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Plakatmotiv: Hercules
Muskelselige Erdung
eines Halbgottes
Titel Hercules
(Hercules)
Drehbuch Ryan Condal + Evan Spiliotopoulos
nach der Graphic Novel „Hercules: The Thracian Wars“ von Steve Moore
Regie Brett Ratner, USA 2014
Darsteller Dwayne Johnson, Ian McShane, John Hurt, Rufus Sewell, Aksel Hennie, Ingrid Bolsø Berdal, Reece Ritchie, Joseph Fiennes, Tobias Santelmann, Peter Mullan, Rebecca Ferguson, Isaac Andrews, Joe Anderson, Stephen Peacocke, Nicholas Moss u.a.
Genre Action, Abenteuer
Filmlänge 98 Minuten
Deutschlandstart
4. September 2014
Inhalt

Hercules ist der mächtige Sohn des Gottes Zeus, trotzdem führt er ein Leben voller Entbehrungen. Nachdem er zwölf Aufgaben als Sklave erfüllt hat, darf Hercules endlich wieder frei sein. Doch er hat nicht nur seine Liebe verloren, die auch der Grund für seine Gefangenschaft war, sondern auch die Wertschätzung, die er verdient hätte.

Er führt ein Leben als Söldner und zieht mit seinen Gefährten für eine gute Bezahlung in den Kampf. Von König Cotys bekommt er den Auftrag, sein Reich Thrakien vom Tyrannen Rhesus zu befreien. Da Cotys' Armee lediglich aus Bauern und keinen Soldaten besteht, entscheiden sich Hercules und seine Gefährten, die Armee zuerst zu trainieren. Iolaos, Hercules' Neffe und Gefährte, führt zusätzlich der Armee vor, welche Kraft und Macht in Hercules steckt. Dazu zeigt er ihnen die Requisiten seiner Aufgaben und erzählt die Geschichten dazu. Dies motiviert die Armee zusätzlich und sie lassen sich von nun an von Hercules führen.

Die so trainierte Armee kann Rhesus' Streitmacht in die Flucht schlagen und Hercules bringt Rhesus zu König Cotys. Dort offenbart Rhesus, dass Cotys ein doppeltes Spiel mit Hercules und seinen Gefährten gespielt hat und er sie nur benutzt hat, um das verfeindete Reich von Rhesus einzunehmen …

Was zu sagen wäre

„Ihr wollt die Wahrheit über Hercules?“ raunt es aus dem Off. „Das hier ist sie. Um ehrlich zu sein: Ich ziehe sie der Legende vor. Die Welt braucht einen Helden, an den sie glauben kann. Ist er wirklich der Sohn des Zeus? Ich glaube nicht, dass das wichtig ist. Man muss kein Halbgott sein, um ein Held zu sein. Man muss nur daran glauben, dass man ein Held ist.“ TaDaa …

Plakatmotiv (US): HerculesDie berüchtigten 12 Aufgaben feiert Brett Ratner in den ersten fünf Filmminuten ab, um sie dann sukzessive als Fake zu entlarven. Die neunköpfige Hydra? Große Männer mit Schlangenmasken. Der Kampf gegen den gewaltigen Eber? Wenn dessen Haut unzerstörbar ist, fragt ein Zweifler, „wie konnte Hercules es dann vom Eber herunterschneiden?“
„Er verwendete ein unzerstörbares Schwert“, erklärt Autolycus, Hercules' Kampfgefährte ungerührt.

Die Sage vom einsam sich prügelnden Gott, der nach Anerkennung strebt, ist in dieser Verfilmung einer Graphic Novel der Actionstory einer Söldnertruppe gewichen, die sich gegen Bezahlung anheuern lässt und deren Chef, Hercules, davon träumt, sich endlich in die Einsamkeit einer fernen Insel zurückziehen zu können.

