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Plakatmotiv: Criminal Squad (2018)
Ein beinharter Testosteron-Ballermann,
zu dem man besser keine Fragen stellt
Titel Criminal Squad
(Den of Thieves)
Drehbuch Christian Gudegast + Paul Scheuring
Regie Christian Gudegast, USA 2018
Darsteller Gerard Butler, Pablo Schreiber, O'Shea Jackson Jr., Curtis '50 Cent' Jackson, Meadow Williams, Maurice Compte, Brian Van Holt, Evan Jones, Mo McRae, Kaiwi Lyman, Dawn Olivieri, Eric Braeden, Jordan Bridges, Lewis Tan, Cooper Andrews u.a.
Genre Action
Filmlänge 140 Minuten
Deutschlandstart
1. Februar 2018
Inhalt

Die Federal Reserve Bank in Downtown L.A. ist eine wahre Festung. Wer auch nur daran denkt, hier einzubrechen, ist entweder komplett verrückt – oder ein knallharter Profi. Genau deshalb plant der Anführer einer Gruppe von Bankräubern dort zuzuschlagen, wo es niemand erwarten würde – und die Federal Reserve vor den Augen der Polizei leerzuräumen.

Doch der skrupellose Elite-Cop Nick Flanagan hat bereits die Spur der Gruppe aufgenommen. Auf seiner Mission, die Bande zu unterwandern und zu stoppen, nimmt Flanagan keine Rücksickt auf das Gesetz …

Was zu sagen wäre

Ihr seid nicht die Bösen. Wir sind's“, sagt Major-Crimes-Cop „Big Nick“ O’Brien mit rauer Stimme zum dem Würstchen,  Bankräuberfahrer, den er mit seiner Crew gerade getasert und entführt hat, um Infos über die Pläne des Bankräuberbosses zu kriegen. Hält das Würstchen dicht, „erschießen wir Dich!“ Nix God Cop, Bad Cop. Die Welt in diesem Film ist so rau wie grau. Es werden keine Gefangenen gemacht. So hat es der Trailer versprochen. So hat es der Film gehalten.

„Criminal Squad“ ist ein intensiver Macho-Thriller, dessen Marschrichtung – Cop gegen Mob, Mob gegen Cop – nach wenigen Minuten auch im Film testiert ist. Christian Gudegast, der bisher durch Drehbücher für beinharte Actionfilme aufgefallen ist (London Has Fallen – 2016; „Pink Panther Mafia“ – 2015; „Extreme Rage“ – 2003), sitzt erstmals auf dem Regiestuhl – und geriert sich als eleganter Poser. Er widersetzt sich der in Actionfilmen heute fast zwanghaften Wackelkamera, erzählt seine Story statt dessen mit gleitenden Bildern, lässt seine Techniker alle Bildstabilisatoren einsetzen, die Equipment und Postproduction hergeben. In der Umgebung dieser harten Cop-Kerle wirkt das ein bisschen, als wolle Gudegast allen zeigen: Seht her, ich beherrsche das schwerste Equipment selbst am Hubschrauber hängend und bei rasanten Autojagten. In meiner Hand schnurrt und gleitet es wie ein Kätzchen. Tatsächlich entfachen die Bilder in diesem Film einen faszinierenden Sog.

Weil es auch um professionelle Bankräuber geht, es gleich zu Beginn eine groß angelegte Schießerei zwischen Cops und Räubern auf offener Straße gibt, liegt ein Vergleich mit Michael Manns Heat (1995) auf der Hand. Aber der Vergleich hält nicht lange.

Gudegast legt zwar Wert auf das anspruchsvolle Bild, will aber sonst vor allem harte Kerle und schmutzige Action. Das kriegt er hin zu Lasten von Charakteren und Story. Die Figuren sind alle was sie sind – keine zweite Ebene, keine Entwicklung: Gerard Butler ist Big Nick, der Boss, der gewinner, der böse Gute. Sein Gegenspieler Merrimen ist gegenspieler. Punkt.Warum er die Federal Reserve überfallen will? Weil es noch keiner gemacht hat. Die Nebenfiguren bleiben Nebenfiguren ohne weitere Funktion – außer der, zu gegebener Zeit im Kugelhagel zu sterben. Das ist nicht schlimm, der Trailer (s.o.) hat ja mehr nicht versprochen.

Aber es bleiben simple Fragen unbeantwortet:

  • Da ist ein von knallharten Profis geklauter Geldtransporter, der beim Überfall leer war. Und keiner der Major-Crimes-Cops wundert sich darüber: Profis rauben einen leeren Transporter? Könnte es sein, dass die es just auf den transporter, gar nicht auf Geld abgesehen hatten? Und dass sie also den Geldtransporter für ein ganz spezielles großes Ding brauchen? Nein, es wundert sich keiner. Warum auch, wenn man doch Kleinkriminell mit der Waffe zum Reden bringen kann.
  • Als Merrimen seinen Leuten den Coup in der Federal Reserve bank erläutert, steht er mit ihnen in einer Art Parkdeck gegenüber der Bank, wo er dann breitbeinig die Sicherheitsmaßnahmen der Bank erläutert „Alles ist voller Kameras, Sensoren und Bewegungsmelder. Wenn Du stehen bleibst und Dir das Gebäude ansiehst, hast Du schon die Wachleute am Arsch.“ Aber gleich gegenüber in diesem alten Rohbau kann ich rumstehen?
  • Einer der Bankräuber versteckt in der Vorbereitung zum Fed-Einbruch Fast-Food-Tüten auf der Fed-Toilette, um drei tage später nach dem Einbruch unauffällig als Essenslieferant aus der Fed rausspazieren kann. Und die Kundin, der er das Essen dann bringt, braucht etwa fünf Minuten, um zu bemerken, dass ihr Burger alles andere als noch frisch ist? Und der als sehr professionell beschriebene Wachhabene Offizier lässt es einfach so geschehen, dass der Lieferboy beim Reinkommen an diesem Tag (des Überfalls) nicht erfasst worden ist? Darauf beruht die Planung für einen 300-Millionen-Dollar-Coup?

So viele Fragen, so wenige Antworten. Es ist dann doch ein Actionfilm mit Betonung auf Action. Die Referenzen zu Michael Manns Heat verflüchtigen sich auf zwei ausufernde Schießereien auf offener Straße, die beeindruckend inszeniert sind. Die zweite Schießerei findet, und das ist, ähnlich wie die dann doch noch aufgedröselte Backstory eines Gangsters, eine schöne Überraschung, in einem der täglichen Monsterstaus in Los Angeles statt. Endlich mal kein Parkplatz vor dem Haus, keine heiße Verfolgungsjagd über mit Tetrisartig arrangierten Autos befüllte Highways. Die Gangster stecken im Stau fest. Die Cops auch. Das ist mehr Realismus, als ich erwartet hätte.

Und der Mann im Hintergrund sorgt dann doch noch für ein Aha-Erlebnis, von dem ich mich durch die zweistündige Testosteron-Orgie zuvor habe leichtfertig ablenken lassen. Einmal wenigstens siegt dann doch das Hirn über den Schwanz.

Wertung: 4 von 8 €uro
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