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Kinoplakat: Big Fish - Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht
Der Tim-Burton-
Film schlechthin
Titel Big Fish – Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht
(Big Fish)
Drehbuch John August
nach dem Roman von Daniel Wallace
Regie Tim Burton, USA 2003
Darsteller Ewan McGregor, Albert Finney, Billy Crudup, Jessica Lange, Helena Bonham Carter, Alison Lohman, Robert Guillaume, Marion Cotillard, Matthew McGrory, David Denman, Missi Pyle, Loudon Wainwright III, Ada Tai, Arlene Tai, Steve Buscemi u.a.
Genre Drama, Abenteuer
Filmlänge 125 Minuten
Deutschlandstart
8. April 2004
Inhalt
Selbst als der grandiose Geschichtenerzähler Edward Bloom im Sterben liegt, erzählt er seine so gern gehörte, teils unglaubliche Lebensgeschichte. Seinen Erzählungen nach wuchs er viel zu schnell, war daher drei Jahre lang ans Bett gefesselt, sah im Auge einer Hexe seinen eigenen Tod voraus und wurde später der ganze Stolz Ashtons, der Kleinstadt, in der er aufwuchs. Als ein Riese namens Karl die Stadt heimsucht und Schafe und Kornfelder verdrückt, erklärt sich Edward bereit, mit diesem zu sprechen und überzeugt ihn, mit ihm die Stadt zu verlassen.

So beginnen sie immer, die Geschichten über Edwards Anfänge - oder zumindest so ähnlich. Und damit war er überall Mittelpunt. Nur bei seinem Sohn William nicht. Der hätte gerne einen richtigen, greifbaren Vater als Vorbild gehabt – keinen Märchenerfinder.

Edward verliebt sich im Zirkus. In ein blondes Mädchen. Und weil der Zirkusdierektor Edward nicht sagt, wer sie ist, bleibt er drei Jahre im Zirkus, bis der Direktor endlich ein Einsehen hat. Geholfen hat sicher auch, dass Edeward niemandem je verraten hat, dass der Zirkusdirektor ein Werwolf ist … so geht Edwards Lebensgeschichte in einer Tour.

Sohn William sieht die ständige Erzählerei seines Vaters sehr kritisch. Als Kind hörte er die Geschichten gerne, mit der Zeit hat er aber immer wieder vergeblich versucht, in den Geschichten seines Vaters die Wahrheit zu finden. Aber dann hat der einen Schlaganfall und wird ins Krankenhaus gebracht. Am Sterbebett schließlich soll Will das „letzte Kapitel” selbst erzählen, da sein Vater nicht mehr dazu in der Lage ist. William findet so selber zum Fabulieren, indem er Edward ein fantasievolles Ende seines Lebens erzählt. Bei der realen Beerdigung Edwards erscheinen dann tatsächlich viele Personen aus seinen Geschichten: der nicht ganz so große Riese Karl, der Zirkusdirektor, die asiatischen Zwillinge und Norther Winslow. Wenn die Erzählungen auch stark ausgeschmückt und übertrieben waren, so steckte in ihnen im Kern doch ein Stück Wahrheit …

Was zu sagen wäre
Dieser Film ist die Quersumme aus Tim Burtons Filmen (Planet der Affen – 2001; Sleepy Hollow – 1999; „Mars Attacks!” – 1996; Batmans Rückkehr – 1992; „Edward mit den Scherenhänden” – 1990; Batman – 1989): Bunt, schrill, überbordend, phantasievoll und bisweilen so überzuckert, dass man meint, Magenschmerzen zu spüren. Aber spätestens mit der Schlussszene auf dem Friedhof ergibt man sich diesem großen Filmgeschichten-Erzähler.

Man sieht Albert Finney („Milo - Die Erde muss warten“ – 2001; „Hemingway, the Hunter of Death“ – 2001; Traffic – 2000; Erin Brockovich – 2000) in der Ausübung seiner großem Kunst zu, man sieht Jessica Lange („Tausend Morgen“ – 1997; „Rob Roy“ – 1995; Kap der Angst – 1991; „Music Box – Die ganze Wahrheit“ – 1989; „Frances“ – 1982; Tootsie – 1982; Wenn der Postmann zweimal klingelt – 1981) das emotionale Zentrum dieses Fantasy-Vulkans werden, man sieht Ewan McGregor mit Südstaatenslang im Kampf gegen das sprachlich britisch Perfekte und man sieht Marion Cotillard in ihrer komplexesten Rolle seit Ein Gutes Jahr (2006), man sieht eine Geschichte, deren Elemente so perfekt ineinander greifen, dass man immer schon vorher erwartet, dass irgendwas … special … passiert. Ich sehe dauernd diesen Mann, der sich mit Geschichten aus seinem Alltag verabschiedet, die Realität leugnet, wohl sehend, dass er ja offensichtlich diese Realität irgendwie gemeistert hat – er hat ja alles: Sohn, Haus, liebende Frau, all das. Aber ich sehe vor diesen lauter Fragmenten keine Geschichte. Bis – eben – wenige Frames vor Schluss, wenn sich der Kreis endlich schließt.

Es ist, wie immer bei Tim Burton, ein optisches Fünf-Sterne-Menü. Dazu kommt ein unerhörter Schlusssatz („Er hat so viele Geschichten erzählt, dass er am Ende selber eine wurde und dadurch unsterblich”) und ein unerhört schönes Schlussbild.

Ein Plädoyer für den Träumer. Wunderbar ineinandergreifend, wunderbar, montiert, grandios geschrieben und Helena Bonham Carter, die bei Burton niemals nur irgendeine Rolle unter vielen bekommt, von der Alten Hexe in das junge Mädchen zu transformieren, das hat schon etwas speziell Gutes! Kunst soll verstören. Wach rütteln. Wir sollen offenbar Empathie für den Träumer entwickeln. Nun, die habe ich schon. Ich leide eher darunter, dass der Rest der Welt so halt nicht tickt.

Wertung: 5 von 6 €uro
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