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Kinoplakat: Das Leuchten der Stille
Eine melancholische Lovestory im Roman
eine oberflächliche Inszenierung im Kino
Titel Das Leuchten der Stille
(Dear John)
Drehbuch Jamie Linden
nach dem Roman von Nicholas Sparks
Regie Lasse Hallström, USA 2010
Darsteller Channing Tatum, Amanda Seyfried, Richard Jenkins, Henry Thomas, D.J. Cotrona, Cullen Moss, Gavin McCulley, Jose Lucena Jr., Keith Robinson, Scott Porter, Leslea Fisher, William Howard Bowman, David Andrews, Mary Rachel Dudley, Bryce Hayes u.a.
Genre Drama, Romantik
Filmlänge 108 Minuten
Deutschlandstart
6. Mai 2010
Website nicholassparks.com
Inhalt

Charleston, South Carolina: Der Soldat John lernt im Heimaturlaub die bezaubernde Savannah kennen und beide verlieben sich ineinander. Aber John will noch das letzte Jahr seines Militärdienstes ableisten und erst danach mit Savannah zusammenziehen.

Nach den Anschlägen am 11. September 2001 entscheidet sich John anders – für sein Land und seine Kameraden. Er verlängert seinen Dienst, um in den Krieg zu ziehen. Kurz darauf bekommt er einen Abschiedsbrief von Savannah: Sie will nicht länger auf ihn warten und hat sich mit einem Anderen verlobt. John ist enttäuscht und versucht, Savannah zu vergessen.

Doch seine große Liebe geht ihm nicht aus dem Kopf. Als er endlich heimkehrt, macht er sich auf die Suche nach ihr …

Was zu sagen wäre

Der erste Kuss ist – fast möchte ich sagen: natürlich – im Regen. Da ist der Film vielleicht 20 Minuten alt, aber längst liegt Melancholie über den Bildern, die Lasse Hallström (Schiffsmeldungen – 2001; Gottes Werk & Teufels Beitrag – 1999; Gilbert Grape – 1993) stimmungsfördernd montiert und mit sonnenuntgangigen Strandbildern aufmotzt. Was dann vielleicht noch nicht reicht, macht der Name des Autors der Romanvorlage wett: Nicholas Sparks schreibt am liebsten Geschichten (Message in a Bottle – 1999), in denen es mit der Liebe am Ende kein gutes Ende nimmt – oder nur um einen hohen Preis („Wie ein einziger Tag”, 2004).

Für einen Kinofilm ist alles zu wenig

Sparks und Hallström lassen zwei Lebensvorstellungen aufeinander prallen: Er hält Lebensverpflichtung für Kameradschaft, sie für ein soziales Engagement. Beide stellen ihre Gefühle füreinander hintenan. Und scheitern. Nicholas Sparks erzählt diese Geschichten von der einen Großen Liebe im Leben, der sich alle anderen Lieben, die es auch noch gibt, werden unterordnen müssen. Aber dass ist der Roman. Der Text. Bei so einer Geschichte als Film muss mehr passieren, als die gleichförmig schöne, schön melancholische Chronologie von Bildern und Geschehnissen.

Die Story enwickelt sich ohne Umwege, Amanda Seyfried („Mamma Mia” – 2008; In Time – 2011) ist – schon wieder – entzückend, die schöne Blonde mit den blauen Kugelaugen, die alle toll finden, die aber trotzdem nicht abgehoben ist, dafür total sozial eingestellt. Daneben Channing Tatum („G.I. Joe – Geheimauftrag Cobra” – 2009), der von diesem Film aus eine erfolgreiche Karriere startet, der hier tapfer als junger, stoisch ruhiger Soldat mit Autisten-Vater und Vergangenheit dagegen hält. Früh künden sich die Neider der Liebe und die kleinen großen Stolpersteine an.

Es beginnt die Zeit der Melancholie

Die Romantik hat eine halbe Stunde. Dann beginnen die Probleme. Jene Nicholas-Sparks-artigen Probleme, die mitleiden lassen, die nicht gleich weh tun und Reaktionen evozieren, aber … schwerblütig sich aufs Gemüt legen. Schöne Melancholie: Es beginnt die Zeit der Briefe, die der Story ihren Originaltitel „Dear John” geben; Eine lange Offtext-Strecke, die fließt, hin und her weht und sehr gut funktioniert. Dann schlagen die Flugzeuge ins World Trade Center ein – 11. September 2001. Und hier ändert dieses Datum tatsächlich vieles.

Dem Film fehlt das dramatische Element. Alles ist, wie es sein sollte, aber dann nimmt Savannah, die „ohne John nicht leben mag”, deren Leben „ohne John sinnlos ist”, einen anderen und verlobt sich mit dem? Dann liegt Johns Vater nach einem Schlaganfall im Krankenhaus, John kommt also heim nach Charleston … und hier kann man – vielleicht symptomatisch für das letztliche Scheitern des Films – erkennen, wie hilflos Lasse Hallström, der mit solcherart Kino eigentlich bestens vertraut ist, dem Sujet gegenübersteht: In einer länglichen Brief-vorlese-und-vom-Vater-Abschied-nehm-Szene schneidet Hallström mal von hier, mal von dort, mal von halb hinter dem Vorhang – sodass der Zuschauer, der ja eigentlich darauf wartet, dass es zum wie auch immer gearteten Showdown mit Savannah kommt, glaubt, sie komme gleich aus einer jener Richtungen, deren Perspektive die Kamera vorgibt. Tut sie aber nicht.

Statt dessen gibt es John am Strand im Regen. Das ist Dramatisierung eines lahmenden Scripts durch Schnitt. Unfein. Und entlarvend. Oberflächlich.

Wertung: 3 von 7 €uro
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