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Plakatmotiv: Stoßtrupp Gold (1970)
Große Materialschlacht,
mäßig unterhaltsam
Titel Stoßtrupp Gold
(Kelly's Heroes)
Drehbuch Troy Kennedy-Martin
Regie Brian G. Hutton, USA 1970
Darsteller Clint Eastwood, Telly Savalas, Don Rickles, Carroll O'Connor, Donald Sutherland, Gavin MacLeod, Hal Buckley, Stuart Margolin, Jeff Morris, Richard Davalos, Perry Lopez, Tom Troupe, Harry Dean Stanton, Dick Balduzzi, Gene Collins u.a.
Genre Abenteuer, Komödie, Krieg
Filmlänge 144 Minuten
Deutschlandstart
27. November 1970
Inhalt

Zweiter Weltkrieg, Ostfrankreich. Eine amerikanische Aufklärungseinheit erfährt durch Zufall beim Verhör eines gefangengenommenen deutschen Offiziers, dass in einer Bank 30 Meilen hinter den feindlichen Linien, bewacht von deutschen Truppen, 14.000 Barren Gold lagern. Unter der Führung von Kelly und „Big Joe“ beschließt die Aufklärungseinheit, ihren Fronturlaub für ein privates Unternehmen zu nutzen und das Gold in einem kühnen Vorstoß hinter die feindlichen Linien an sich zu bringen.

Plakatmotiv (US): Kelly's Heroes – Stoßtrupp Gold (1970)Unterstützung erhalten sie von „Spinner“ („Oddball“) und seinen Jungs, der über drei versprengte Sherman-Panzer mit Besatzung verfügt und trickreich versucht, weiterhin als vermisst zu gelten, sowie von „Speckbacke“ („Crapgame“), einem Nachschubunteroffizier, der für Geld alles tut und für das illegale Unternehmen die Ausrüstung besorgt. Natürlich verlangen beide eine Beteiligung.

Im Zuge dieses privaten Vorstoßes bringen Kelly und sein Privatunternehmen den Kriegsschauplatz völlig durcheinander. Beim Abhören des Funkverkehrs und in völliger Unkenntnis der tatsächlichen Vorgänge befiehlt der zuständige amerikanische General Colt begeistert den allgemeinen Vorstoß und reist, wild Orden verteilend, an die neue Front.

Inzwischen sind Kelly und Spinners letzter Shermanpanzer bei der Bank angekommen. Im Handstreich gelingt es, die deutschen Truppen zu überrumpeln und fast gänzlich auszuschalten. Der letzte Shermanpanzer aber wird irreparabel beschädigt, und ein deutscher Tiger-Panzer bewacht noch immer die Bank.

Speckbackes Geschäftssinn rettet das gescheiterte Unternehmen: Davon ausgehend, dass die Deutschen nicht wissen, was sie da bewachen, sondern nur Befehlen folgen, schlägt er vor, auch sie an dem Raubzug zu beteiligen.

Kelly, „Big Joe“ und Spinner treten ohne Deckung vor den deutschen Panzer und verhandeln …
Was zu sagen wäre

Schöner Sterben in Südfrankreich. Eine zweieinhalbstündige Materialschlacht, in der das US-Kino alles auffährt, was in den Beständen steckt – Panzer, Flugzeuge, Granaten, Gewehrgarben zerpflücken alte französischen Hauswände, Deutsche fallen in Kompaniestärke und Granaten explodieren, als gibt's morgen keinen Krieg mehr.

Brian G. Hutton feiert die Landungstruppen vom Omaha Beach als Haudegen und Draufgänger in einer Komödie. Das ist so bizarr wie es klingt und wahrscheinlich muss man diesen Film als Abenteuerfilm verstehen, der nur zufällig in einer Kriegsumgebung spielt, der zwischen 60 und 80 Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind, und in dem die deutschen Soldaten halt als die übermächtige Gefahr zu interpretieren ist.

Plakatmotiv (US): Kelly's Heroes – Stoßtrupp Gold (1970)

25 Jahre nach Kriegsende haben die Amerikaner Lust, sich ein wenig zu amüsieren. Es reicht am Ende sogar dazu, sich mit dem Feind zu verbrüdern – immerhin geht es um Gold im Wert von mehreren Millionen Dollar und bei Gold hört die Feindschaft auf; warum soll man sich da noch gegenseitig beschießen, im französischen Hinterland? So bekommen die Deutschen ihr Fett ab, die Franzosen – sozusagen als Collateral-Bonus – die Freiheit. Und die Amerikaner Ruhm, Ehre und Gold.

Der Film ist ein prächtiges Vehikel, die großen Kerls des aktuellen US-Kinos vor die Kamera zu bugsieren. Clint Eastwood festigt als schmallippiger Kerl mit Vergangenheit und blitzendem Blick aus zusammengekniffenen Augen seinen Ruf als Mann für die unmöglichen Fälle. Telly Savalas darf als kommandierender Sergeant der Truppe ordentlich fluchen und Befehle bellen. Donald Sutherland, der nach langer Fernsehkarriere seit Das dreckige Dutzend (1967) im Männerkino Fuß gefasst hat, kultiviert seine Hawkeye-Pierce-Rolle aus Robert Altmans „M.A.S.H.“ (1970).

Das hat sich Metro Goldwyn Mayer einiges kosten lassen: Vier Millionen Dollar lagen für die Produktion bereit; aber so richtig gezündet hat das nicht. Das US-Box Office zählte am Ende 5,2 Millionen Dollar Einnahmen. Plus dem Kinogeschäft in Übersee ist das passabel, aber bei einer Produktion dieser Größenordnung erwarten die Studiobosse gemeinhin mehr für ihr Risiko.

„Kelly’s Heroes“ wurzelt auf einer japanischen Geschichte, die unter anderem auch als Vorlage für den Italo-Western Zwei glorreiche Halunken, ebenfalls mit Clint Eastwood, diente, verlegt in die Endphase des Zweiten Weltkrieges.

Wertung: 3 von 8 D-Mark
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