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Kinoplakat: Das gelbe Segel
Melancholie in Louisiana nach dem Orkan
wunderbare Bilder, gute Schauspieler
Titel Das gelbe Segel
(The Yellow Handkerchief)
Drehbuch Pete Hamill + Erin Dignam
Regie Udayan Prasad, USA 2008
Darsteller William Hurt, Maria Bello, Kristen Stewart, Eddie Redmayne, Kaori Momoi, Emmanuel Cohn, Nurith Cohn, Veronica Russell, Grover Coulson, Lisha Brock, Lucy Faust, John Gregory Willard u.a.
Genre Drama
Filmlänge 102 Minuten
Deutschlandstart
19. November 2009
Inhalt

Brett kommt nach Louisiana. Er kommt frisch aus dem Gefängnis. Sechs Jahre hat er gesessen. Niemand holt ihn ab. In einem Kaff trifft er auf die 15-jährige Martine und den jungen Außenseiter Gordy. Gordy will über den Fluss, Martine nur weg von hier, Brett nach New Orleans. Sie tun sich für die Überfahrt zusammen. Auftakt zu einer mehrtägigen Reise im Cabrio durch von Orkan Katrina zerstörte Landstriche.

Während Martine mit Familien- und Beziehungsproblemen zu kämpfen hat, ist Gordy ein naiver Sonderling, der nach eigener Aussage indianische Wurzeln hat und in einer gut situierten Familie aufgewachsen ist, in der er sich jedoch nicht mehr willkommen gefühlt habe. Er verliebt sich in Martine. Martine, leidlich hübsch und eingebildet, aber wartet auf den Prinzen auf dem weißen Pferd.

Von Brett weiß man anfangs wenig, Martine und Gordy gar nichts. In Rückblenden wird die Geschichte von ihm und seiner Ex-Frau May erzählt. Ein holpriger Start in die Beziehung, Schwangerschaft, Fehlgeburt, ein Streit, der mit einem Todesfall endet – Grund für die sechs Jahre im Gefängnis. Brett ließ sich daraufhin von May scheiden, damit sie frei von ihm ist. Heute ringt er mit der Frage, ob er versuchen sollte, May wiederzufinden oder ein neues Leben ohne sie beginnen.

Brett schreibt eine Postkarte, in der er ihr seine Rückkehr ankündigt und sie bittet, wenn sie ihn wiedersehen möchte, das gelbe Segel ihres Hausbootes für ihn als Zeichen zu setzen …

Was zu sagen wäre

Ein Roadmovie durch das Katrina-versehrte Louisiana. Drei Menschen, die wie der Landstrich aus der Spur sind. Eine stille Charakterstudie, die nicht viel äußere Handlung braucht, um von einem Mann zu erzählen, der im Leben nichts hat festhalten wollen, jede Verantwortung gescheut hat, der über zwei Halbwüchsige, die ähnlich ziellos und alleine sind, den Funken findet, der sein Leben neu entzündet.

Getragen wird „Das Gelbe Segel” von William Hurt (Into the Wild – 2007; „Syriana” – 2005; The Village – 2004; Spurwechsel – 2002; „A.I. Künstliche Intelligenz” – 2001) und der schmerzhaft abwesenden und großartigen Maria Bello („Der Jane Austen Club – 2007; „World Trade Center” – 2006; Traumpaare: Duetts – 2000; „Payback – Zahltag” – 1999). Kristen Steward (Into the Wild – 2007; „Fierce People” – 2005; Panik Room – 2002), der auf dem Weg zu einer großen Schauspielerin stets ihr Hasenzähnchen-Mund mit den leicht geschürzten Lippen im Wege ist, gibt eine immerhin reife Vorstellung der Südstaatenpflanze. Aber im Vergleich zu Maria Bello verblasst sie; Bello trumpft mit der Ausstrahlung, Reife und Erfahrung auf.

Szenenbild: William Hurt und Kristen Steward in Das gelbe Segel

Erzählt wird im träge dahinfließenden Tempo des Mississippi in berauschend schönen Bildern – einmal sitzen die drei auf der Kühlerhaube ihres Cabrios, Abendstimmung, im Hintergrund flirren unscharf Indistrie-Schlote. Selten schafft es ein Frame, einen ganzen Film zusammenzufassen; hier gelingt es.

Nichts ist von Dauer in diesem Film – Beziehungen nicht, Versprechen nicht, Handlungselemente nicht; der Süden muss sich nach dem Sturm mühsam wieder finden, Vertrauen finden. Die Menschen auch.

Wunderbare Melancholie.

Wertung: 6 von 7 €uro
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