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Kinoplakat: Boogie Nights
Fesselndes Portrait einer Industrie
Fesselndes Portrait einer Epoche
Titel Boogie Nights
(Boogie Nights)
Drehbuch Paul Thomas Anderson
Regie Paul Thomas Anderson, USA 1997
Darsteller Burt Reynolds, Julianne Moore, Luis Guzmán, Heather Graham, Mark Wahlberg, William H. Macy, Thomas Jane, Rico Bueno, John C. Reilly, Nicole Ari Parke, Don Cheadle, Samson Barkhordarian, Nina Hartley, Brad Braeden, Joanna Gleason u.a.
Genre Drama
Filmlänge 155 Minuten
Deutschlandstart
4. Juni 1998
Inhalt

San Fernando Valley im Jahr 1977: Zu den treibenden Disco-Klängen von „Best of My Life” halten der Filmemacher Jack Horner und seine Muse Amber Waves, der strahlende Star von Jacks Filmen, Einzug in den Nightclub von Maurice TT Rodriguez. Jeder hier kennt Jack, der sich einen Namen als einer der führenden Regisseure im Pornogeschäft gemacht hat. Er träumt davon, eines Tages einen Erwachsenenfilm zu drehen, der das Publikum auch nach dem Ende der letzten Sexszene noch im Kinosessel fesselt.

DVD-Cover (US): Boogie NightsAls Jack auf den 17jährigen Tellerwäscher Eddie Adams aufmerksam wird, glaubt er sich seinem Ziel ein gutes Stück näher. Eddie hat alles, was einen Star der Branche auszeichnet: Er verfügt über die körperlichen Voraussetzungen und hat ein attraktives Gesicht, mit dem sich die Zuschauer identifizieren können. Dennoch schlägt Eddie Jacks Angebot aus, als Darsteller in einem seiner Filme mitzuwirken.

Eddie vertraut fest darauf, dass der liebe Gott jedem Menschen wenigstens ein Talent in die Wiege gelegt hat, mit dem man den großen Durchbruch schaffen kann. Und dabei baut er auf seine außerordentliche Potenz: Bisher konnte er noch jedes Mädchen in der Nachbarschaft mit seiner Ausdauer in Ekstase versetzen. Als es zum Streit mit seiner Mutter kommt, kehrt Eddie dem elterlichen Zuhause kurzentschlossen für immer den Rücken. Er sucht Jack Horner in dessen luxuriösem Bungalow auf und nimmt das zunächst ausgeschlagene Angebot an.

Der väterliche Regisseur nimmt den Jungen in seine Filmtruppe auf, die sich aus Außenseitern, Losern, Freaks und Glücksrittern aller Art zusammensetzt: Da ist Rollergirl, eine kesse, exhibitionistische Nymphe, die keine Probleme damit hat, zu jeder Tages- oder Nachtzeit aus ihrem Höschen zu schlüpfen, aber niemals ihre geliebten Rollschuhe ablegt; Little Bill, der unsagbar darunter leidet, dass es seine sexbesessene Frau pausenlos öffentlich mit anderen treibt. Die beiden Pornodarsteller Reed Rothchild und Buck Swope, die nicht viel heller sind als Eddie.

Eddie hat sich große Dinge vorgenommen: Unter dem Pseudonym Dirk Diggler will er der größte Star im Business werden. Gleich bei seinem ersten Auftritt vor der Kamera beweist er, dass er das Zeug dazu hat. Als die Filmcrew – überwältigt von Dirks Abmessungen – es verpasst, Dirks Ejakulation in Bild und Ton festzuhalten, bietet der Pornoneuling an, er könne es gleich noch einmal tun, wenn sie eine Nahaufnahme bräuchten … ein Star ist geboren.

Kinoplakat (US): Boogie Nights

Dank seines imposanten Talents eilt Dirk daraufhin von einem Erfolg zum nächsten. Besonders erfolgreich wird eine Filmserie, in der Dirk die Rolle des Brock Landers spielt, die Hardcore-Antwort auf James Bond. Regelmäßig gewinnt er den Porno-Oscar und genießt seinen Ruhm, die Frauen, das Kokain. Leider steigt ihm sei Ruhm zu Kopf und die Drogen in die Eingeweide. Nicht nur wird er immer arroganter und legt sich mit Jack an, auch seine Potenz beginnt nachzulassen.

Nach einer besonders schlimmen Auseinandersetzung wirft Jack Dirk und seine Freunde raus. Die alte Familie zerbricht …

Was zu sagen wäre

Der Film ist – kein Porno! – nicht nur das Portrait einer millionenschweren Industrie, die sich vom Kino verabschieden und sich mit den Schmuddelecken der Videotheken zufrieden geben musste. „Boogie Nights” ist auch das Portrait einer Epoche. Die ausklingenden 70er mit Disco-Fieber, Schlaghosen und großen Träumen bis hinein in die spaßigen 80er, in denen die political correctness erfunden wurde. Und: Es ist ein Film mit ausgezeichneten Schauspielern.

Hier ist das sensationelle Comeback des Burt Reynolds („Striptease” – 1996;  „Hallelujah” – 1995; „City Heat – Der Bulle und der Schnüffler” – 1984; „Das schönste Freudenhaus in Texas” – 1982; „Auf dem Highway ist die Hölle los” – 1981; „Der Löwe zeigt die Krallen” – 1980; „Ein ausgekochtes Schlitzohr” – 1977). Als väterlicher Produzent von Pornofilmen wurde er 1998 für den Oscar nominiert (war aber gegen Robin Williams in Good will Hunting nur zweiter Sieger). 15 Jahre war Burt Reynolds von der Bildfläche nahezu verschwunden, jetzt ist er wieder da. Das ist schön.

 
Wertung: 11 von 11 D-Mark
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