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Kinoplakat: Das Versprechen

Ein großes Krimi-Drama mit
einem Gänsehaut-Jack-Nicholson

Titel Das Versprechen
(The Pledge)
Drehbuch Jerzy Kromolowski + Mary Olson-Kromolowski
nach dem gleichnamigen Roman von Friedrich Dürrenmatt
Regie Sean Penn, USA 2001
Darsteller

Jack Nicholson, Benicio Del Toro, Aaron Eckhart, Helen Mirren, Tom Noonan, Robin Wright Penn, Vanessa Redgrave, Mickey Rourke, Sam Shepard u.a.

Genre Drama, Crime
Filmlänge 124 Minuten
Deutschlandstart
11. Oktober 2001
Inhalt

Sechs Stunden vor seiner Pensionierung wird Detective Jerry Black mit einem grausamen Kindermord konfrontiert. Black informiert die Eltern des Mädchens und verspricht der Mutter „bei seinem Seelenheil“, den Täter zu finden.

Seine Ex-Kollegen Stan und Eric sind sich sicher, in dem vorbestraften verwirrten Toby Jay Wadenah ihren Täter gefunden zu haben. Doch Black glaubt nicht an ihre Theorie, forscht weiter und wird in der Schule des Mädchens auf eine Zeichnung verwiesen, auf der ein Riese zu sehen ist, der dem Mädchen kleine Igel schenkt. Diese Kleinkinder-Zeichn ung und ander Indizien überzeugen Black, dass der Täter noch frei herumläuft und sein nächstes Opfer – sicher ein kleines blondes Mäödchen – schon im Blick hat. Seine Kollegen auf dem Revier glauben Black nicht. „Hör auf!“ sagen sie, „Genieß' Deinen Ruhestand.

Black macht sich alleine an die Arbeit, kauft eine alte Tankstelle, weil er überzeugt ist, dass der Täter früher oder später bei ihm tanken wird. Black hat den Kinderzeichnungen auch entnehmen können, dass der „Riese“ einen schwarzen Lieferwagen (oder etwas ähnliches) fährt. Er freundet sich mit der Kellnerin Lori aus einem nahegelegenen Pub an, die mit ihrer kleinen blonden Tochter Chrissy zu ihm zieht, nachdem ihr Ex-Mann sie wieder einmal verprügelt hat.

Wochen vergehen, in denen Black zwar immer mehr zum Ersatzvater für die kleine Chrissy wird, aber sonst nichts weiter herausfindet, bis der Zufall ihm zu Hilfe eilt und er in der Gegend auf eine Herstellerin von Igelfiguren stößt, deren Sohn Gary Jackson zum Täterprofil passt: hochgewachsen, Fahrer eines dunklen, japanischen Kombis, mit über vierzig Jahren noch unverheiratet, lebt bei der Mutter.

Black entschließt sich, die Tochter der Kellnerin Lori, die nicht weiß, dass er ursprünglich Polizist war, als Köder einzusetzen – ganz heimlich, ganz vorsichtig.

Das Drama nimmt seinen Lauf …

 

Was zu sagen wäre

„The Pledge“ gehört zu jenen Filmen, die gut gespielt, gut inszeniert, gut fotografiert sind, an denen also rundum nichts auszusetzen ist, die aber erst auf ewig in gänsehautiger Erinnerung bleiben, weil sie ein unerwartetes Ende haben. Im vorliegenden Fall schubst uns Sean Penn in die schiere Verzweiflung, der in Jack Nicholson einen Partner gefunden hat, der schiere Verzweiflung auch glaubhaft verkörpern kann (Besser geht‘s nicht – 1997; Mars Attacks! – 1996; Crossing Guard – 1995; Eine Frage der Ehre – 1992; Die Spur führt zurück – The two Jakes – 1990; Batman – 1989; Die Hexen von Eastwick – 1987; Wenn der Postmann zweimal klingelt – 1981; Shining – 1980; Duell am Missouri – 1976; Einer flog über das Kuckucksnest – 1975; Chinatown – 1974; „Das letzte Kommando“ – 1973; Easy Rider – 1969; Psych-Out – 1968; Der Rabe – Duell der Zauberer – 1963; Kleiner Laden voller Schrecken – 1960).

