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Kinoplakat: Hurricane
Eine geschönte Biographie.
Ein zäh inszenierter Film
Titel Hurricane
(The Hurricane)
Drehbuch Armyan Bernstein + Dan Gordon
nach der Autobiografie „The 16th Round“ von Rubin 'Hurricane' Carter und der Biografie „Lazarus and the Hurricane“ von Sam Chaiton + Terry Swinton
Regie Norman Jewison, USA 1999
Darsteller Denzel Washington, Vicellous Reon Shannon, Deborah Kara Unger, Liev Schreiber, John Hannah, Dan Hedaya, Debbi Morgan, Clancy Brown, David Paymer, Harris Yulin, Rod Steiger, Badja Djola, Vincent Pastore, Al Waxman, David Lansbury u.a.
Genre Biografie, Drama
Filmlänge 146 Minuten
Deutschlandstart
2. März 2000
Inhalt

Rubin Carter hat einen Großteil seiner Jugend in der Besserungsanstalt zugebracht. Als junger Mann kämpft er sich an die Spitze: Er wird Boxprofi und steigt in den 60er Jahren zum Idol der afroamerikanischen Jugend auf. Seine Fans nennen ihn nur „The Hurricane“.

Im Sommer 1966 bereitet er sich auf den wichtigsten Kampf seiner Karriere vor – es geht um die Weltmeisterschaft im Mittelgewicht. Doch zu diesem Fight wird es nie kommen. Am 17. Juni wird Rubin Carter in Paterson, New Jersey, wegen dreifachen Mordes verhaftet. Kurz zuvor haben zwei weiße Männer in einer Bar drei andere Weiße erschossen. Noch in derselben Nacht werden Rubin Carter und der ihn eher zufällig begleitende John Artis wegen des Massakers verhaftet.

Obwohl nichts auf eine Verbindung zu dem Verbrechen hindeutet, wird den beiden Männern von einer rassistischen Justiz der Prozess gemacht, denn Rubin Carter und John Artis haben beide ein Problem – sie sind schwarz. Das Urteil lautet: dreimal lebenslänglich. Die unschuldig Verurteilten treten ihre Haftstrafen an. Schon am ersten Tag kommt Rubin Carter in Einzelhaft, weil er sich weigert, die Gefängnisregeln zu akzeptieren. So lehnt er es ab, Häftlingskleidung zu tragen und das Gefängnisessen zu sich zu nehmen. Er zahlt sein Essen selbst.

Kinoplakat: HurricaneUnd er trifft eine Entscheidung, die ihm auf seinem langen Weg in die Freiheit helfen wird: Er schreibt seine Autobiografie, die 1974 unter dem Titel „The Sixteenth Round“ tatsächlich veröffentlicht wird. Gleichzeitig zieht er sich zurück und kümmert sich nicht um das Aufsehen, das sein Fall in der Öffentlichkeit hervorruft. Prominente wie Bob Dylan und Muhammad Ali setzen sich für seine Freilassung ein, es kommt zu großen Demonstrationen – vergeblich.

Jahre später gerät Carters Autobiografie in die Hände von Lesra Martin, einem amerikanischen Jugendlichen, der in Kanada lebt. „The Sixteenth Round“ ist das erste Buch, das Lesra liest. Er ist dermaßen erschüttert, dass er Kontakt zu dem Häftling aufnimmt. Carter, der längst in Lethargie verfallen ist, wird durch Lesras Anteilnahme wachgerüttelt. Lesra bringt eine Gruppe von kanadischen Sozialarbeitern dazu, sich für die Freilassung seines Idols einzusetzen. Sie schaffen es, dass cares fall in einem Wiederaufnahmeverfahren behandelt wird …

Was zu sagen wäre

Ja, das Schicksal Rubin Carters ist schrecklich und Bob Dylan hat einen Song über den Fall geschrieben und der Ami ist ein Rassist.

Biografische Filme haben immer das Problem, dass sie ein lineares Leben auf zwei Stunden zusammen dramatisieren müssen. Häufig wird ein Ereignis aus dem beschreibenen Leben herausgegriffen, das exemplarisch Charakter und Haltung des Portraitierten deutlich macht. Im vorliegenden Fall ist das eine Ereignis ein lebenslanges und es kommen noch soziale Missstände hinzu und der Schauspieler, der den Portraitierten spielt, Denzel Washington (Der Knochenjäger – 1999; Ausnahmezustand – 1998; Dämon – Trau keiner Seele – 1998; Mut zur Wahrheit – 1996; Crimson Tide – 1995), macht seine Sache auch noch ganz gut.

Also alles gut? Nein. Auch dieses BioPic verschluckt sich an der und-dann-und-dann-und-dann-Dramaturgie und ist dann in Randbeorbachtungen ungenau, die vielleicht den Kern des portraitierten Charakters nicht berühren, diesen aber schöner färben, als er tatsächlich war.

Da verliert Carter einen Boxkampf, weil die Jury rassistisch ist – in Wirklichkeit hat Carter diesen Kampf gegen Joey Giardello regulär verloren; er war einfach schlechter. Der Film-Carter tritt in Uniform mit Orden auf, die der Real-Life-Carter nie bekommen hat, während gleichzeitig die kriminelle Vergangenheit Carters eher nebenbei erwähnt wird. Wird da zugunsten eines strahlenderes Image Geschichtskliterung betrieben?

Was soll ich halten von einem Portrait, das in Teilen deutlich geschönt ist? Was kann ich glauben? Wer ist da eigentlich rassistisch?

Das wäre nicht so arg, wenn der Film als solcher wenigstens spannend wäre; aber er braucht zur Beschreibung dieses Boxerlebens nahezu zweieinhalb Stunden, untermal mit schönfärberischer schwarz-weiß-Malerei.

Da lese ich vielleicht doch besser die dem Film zugrunde liegenden Biographien; die sind vielleicht wahrhaftiger.

Wertung: 4 von 11 D-Mark
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