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Kinoplakat: Crazy, Stupid, Love.
Erwachsene Komödie über
die wichtigen Dinge im Leben
Titel Crazy, Stupid, Love.
(Crazy, Stupid, Love.)
Drehbuch Dan Fogelman
Regie Glenn Ficarra & John Requa, USA 2011
Darsteller Steve Carell, Ryan Gosling, Julianne Moore, Emma Stone, Analeigh Tipton, Jonah Bobo, Joey King, Marisa Tomei, Beth Littleford, John Carroll Lync, Kevin Bacon, Liza Lapira, Josh Groban, Mekia Cox, Julianna Guill u.a.
Genre Komödie, Romanze
Filmlänge 118 Minuten
Deutschlandstart
18. August 2011
Inhalt

25 Jahre verheiratet. Die regelmäßigen Kerzenschein-Dinner im Restaurant sind Routine. Bis heute. Heute überrascht Emily ihren Cal mit dem Wunsch „Ich möchte die Scheidung!”

Cal fällt aus allen Wolken, versteht überhaupt nicht, wiesoweshalbwarum. Im Büro – immerhin – sind sie erleichtert. Eine Kollegin hatte Cal auf der Toilette weinen gehört und alle nahmen an, er habe vielleicht Krebs. Aber „nur eine Scheidung”, das ist nicht so schlimm. Für die anderen nicht. Für Cal Ja. Emily war seine einzige, ist seine Liebe. Er zieht aus dem gemeinsamen Haus aus und klagt sein Leid an der Theke einer schnieken Bar. Das geht ein paar Tage so und er geht allen auf die Nerven. Den Namen David Lindhagen können hier alle längst buchstabieren. David Lindhagen ist der Buchhalter in Emilys Firma, mit dem sie sich – „Ich kann Dir nicht einmal genau sagen, warum.” – auf ein Schäferstündchen eingelassen hatte.

Schließlich fasst sich Jacob ein Herz und nimmt sich seiner an. Jacob ist ein gutaussehender, smart gekleideter, charmanter Aufreißer, der hier jeden Abend Frauen abschleppt. Nur eine nicht. Die rothaarige Hanna, die hier ab und zu sitzt, widersteht kühl seinem Charme. Vorerst aber bringt Jacob Cal nun also Flirttipps bei – nachdem er ihn erst einmal komplett neu eingekleidet hat. Nach anfänglichen Stolpereien legt Cal ordentlich los und steht seinem jugendlichen Lehrer bald nicht mehr nach. Doch all die Affären, die er unter anderem auch mit Kate hat, der Lehrerin seines Sohnes, lassen ihn nur mehr die Liebe zu Emily erkennen.

Emily wird derweil von Lindhagen umgarnt, jenem One-Night-Stand; und sie weiß nicht recht, ob sie will oder soll oder lieber doch nicht. Jacob trifft gleichzeitig wieder auf Hannah. Das heißt, eigentlich trifft die auf ihn. Hannah hat gerade ihr Jura-Studium erfolgreich beendet und hatte eigentlich erwartet, von ihrem Komilitonen geheiratet zu werden. Der allerdings ziert sich. Leicht angetrunken rauscht sie ab, hängt sich an Jacobs Hals und beide landen im Bett, verfallen dort allerdings der Erotik des Wortes und lachen und reden und lachen die ganze Nacht. Nur … schlafen tun sie nicht miteinander. Hannah hatte auch leichte Komplexe, als Jacob, wie von ihr gewünscht, sein Hemd auszog und einen Michelangelo-mäßigen Oberkörper präsentiere, was ihr ein atemloses „Oh mein Gott, das sieht aus wie Photoshop!” entlockte. Jacob verliebt sich und beschließt, sein Schürzenjäger-Dasein an den Nagel zu hängen. Das ist allerdings mit einem delikaten Problem verbunden.

Noch gar nicht erwähnt werden konnte bisher: Cals Sohn Robbie, 13 Jahre alt, ist in seine Babysitterin Jessica, 17 Jahre alt, verliebt. Robbie ist überzeugt, dass der Altersunterschied „heute noch” ein Faktor ist, aber mit der Zeit immer unwichtiger wird. Jessica findet das nicht nur peinlich und albern. Jessica ist auch heimlich in Cal verliebt.

Cal hat nach diversen One-Night-Stands die Nase voll und schmiedet Pläne, wie er Emily wieder gewinnen kann. Im – ehemals – gemeinsamen Garten baut er eine Überraschung auf. Allerdings stehen plötzlich auch Hannah und Jacob, Robbie und die kleine Schwester Molly, Jessica und deren zornesroter Vater Bernie auf dem Rasen. Zwischen den Männern kommt es zu einer handfesten Prügelei. Und plötzlich sind alle Fragen wieder offen …

Was zu sagen wäre

Das Genre der Romantic Comedy hat Inflation in Hollywood. Gab es in den 1980er und 1990er Jahren nur ab und zu mal eine nennenswerte Kino-Romanze, die in Erinnerung bleiben würde – Harry und Sally (1989) etwa oder auch Notting Hill (1999) – überschwemmen sie seit einigen Jahren den Markt. Aber es bleibt dabei: Viele sind ganz hübsch, ganz nett, ganz erträglich, aber meist bleibt dann nur einer im Gedächtnis. 2011 ist das die vorliegende Romantic Comedy.

