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Kinoplakat: Der Butler
Ein schönes Porträt, eine anrührende
Geschichtslektion, Amerika feiert sich
Titel Der Butler
(The Butler)
Drehbuch Danny Strong
nach einem Artikel von Wil Haygood
Regie Lee Daniels, USA 2013
Darsteller

Forest Whitaker, Oprah Winfrey, Cuba Gooding, Jr., John Cusack, Robin Williams, Vanessa Redgrave, Jane Fonda, Alan Rickman, Terrence Howard, Lenny Krawitz, James Marsden, Minka Kelly, Liev Schreiber, Clarence Williams III, David Banner, Michael Rainey Jr., LaJessie Smith, Mariah Carey, Alex Pettyfer, Aml Ameen, John P. Fertitta, Jim Gleason, Isaac White, David Oyelowo, Joe Chrest, Colman Domingo, Adriane Lenox, Tyson Ford, Pernell Walker, James DuMont, Robert Aberdeen, Olivia Washington, Yaya Alafia, Danny Strong, Bill Newman u.a.

Genre Drama, Historien
Filmlänge 132 Minuten
Deutschlandstart
10. Oktober 2013
Inhalt

Cecil Gaines  musste als Junge viel miterleben und sah sich auf den Baumwollplantagen im Süden dem Rassismus der weißen Bevölkerung ausgesetzt; ein weißer Herr nimmt sich seine Mutter und erschießt dann seinen Vater. Dessen letzte Lehre an seinen Sohn: „Das ist die Welt der Weißen. Du lebst nur in ihr!“

Viele Jahre später verlässt er die Plantage als freier Mann und versucht irgendwo Fuß zu fassen. Aber als Farbiger in einer weißen Welt, die ihn jederzeit prügeln, sogar töten kann, ohne den Arm des Gesetz fürchten zu müssen, hat er kaum eine Chance. Weil er auf der Plantage, nachdem ihm utter und Vater weggenommen worden waren, von der Herrin als „Haus-Nigger“ erzogen wird und er dort gelernt hat, still und unauffällig zu dienen, kommt er über Umwege als Butler in ein Grand Hotel in Washington und von dort – 1952 – ins Weiße Haus.

Kinoplakat (US): Der ButlerDort erlebt er, wie die mächtigsten Männer der Welt der aufkommenden Bürgerrechtsbewegung entgegentreten – der ein Präsident ablehnend, der nächste zupackend, der dritte abwartend, jeder Präsident macht Bürgerrechtspolitik nach Gusto. Und Cecil dient, leise, unauffällig, bald ist er der beliebteste unter den acht Butlern des Weißen Hauses.

Aber Cecil hat mit privaten Problemen zu kämpfen: Sein ältester Sohn sucht im Gegensatz zu seinem Vater die Konfrontation mit den Weißen …

Was zu sagen wäre

Ein Mann, der groß wird in einer Welt, die ihm keine Chance oder den Tod bietet, arrangiert sich mit dem Unvermeidlichen, richtet sich ein, macht Karriere und verteidigt dieses System auch noch, als seine Familie daran zerbricht. Er ist immer in der Nähe des aktuell Mächtigsten Mannes der Welt und hat doch keinerlei Einfluss auf das Geschehen – und so erscheint es ihm richtig. Bis hierhin hat das Forrest-Gump-Charakter. In der Tiefe dann nicht mehr – dafür ist Butler Cecil bei zu klarem Verstand involviert. Er verweigert sich jeder Stellungnahme ganz bewusst. Sein Vater hatte ihn gelehrt, dies sei die Welt der Weißen und bekam eine Minute später eine Kugel in den Kopf, von dem Mann, der gerade seine Mutter vergewaltigt hatte. Er hat in seinem Beruf gelernt, als Diener seinem Herrn jeden Wunsch vom Auge abzulesen. Als Gegenpol sein ältester Sohn, der 25 Jahre nach seinem Vater in eine Welt hineingeboren wird, die in den Umbruch aufbricht und der bereit ist, sich seine Rechte zur Not mit Gewalt zu holen.

Der Film fokussiert vor allem auf die 1950er- und 1960er-Jahre, die Zeiten den Rassenunruhen. Des Butlers Söhne stehen symbolisch für den Zwiespalt, in dem die Schwarzen bis heute stecken. Der eine fällt in Vietnam, der andere opponiert, indem er sich in der Black-Panther-Bewegung engagiert. Klassisches Konfrontationsdrama mit heldenhaft historischer Note. Das hätte furchtbar schief gehen können; wenn US-Filmemacher die Werte der US-Verfassung feiern, muss das Pathos mit Überstunden rechnen. Aber nicht hier: Da sei schon die Besetzung vor. Forest Whitaker (The Last Stand – 2013; „Der letzte König von Schottland“ – 2006) gibt mit seinem seltsam hängenden Gesicht einen formidablen Butler der Weltenlenker, der spät auf den Trichter kommt, dass man irgendwann den Mund aufmachen muss. Oprah Winfrey, im Zivilberuf teuerste Talkmasterin der USA, bietet in einem ihrer seltenen Leinwandauftritte (Die Farbe Lila – 1985) gewohnt souveräne Kunst als im großen und ganzen loyale Ehefrau des Butlers.

Dazu müssen Bob und Harvey Weinstein, die Produzenten, ihren berüchtigten Einfluss in die Wagschale geworfen haben. Jede Menge Groß-Schauspieler tauchen in Kleindarstellerrollen auf: Vanessa Redgrave (Abbitte – 2007; Deep Impact – 1998; Mission: Impossible – 1996; „Blow Up“ – 1966) – wenig Worte, stahlblaue Augen – mit einem starken, Cecils Charakter früh prägenden Auftritt, dazu gibt es Robin Williams (Good Will Hunting – 1996; Jumanji – 1995; Neun Monate – 1995) als Dwight D. Eisenhower, Liev Schreiber (X-Men Origins: Wolverine – 2009; Der Manchurian Kandidat – 2004; Scream - Schrei! – 1996) als Lyndon B. Johnson, John Cusack (2012 – Das Ende der Welt – 2009; Identity – 2006; Weil es Dich gibt – 2001; High Fidelity – 2000) als Richard Nixon und Alan Rickman (Tatsächlich… Liebe – 2003; Harry Potter und der Stein der Weisen – 2001; Stirb langsam – 1988) als Lookalike Ronald Reagens mit Jane Fonda als Nancy – und die ist eine Schau für sich: Fonda hat nur einen zweiminütigen Auftritt, aber der ist grandios.

Während der Film läuft, habe ich manchmal das Gefühl, es könnte ein bisschen schneller gehen, aber wenn der Bogen am Ende sein Ziel erreicht hat, ist alles gut. Eine schöne Geschichtsstunde mit Zungenschnalz-Personal, schönen Dialogen und ideenreicher Montage – immer wieder schneidet Lee Daniels Oval-Office-Gespräche gegen Aktivisten-besprechen-Pläne-Szenen; da wird diese ein bisschen nach-einer-wahren-Begebenheit-Geschichte plötzlich sehr präzise, sehr böse und durchbricht geschickt die im Historienfilm gängige und-dann-und-dann-und-dann Dramaturgie, die halt zu einem historischen Punkt kommen muss.

Wertung: 6 von 7 €uro
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