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Kinoplakat: Becks letzter Sommer
Träume sind Schäume.
Der Rest ist Leben.
Titel Becks letzter Sommer
Drehbuch Oliver Ziegenbalg + Frieder Wittich
nach dem gleichnamigen Roman von Benedict Wells
Regie Frieder Wittich, Deutschland, Schweiz, Rumänien, Ungarn, Türkei 2015
Darsteller
Christian Ulmen, Nahuel Pérez Biscayart, Eugene Soel Boateng, Friederike Becht, Sebastian Achilles, Anna Lena Klenke, Fabian Hinrichs, Ernst Stötzner, Rainer Reiners, Lucas Reiber, Vedat Erincin, Hermann Beyer, Nils Dörgeloh, Boris Gaza u.a.
Genre Drama
Filmlänge 98 Minuten
Deutschlandstart
23. Juli 2015
Website becks-letzter-sommer.de
Inhalt

Ist es jemals zu spät für einen Neuanfang im Leben? Robert Beck ist ein gescheiterter Musiker und frustrierter Lehrer – bis er auf seinen begabten Schüler Rauli Kantas trifft. Ein Musikgenie, das singt und E-Gitarre spielt wie ein junger Gott.

Beck möchte für ihn Songs schreiben und ihn groß rausbringen, allerdings nicht nur aus Selbstlosigkeit. Denn der Junge ist gleichzeitig seine letzte Chance, um sich seinen eigenen Traum von der Musikkarriere erfüllen zu können. Doch auch der rätselhafte Rauli hat seine Geheimnisse.

Die Suche nach einem Label gestaltet sich für Beck turbulenter als gedacht, die Liebe zu seiner Freundin Lara, die überraschend doch noch die Chance erhät, in Rom zu studieren, hängt am seidenen Faden, und schließlich überredet ihn auch noch sein bester Freund Charlie, ihn in einer dringenden Angelegenheit nach Istanbul zu begleiten.

Gemeinsam mit Rauli begeben sie sich zu dritt auf eine schräge Reise, auf der Robert Beck seine Lebensziele noch einmal überdenken muss …

Was zu sagen wäre

„Leben ist das, was passiert, während Du Deine Pläne machst!“ Dieser Film schmeichelt sich nicht an Dich ran, dieser Film erwartet, dass Du ihm die Führung überlässt. Wir sind mit unseren Sehgewohnheiten im Jahr 2015 derart konditioniert, dass es „Becks letzter Sommer“ schwer hat. Nicht nur schubst er schöne Erwartungen immer gleich wieder vom Sockel, er erzählt auch fröhlich unfröhlich einfach eine Geschichte mit Wendungen, die in kein Dramaturgie-Seminar passen, aber halt das Leben abbilden.

Ein Ex-Rockmusiker wird nach verpasster Karriere Musiklehrer, trifft auf einen talentierten Schüler, der darunter leidet, dass die blonde Klasseinprinzessin ihn nicht kennt … Hallo? Da macht das Second-Class-Hollywood aber drei Filme draus. Aber das ist eben nicht Hollywood, das ist „wild bunch“, eine deutsche Produktion. Das klingt jetzt ein bisschen nach der Himmel ist blau, das Wasser ist nass, aber es hilft dem Film, wenn man im Vorfeld weiß, dass er abseits eingefahrener Gleise fährt. Weil man nämlich dann interessante Schauspieler entdecken kann.

Nahuel Pérez Biscayart zum Beispiel spielt Rauli, den minderbegabten Schüler aus litauischer Familie, der erst einmal nur dürr ist und große Augen hat – und dann ein sehr interessantes Musiktalent ist. Christian Ulmen zum Beispiel, den wir als Schauspieler in unterhaltsamen Komödien natürlich kennen (Männerherzen– 2009; „Maria, ihm schmeckt's nicht!“ – 2009; „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“ – 2008; „FC Venus“ – 2006; „Elementarteilchen“ – 2006; „Der Fischer und seine Frau“ – 2005; „Herr Lehmann“ – 2003), den wir hier aber nochmal ganz neu erleben. Wenn ich jetzt zu viel über Friederike Becht schwärme (Im Labyrinth des Schweigens – 2014), die Becks neue Freundin Lara spielt, wirkt das schnell säftelnd; das wäre aber schade, denn Frieder Wittich, der Regie führt und das Buch zusammen mit Oliver Ziegenbalg geschrieben hat, hat dieser Lara eine ganz eigene, unabhängige Geschichte gegönnt, die sich eben nicht einfach so in des Titelhelden Leben einpflanzen lässt. Ähnlich übrigens, wie auch Raulis Geschichte sich nicht einfach dem Leben des Titelhelden unterordnet. Eigentlich ist es der Titelheld, der sich dauernd unterordnen muss, bis er am Ende endlich als Phoenix aus der Asche ersteigen kann.

Es ist ein schönes Ende in einem Film, in dem lange Zeit die Hoffnung auf den großen, internationalen Plattenvertrag kultiviert wird – den es dann auch irgendwie wohl geben wird; das dem Protagonisten aber ein fleischliches, ein echtes Leben schenkt. Ein Film über verpasste Träume, die aber kein verpasstes Leben sind. Ein Film über die Liebe, der die Liebe nicht erklärt. Ein Film über das Leben, das wir leben, ohne dass wir die langweiligen Zwischentöne ertragen müssten. Nicht perfekt – aber sehenswert.

Wertung: 5 von 8 €uro
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