmodischer Paranoia-Thriller. Jonathan Demme ist nicht der Verführung erlegen, seinen Film mit Action aufzumotzen. „Manchurian Candidate“ bleibt ruhig, quälend langsam bisweilen, und schockierend rätselhaft bei der Sache. Offene Fragen werden nicht nach zwei Minuten aufgeklärt. Erst allmählich knüpfen sich die Fäden zum großen Ganzen zusammen.

Es ist ärgerlich, wenn dem Zuschauer glauben gemacht wird, Denzel Washington finde erst nach 13 Jahren einen implantierten Sender in seiner Schulter – ausgerechnet, als die Geschichte zu brodeln beginnt und die Verschwörung kurz vor ihrer Vollendung steht. Das bleibt aber der einzige auffällige Fehler.

Großartig sind die Schauspieler, allen voran Meryl Streep in der ehrgeizigen Mutter-Rolle (Die Brücken am Fluss – 1995; Am wilden Fluss – 1994; Das Geisterhaus – 1993; „Der Tod steht ihr gut“ – 1992; „Die Teufelin“ – 1989; Jenseits von Afrika – 1985; Kramer gegen Kramer – 1979; Manhattan – 1979; „Die durch die Hölle gehen“ – 1978).

Selbst der gerne ehrbar aufspielende Denzel Washington (Mann unter Feuer – 2004; Training Day – 2001; Hurricane – 1999; Der Knochenjäger – 1999; Ausnahmezustand – 1998; Dämon – Trau keiner Seele – 1998; Mut zur Wahrheit – 1996; Crimson Tide – 1995; „Die Akte“ – 1993; Philadelphia – 1993; „Viel Lärm um nichts“ – 1993; „Malcolm X“ – 1992; Ricochet – Der Aufprall – 1991; „Glory“ – 1989) geht mal nicht auf die Nerven. Liev Schreiber schwankt gekonnt zwischen Gut, Böse und Ratlos und bleibt bis zum Schluss das Rätsel des Films. Eine nette kleine doppelbödige Rolle besetzt Bruno Gantz.

Demmes Kameramann Tak Fujimoto hat klare Bilder für den Thrill gefunden und trifft damit den rechten Verschwörerton. Etwas anderes zu erwarten wäre blauäugig: Fujimoto arbeitete mit Demme auch an Die Mafiosi-Braut (1988), „Gefährliche Freundin“ (1986), Schweigen der Lämmer (1991) und Philadelphia (1993) zusammen – die beiden kennen sich also.

Es fällt auf, wie US-Präsidenten das Kino beeinflussen. In Bill Clintons Amtszeit entstanden so reizende Filme wie die Rob-Reiner-Romanze Hallo Mr. President mit Michael Douglas oder die Ivan-Reitman-Komödie Dave mit Kevin Kline und Sigourney Weaver. In G.W.Bushs Amtszeit kommen die Verschwörungsthriller wieder.

Wertung: 4 von 6 €uro
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