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Kinoplakat: Das zehnte Opfer
Zwei Sexsymbole
kabbeln sich in Futur
Titel Das zehnte Opfer
(La decima vittima)
Drehbuch Tonino Guerra + Giorgio Salvioni + Ennio Flaiano + Elio Petri
nach der Erzählung „The Seventh Victim“ von Robert Sheckley
Regie Elio Petri, Italien, Frankreich 1965
Darsteller
Marcello Mastroianni, Ursula Andress, Elsa Martinelli, Salvo Randone, Massimo Serato, Milo Quesada, Luce Bonifassy, George Wang, Evi Rigano, Walter Williams, Richard Armstrong, Antonio Ciani u.a.
Genre Science Fiction, Komödie
Filmlänge 92 Minuten
Deutschlandstart
5. August 1966
Inhalt
Um die menschliche Aggression zu kontrollieren und wirtschaftlich auszunutzen haben im 21. Jahrhundert Regierungen und Unternehmen eine weltweite Spielshow entwickelt. „Die große Jagd“ verspricht dem Gewinner Reichtum und Ehre. Von einem Computer zufällig ausgewählte Mitspieler werden zu Jägern und Opfern. Die Jäger verfolgen ihre Opfer rund um die Welt, um sie zu töten und in die nächste Runde einzuziehen. Ziel ist es, zehn Opfer zu töten.

Caroline Meredith gehört zu den Jägern, die gerade ihr neuntes Opfer in einer New Yorker Kunstgalerie getötet hat. Das zehnte Opfer, dessen Tötung ihr Wohlstand und Ruhm bringen soll, ist Marcello Poiletti. Poiletti hat selber sechs Opfer umgebracht und nimmt an dem Spiel teil, um die teure Trennung von seiner Frau Lidia bezahlen zu können.

In Rom erwartet Poiletti den ihm unbekannten Attentäter. Caroline verabredet mit einem Fernsehteam eine Übertragung ihres zehnten Mordes, der als Teil einer Werbesendung ausgestrahlt werden soll. Sie gibt sich als Reporterin aus, die über die sexuellen Interessen italienischer Männer schreiben will und verabredet mit Poiletti ein Treffen am Tempel der Venus. Poiletti ist skeptisch und hegt den Verdacht, dass Caroline die Attentäterin ist.

Er plant ihren Tod, er will sie von Krokodilen fressen lassen. Ein von ihm informiertes Fernsehteam soll dies aufnehmen …

Was zu sagen wäre

Das ist ein alberner Film, ohne jede Spannung. Er präsentiert eine interessante Ausgangssituation mit hysterischen, teils schön anzuschauenden Menschen in zynischer Umgebung. „Hier darf man nicht schießen. Seit dem 1. des Monats. Wir haben drüben die Verordnung hängen.“ Die Zukunft ist auch nicht mehr, was sie mal war.

„Was für ein Leben ist das heutzutage? In Bars darf man nicht schießen. In Krankenhäusern darf man nicht schießen. In Kirchen darf man nicht schießen. Beim Friseur darf man nicht schießen. Und in den Kinderheimen darf man es auch nicht. Derzeit darf man wirklich überhaupt nirgendwo mehr schießen, dann soll man doch den ganzen Quatsch aufgeben, finde ich.“ Da hat die zynische Kunstform Film gerade erst die Zukunft des gesellschaftlichen Tötens erfunden und schon hat sie Gesetze dagegen erlassen. Die Zukunft will in dieser Groteske aus italienischer Küche nicht ernst genommen werden. „Warum lassen sie die Leichen immer so herumschwimmen. Das ist eine Schweinerei.“ Und das Science-Fiction-Genre bietet der Regie Gelegenheit, Ursula Andress in futuristisch hautengen Klamotten zu kleiden – in Pink.

Kinoplakat (FR.): Das zehnte OpferDer Film spielt mit der erotischen Ausstrahlung seiner Protagonisten – Italiens Supermann Mastroianni ganz in Blond und Ursula Andress, dieser großäugig-blonde Import aus der Schweiz, den das Kino uns seit James Bonds Premiere als die Superfrau für jede Gelegenheit verkaufen will. Die beiden schwirren als Opfer und Jäger umeinander und um die gesellschaftspolitischen Themen – jede gute Science Fiction braucht ein gesellschaftspolitisches Thema – der medialen Marktmacht. „Wie lautet der Slogan, den Sie sagen sollen, Poiletti?“ „Während der Tötung der Jägerin Caroline Meredith verpflichtet sich der unterzeichnende Marcello Poiletti das mit Ihrem Erzeugnis gefüllte Glas zu erheben und mit klarer und deutlicher Stimme nach einem höflichen, einladenen Lächeln den folgenden Slogan auszusprechen: ‘Mit Coca80 gewinnt man immer‘.“

Die mediale Macht ist spätestens seit 1951 in aller Köpfe, seit Billy Wilder in „Reporter des Satans“ Schlagzeilen über Menschenleben hat trampeln lassen. Über gewisse Gefahren – und als solche taugen Medien allemal – kann man aber wenig zu viel sagen; im Medium Film allerdings braucht es zu dem Gesagten dann auch die passenden Bilder. Aber die fehlen hier.

Anstatt, dass die Amerikanerin den Italiener bei einer der zahllosen Gelegenheiten umbringt, die er ihr freiwillig/unfreiwillig bietet, muss sie auf den rechten Zeitpunkt der medialen Inszenierung warten; das ist die einzige Motivation, die den Film tatsächlich vorantreibt. Das ist natürlich bösartig und wirft ein kritisches Schlaglicht auf die aktuelle Rolle der Vermarktung in der modernen Gesellschaft; aber es erschöpft sich dann auf ein paar zynische Kommentare der Fernsehleute – zu wenig für das Medium Film.

In der Zwischenzeit verführt der kühle blonde Italiener die kühle blonde Amerikanerin, schützt seine alten Eltern vor der Entsorgung („Warum wollen Sie sie denn noch durchfüttern“) und dialogisiert der Film kuriose Themen einer erfundenen Zukunft. Das ist alles recht amüsant anzuhören in seiner senkrecht-waagerecht-langlinigen Kulisse, die Zukunft apostrophieren soll, führt aber zu keiner tiefer greifenden Erkenntnis innerhalb der Geschichte.

Wertung: 5 von 9 D-Mark
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