Ich möchte Sean Penn gerne um den Hals fallen

An diesem Drama stimmt einfach alles und für seine gnadenlose Konsequenz möchte man Penn um den Hals fallen, der in einem Studioumfeld arbeitet, das zunehmend leichte, massentaugliche Kost produziert und auf den nächsten Box-Office-Hit hofft. Da kommt „The Pledge“ wie eine Bedrohung daher: „Schaut hin, gutes Kino geht auch anders!“ Zum Beispiel mit Szenen wie dieser: Jack Nicholson muss ein Ehepaar über den Tod seiner Tochter informieren. Penn steigt in diese aus tausend Krimis gesehene Situation auf einer Putenfarm ein. Die Scheune ist randvoll mit Puten, Tom hat Das gerade eine zum Schlachten ausgesucht, das Schnattern der Puten ist ohrenbetäubend. Ein Blaulichtwagen hält vor dem Scheunentor, Jack Nicholson bahnt sich seinen Weg durch das Puten-Meer, die Kamera zieht sich zurück, man sieht drei Menschen, man sieht und hört Putengeschnatter. und dann bricht die Frau weinend zusammen. Kein Wort war zu hören. Der Zuschauer weiß trotzdem, was gesagt wurde. Und die Puten schnattern – am Anfang der Szene ist eine von ihnen gestorben, am Ende der Szene einer der Menschen.

Penn entwickelt seinen Film in Ruhe, mit der Geduld eines Langstreckenläufers, der den richtigen Moment für einen Zwischensprint abpasst und inszeniert vor auf der Leinwand seltener Kulisse – in den Bergen Nevadas. Jenem US-Bundesstaat, der durch die Glitermetrople Las Vegas weltbekannt ist. Aber Glitzer  ist hier nicht. Der Film beginnt im Winter, die Landschaft ist oben schneebedeckt, darunter dreckig, die Menschen wortkarg, herzlich im Umgang untereinander, harsch zu Außenstehenden. Kaum ist Jerry Black pensioniert, kühlt die Freude der Kollegen, ihm bei seinem Verdacht zu helfen, rasch ab. Also macht sich der Pensionär alleine auf die Suche, und die zieht sich hin. Über eineinhalb Jahre. Jack Nicholson spielt diesen Ex-Officer als ruhelosen alten Mann, den ein Gespenst umtreibt, das ihn nicht ruhen lässt. Äußerlich die Ruhe selbst, kann er jeden Moment explodieren.

Seine Suche führt ihn zu Gesprächen mit Vanessa Redgrave als Großmutter des toten Mädchens, mit Helen Mirren als Psychologin, die eine Kinderzeichnung dechiffrieren soll, mit Mickey Rourke, Harry Dean Stanton und Robin Wright Penn (Unbreakable – Unzerbrechlich – 2000; Message in a Bottle – 1999; Forrest Gump – 1994). Außerdem tauchen in Kleinstrollen auf: Patricia Clarkson, Benicio Del Toro, Aaron Eckhart und Sam Shepard. Sean Penn (Crossing Guard – 1995) inszeniert mit ruhiger Hand, weiß aber vor seiner Kamera absolute Könner der Schauspielerei, die das Langsame mit Leben füllen.

Natürlich gab es diese Geschichte schon – wenn auch nicht wirklich so. Sie kam als schwarz-weißer Es geschah am hellichten Tag mit Heinz Rühmann und Gert Fröbe 1958 in die Kinos. Der Film basierte auf einem Drehbuch, dass der Schweizer Dramatiker Friedrich Dürrenmatt mitverfasst hatte und woraus er später den Roman „Das Versprechen“ destilierte. Der Rühmann-Fröbe-Film folgt dem Ur-Script, mit dem Dürrenmatt sich nie wirklich angefreundet hat, weswegen er den dann folgenden Roman an entscheidender Stelle änderte. Penns „Das Versprechen“ basiert auf diesem Roman, der letztlich das gesamte Gesellschaftsporträt durcheinanderwirbelt.

Jack Nicholson in einer Heinz-Rühmann-Rolle

Der direkte Vergleich ist interessant: der schwarz-weiße Rühmann-Film ist keinen Deut weniger spannend als die in Farbe gedrehte Nicholson-Version. 1958 sorgte das Fernduell des kleinen Rühmann als heldenhafter Polizist mit Gert Fröbe als finsterer Unhold für einen großen Teil der Spannung. Im vorliegenden Fall ist dieses Duell eher marginal, hier ist das Porträt des Polizisten – Jack Nicholson in der Heinz-Rühmann-Rolle – der entscheidende Faktor, der dem Film seinen Drive gibt.

Ein großes Werk!

Wertung: 6 von 6 €uro
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