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Kinoplakat: Der Exorzist
Klassiker des Horrorkinos
Begründer eines Genres
Titel Der Exorzist
(The Exorcist)
Drehbuch William Peter Blatty
nach seinem eigenen, gleichnamigen Roman
Regie William Friedkin, USA 1973
Darsteller Linda Blair, Ellen Burstyn, Max von Sydow, Jason Miller, Lee J. Cobb, Kitty Winn, Jack MacGowran, William O'Malley, Barton Heyman, Peter Masterson, Rudolf Schündler, Gina Petrushka, Robert Symonds, Arthur Storch, Thomas Bermingham u.a.
Genre Thriller
Filmlänge 122 Minuten
Deutschlandstart
20. September 1974
Inhalt
Prolog: Nördlicher Irak. In den Ruinen der antiken Assyrer-Stadt Ninive sind archäologische Ausgrabungen im Gange. Als Jesuitenpater Merrin dort die Figurine eines Dämons findet, ist er sichtlich erschüttert. Wie in Trance läuft er durch die Stadt, wird fast überfahren. Während er im Museum mit einem Kollegen die böse Natur des Dämons diskutiert, bleibt das Pendel der Standuhr stehen.

Die 12-jährige Regan lebt mit ihrer Mutter vorübergehend in Georgetown, Washington D.C. Das Leben läuft in den geregelten Bahnen. Mutter Chris verdient den Unterhalt als Schauspielerin.

An diesem Tag wurde Regan unvermittelt von Schüttelkrämpfen gepackt. Die Ärzte sind ratlos. Regan verhält sich zunehmend aggressiver, bewegt die Zunge wie eine Schlange und stößt mit rauchiger Stimme Obszönitäten aus.

In letzter Not wendet sich Chris an Damien Karras, einen Priester. Der gerät allerdings in schweren Konflikt mit seiner christlichen Lehre, als er die Wahrheit erkennt: Regan ist vom Teufel besessen!

Karras ruft Jesuitenpater Merrin zu Hilfe. Der zweifelt nicht an der Fähigkeit des Bösen sich zu verkörpern. Pater Merrin nimmt den Kampf auf. Mit den Sakramenten des Exorzismus' …

Was zu sagen wäre

Ein 12-jähriges, properes Mädchen mit großen Kugelaugen schreit obszöne Sachen und spuckt grünen Schleim. William Friedkins Teufelsaustreibung gibt dem Antichrist das Gesicht Linda Blairs. Selten verstören Szenen so nachhaltig wie die im Schlafzimmer des Mädchens, das Betten schweben lässt und erwachsene Männer aus dem Fenster wirft.

Der „Exorzist“ ist die 30 Jahre ältere Mutter all jener Teufelsfilme, die um die Jahrtausendwende so zahlreich in den Kinos erschienen. Friedkins „Exorzist“ verjagte die Menschen aus den Kinos. Schon bei seiner Premiere war der Film umstritten. Der TV-Prediger Billy Graham verurteilte ihn als das Böse an sich, während die katholische Kirche die Stärken der religiösen Tendenz im Film zu würdigen wusste.

Kinoplakat: Der Exorzist - Director's Cut

Der zieht seinen Schrecken und den nachhaltigen Horror aus der Person des Bösen: Es ist personifiziert in der kleinen Regan, einem Kind, das seine Unschuld noch nicht verloren hat. Friedkin verfilmt diese Hölle in ruhigen Bildern. Die Kamera bewegt sich wenig, beobachtet das Geschehen häufig aus Untersicht, konzentriert sich auf wenige Schauplätze. Musik gibt es im herkömmlichen Sinne gar nicht – ein paar sakrale Etuden, ein bisschen Mike Oldfields Tubular Bells, ansonsten begnügt sich der im Dokumentarfilm groß gewordene Regisseur mit dem stummen Bild. Was sich innerhalb dieses Bildes abspielt, reicht allemal für Dauerschauer.

Beim flüchtigen Blick auf Zahlen und dramaturgische Kniffe stimmt kaum etwas. Der Film ist zu lang, zähflüssig erzählt und einen echten Sympathieträger hat er auch nicht – Regans Mutter ist ratlos, Pater Karras depressiv und das Mädchen besessen. Dazwischen läuft ein alternder Polizist, der einen Treppensturz zu klären versucht – der große Lee J. Cobb in einer ganz und gar überflüssigen Rolle, die nichts zum Film beiträgt. Zudem kommt der titelgebende Exorzist erst im letzten Viertel des Films, vorher halten wir uns viel in Operationssälen und bei Mediziner-Debatten auf.

Den Film stört das alles aber nicht. Friedkin schafft eine durchgehende Atmosphäre der Angst auszubreiten, das besessene Mädchen in ihrem zum Eisschrank mutierten, selenlosen Schlafzimmer ist stets präsent, auch wenn es nicht im Bild ist. Harsche Schnitte, extreme Close-Ups von Gesichtern und das Spiel mit Laut, Leise und fremdartigen Geräuschen sorgen für den Thrill. Am ekligsten sind, einmal abgesehen von einem 12-jährigen Mädchen, das mit einem Kruzifix masturbiert, die Szenen im Operationssaal. Kameramann Owen Roizman hat am Licht in dem Raum kaum etwas verändert – „So sieht es in solchen Räumen nun mal aus“, sagte er in einem Interview – und so liegt das arme Mädchen, von dem niemand weiß, was es plagt in einem kalkig, kalten Horrorraum, umgeben von lärmenden Maschinen und ein Arzt steckt ihr eine Spritze in den Hals

Die Zuschauer im Kino erlebten panische Angst, vielen drehte sich der Magen um, viele debattierten in der damaligen Zeit (von Anti-Vietnam-Demonstrationen, Flower-Power und Mariuhana-Pfeifchen) auf intellektueller Ebene über das Filmereignis. Umfragen in Zeitschriften wie „Entertainment Weekly“ und „Total Movie“ verliehen dem Exorzisten das Prädikat „gruseligster Film aller Zeiten“. Kurz nachdem „The Exorcist“ in den Kinos angelaufen war, sah man häufiger Notarztwagen vor den Häusern stehen, in denen der Film lief. In den 70er Jahren gelang das sonst nur dem Weißen Hai und Alien.

Wertung: 6 von 8 D-Mark
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