Er trägt ein Trauma mit sich herum, das sich im Laufe des Films offenbart: Er hält sich schuldig für den Tod seiner geliebten Frau und seinen drei Kindern, und wir im Zuschauersaal dürfen nun 90 Minuten lang zusehen, wie sich herausstellen wird, dass der gute Hercules natürlich bombastisch betrogen worden ist, wobei sich Regisseur Ratner Anleihen nimmt bei den güldenen Weizenfeldern des guten alten Gladiator (2000).

Er hat loyale Kampfgenossen um sich geschart.

  • der Drogen zugeneigte Seher und altgediente Kämpfe Amphiaraus, der das Leben gern auf die leichte Schulter nimmt: „Niemand kann seinem Schicksal entfliehen.“
  • die strenge Amazonin Atalante, Meisterin am Bogen mit klarer Meinung über Männer: „Alles Gold dieser Welt ist nicht so überzeugend wie zwei weibliche Brüste.“
  • „Mag sein, aber Gold altert nicht.“, kontert Autolycos, Zyniker und im Reigen der Kämpfer Hercules am nächsten – „Erste Lektion: Wie ersteche ich mich nicht selbst!“
  • den schweigsame Tydeus hat Hercules als Kind bei sich aufgenommen, ein Wilder mit Trauma, der über Jahre etwas zahmer geworden ist
  • und schließlich Iolaus, der seinen Onkel Hercules in Sagen und Mythen zu jenem überlöebensgroßen Helden macht, den die Neuzeit zu kennen glaubt

Plakatmotiv: HerculesEs ist also die klassische Sammlung von Typen, wie wir sie aus Filmen wie den späten Fast and Furious kennen, aus den Expendables oder, in familienfreundlicher Form, bei den Avengers. Der griechische Halbgott geriert sich unter ihnen als eine Art Quarterback, der alles zusammenhält. Die Zeit der einsamen Kämpfer ist ja bald nach den 1980er Jahren ausgestorben, Arnold Schwarzenegger war ihr prominentester Vertreter. Der klopfte Dwayne Johnson in dem Actionfilm Welcome to the Jungle 2003 in einem Kurzauftrtitt auf die Schulter und wünschte ihm „Viel Spaß!“ Das war (aus heutiger Sicht) die Staffelübergabe in ein neues Zeitalter – früher ein wortkarger Held, heute eine Truppe Sprüche klopfender Spezialisten – meist mit eben dem als „The Rock“ berühmt gewordenen Dwayne Johnson (Pain & Gain – 2013; G.I. Joe – Die Abrechnung – 2013; Snitch – Ein riskanter Deal – 2013; „Die Reise zur geheimnisvollen Insel“ – 2012; „Zahnfee auf Bewährung“ – 2010; „The Scorpion King“ – 2002; „Die Mumie kehrt zurück“ – 2001).

„Ihr habt Euer Leben für mich aufs Spiel gesetzt“, herzt Hercules dann irgendwann seine Mitstreiter, bevor es tödlich ernst wird. „Endlich seid Ihr frei. Egal, was Ihr glaubt, es ist längst beglichen!“
„Schulden? Du denkst, wir folgen Dir, weil wir in Deiner Schuld stehen? Sieh doch hin, Hercules: Wir sind eine Familie. Wir haben niemanden außer uns! Wir werden für Dich kämpfen. Und wenn unsere Zeit gekommen ist, sterben wir auch für Dich. Weil Du auch für uns sterben würdest!“ – und, Ja!, zu dem Zeitpunkt wünsche ich mir längst eine TV-Serie um diese Action-Family.

„Hercules“ ist ein Action-Spaß mit eingeölten Muskeln und schmierigen Königen, die mit modernen Männern nicht zurecht kommen: „Deine Sünde war, dass Dir der Ehrgeiz fehlte!“, jault der böse König am Ende „Ich kann mit einem ehrgeizigen Mann umgehen, er ist käuflich! Aber ein Mann, der nichts will, hat keinen Preis!“ Könige verstehen das nicht. Frauen schon. Prinzessinnen erst recht und als solche macht Rebecca Ferguson dem Helden schöne Augen, was bei diesem die Pläne mit der einsamen Insel zur Makulatur werden lässt.

Wertung: 4 von 8 €uro
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