„Crazy, Stupid, Love.” ist im besten Sinne erwachsen, lässt ihre Protagonisten in alle Fettnäpfchen treten, aber beachtet dabei respektvoll das Alter der oder desjenigen Fettnapftreters – will heißen: Die ganz ganz dummen Sachen machen die Teenager, die – naja – irgendwie peinlichen Auweia-Sachen machen die Erwachsenen. Spiegel Online bemerkte zu diesem Punkt sehr treffend: Bei allen Macken ist Crazy, Stupid, Love selbst ein ‘game-changer‘. Das liegt zum einen daran, dass es sich hierbei um einen echten Erwachsenenfilm handelt. Drehten sich Hollywood-Komödien in den letzten Jahren hauptsächlich um Thirtysomethings, die sich vor Verantwortung drückten, sind hier alle Hauptfiguren damit beschäftigt, Entscheidungen zu treffen und die Konsequenzen dafür zu tragen.

Liebe ist was für jedes Alter

Der Film blättert sehr schön auf, dass das Thema Liebe mit ihre idiotischen Verrenkungen in keinem Alter vorbei sind – sollte es eine Fortsetzung geben, werden sicher auch Großeltern in den Liebesreigen verwickelt. Nein, die Wirren sind mit dem Hochzeitstag nicht vorbei. Irgendwann lebt sich jeder auseinander und ist plötzlich wieder, siehe Cal und Emily, „auf dem Markt”, dessen Gesetze sich allerdings völlig verändert haben. Anmachsprüche wie, „Hey, Du stehst Deinem Kleid aber gut!”, die irgendwann mal chic gewesen sein müssen, gehen gar nicht mehr.

Die Besetzung ist großartig. Ryan Gosling, Hollywoods neuer Hottie, („Blue Valentine” – 2010; Lars und die Frauen – 2007; „Wie ein einziger Tag” – 2004) ist entzückend in seiner Beiläufigkeit, mit der er seinen Waschbrettbody präsentiert. Emma Stone, Hollywoods andere neue Hottie, (The Amazing Spider-Man – 2012; The Help – 2011) ist in einem Raum voller Model-Schönheiten ohne erkennbare Anstrengung sofort die Allerschönste. Die Szene, in der sie erstmals alleine mit Jacob in dessen schmucken Haus steht und nun niemand so recht weiß, wie's weiter gehen soll, meistert sie großartig. Sie ist gleichzeitig charmant, kratzig, schutzsuchend, souverän, klug und neugierig – und wunderschön, ohne klassisch ebenmäßig hübsch zu sein.

Julianne Moore ist entzückend

Steve Carrell ist offenbar auf die Rolle des lernwilligen, mittelalten Singles abonniert. Alleridngs tut er mehr, als seine Rolle aus „Jungfrau, männlich, 40 sucht …” zu variieren. Auch er liefert die ganze Bandbreite an Gefühlen, die einer so hat, dem die Frau den Stuhl vor die Tür gestellt hat. Julianne Moore („Shelter” – 2010; „The Kids Are All Right” – 2010; „Children of Men” – 2006; Schiffsmeldungen – 2001; Evolution – 2001; Hannibal – 2001) macht aus dem Wenigen, das für sie im Drehbuch steht, eine große Vorstellung. Sie muss als Emily, als diejenige, die sich trennt, als die „Verursacherin” auch dem griesgrämigen Zuschauer vermittelbar bleiben, sie muss glaubhaft die Frau verkörpern, zu der der nette, freundliche, unschuldige und so absolut treu ergebene Cal zurückkehren möchte. Das spielt sie perfekt zwischen klarer Diktion und stimmbrechender Verunsicherung.

Für Kevin Bacon als Arschloch – als der, der Emily ihrem Mann wegnehmen will – bleibt noch weniger Spielraum. Ihn mag keiner – nicht mal Emily so recht. Aber Bacon (X-Men: Erste Entscheidung – 2011; Super – 2010; Frost/Nixon – 2008; Mystic River – 2003) spielt diesen David Lindhagen mit der bescheidenen Grandezza eines Mannes, der schon im ersten Frame weiß, dass er verloren hat, so elegant, dass man fast bemüht sein möchte, ihm aus dem Reigen der vielen auftretenden Frauen durch einen Drehbuchtwist auch noch eine zukommen zu lassen – aber dann wär's eben auch eine Durchschnitts-Sommerromanze im Kino geworden.

Nicht unerwähnt bleiben sollte die sympathische Randnotiz, dass der Filmtitel gefunden wurde, indem die Filmproduzenten im Team einen Preis für denjenigen auslobten, der einen Titel für diese vielschichtige Komödie finden würde.

Wertung: 7 von 7 €uro
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