Kinoplakat: Batman begins

Christopher Nolan nimmt
seine Hauptfigur ernst 

Titel Batman begins
(Batman begins)
Drehbuch David S. Goyer + Christopher Nolan
nach Charakteren von Bob Kane
Regie Christopher Nolan, USA, UK 2005
Darsteller

Christian Bale, Michael Caine, Liam Neeson, Katie Holmes, Gary Oldman, Cillian Murphy, Tom Wilkinson, Rutger Hauer, Ken Watanabe, Mark Boone Junior, Linus Roache, Morgan Freeman, Larry Holden, Gerard Murphy, Colin McFarlane, Sara Stewart, Gus Lewis, Richard Brake u.a.

Genre Comic-Verfilmung
Filmlänge 140 Minuten
Deutschlandstart
16. Juni 2005
Website BatmanWiki.de
Inhalt

Der Erbe stürzt in eine Höhle. Fledermäuse erschrecken ihn zu Tode. Einen Opernbesuch brechen er und seine Eltern nach der Pause ab – der Erbe bekam im Dunkel Panikschübe. Draußen auf der Straße werden die Eltern Thomas und Martha Wayne von einem Straßenräuber erschossen. Der Erbe, Bruce Wayne, neun Jahre alt, ist allein auf dem riesigen Anwesen Wayne Manor. Allein mit dem treuen Butler Alfred.

Nach der Ivy-League-Ausbildung lässt Bruce alles hinter sich, verschwindet irgendwo, taucht in einem asiatischen Gefängnis wieder auf. Dort findet ihn Henri Ducard, Anwalt eines Mannes namens Ra's Al Ghul, der Wayne eine Zukunft verspricht – dass er finden werde, was er sucht. „Was suche ich denn?“ „Das wissen nur sie selbst!“

In der schwarzen Kälte des Himalaya beginnt eine Ausbildung zum Schatten. Wayne lernt, zu kämpfen, zu verwirren, die Taktik des Kampfes. Aber er schließt sich Al Ghuls Armee der Schatten nicht an. Ihre Ziele sind nicht seine Ziele. Einige Zeit später hat das Nachtleben der verkommenen, von Korruption und Mord gebeutelten Stadt Gotham City ein neues, prominentes Mitglied: Bruce Wayne, Erbe und Müßiggänger.

In diesen Tagen bekommt die Unterwelt von Gotham City ihre Nemesis: Ein maskierter Kämpfer namens „Batman”. Der Rächer im Fledermaus-Dress kommt zur rechten Zeit: Ein Gangster namens „Scarecrow” bemächtigt sich des Mobs in den dunklen Straßen. Sie warten auf einen unheimlichen, gefährlichen Mann, der droht, den Sündenpfuhl Gotham zu vernichten …

Was zu sagen wäre

Batman ist heimgekehrt. Nachdem er 16 Jahre lang von Amateurpsychologen, die hauptberuflich Drehbuchautor oder Regisseur waren, durch den Psycho-Kakao gestörter Persönlichkeiten gezogen wurde, nehmen ihn David S. Goyer und sein Regisseur Christopher Nolan ernst, gucken hin, wer das ist und was er macht und erzählen dann eine prächtige, spannende, dramatische Geschichte, die keine Hänger hat. Der Werdegang ist beiden 35 Minuten wert. Man lässt sich Zeit im neuen Batman-Universum. Im klassischen Erzählstil beschränkt sich die Action auf wenige Kampfszenen – Training im Himalaya, Prügeleien im Dunkel der Stadt – und den Showdown, der mit einer Verfolgungsjagd, BAT-Mobile gegen Polizeiautos, beginnt und in der Zerstörung der Hochbahn ihren Höhepunkt erlebt.

Die Figuren sind realistisch – es bleiben Comic-Helden und -Schurken mit lustigen Fähigkeiten, na gut, aber in ihrem (Comic-)Universum sind sie eine lebendige Entsprechung ihrer gezeichneten Vorbilder. Und ein Comic bleibt ein Comic bleibt ein Comic – es eignet sich nicht für eine psychologische Auseinandersetzung von Künstlern („Ein Mann, der in Strumpfhosen durch die Stadt läuft, muss einen an der Waffel haben“ – darum geht es nicht).

Nolan hat eine erstaunliche Besetzung zusammen bekommen:

  • Christian Bale (Die Herrschaft des Feuers – 2002; Corellis Mandoline – 2001; American Psycho – 2000; Shaft - Noch Fragen? – 2000) ist ein wunderbar rätselhafter Charakter, den man nie so ganz zu fassen bekommt – sein Bruce Wayne ist verstört, verbissen, clever, geschäftstüchtig und ehrfurchtgebietend gut gebaut.
  • Michael Caine („Spurensuche – Umwege zur Wahrheit“ – 2004; „Der stille Amerikaner“– 2002; „Austin Powers in Goldständer“ – 2002; Miss Undercover – 2000; Gottes Werk & Teufels Beitrag – 1999; Der Adler ist gelandet – 1976) als Butler Alfred ist der ruhende Pol des Films mit moralischer Attitüde, seinem Master Wayne treu ergeben, ohne unterwürfig zu sein.
  • Gary Oldman (Harry Potter und der Gefangene von Askaban – 2004; Hannibal – 2001; Rufmord – Jenseits der Moral – 2000; Air Force One – 1997; Das fünfte Element – 1997, Bram Stokers Dracula – 1992) als Sergeant Gordon ist eine wunderbare Melange aus einfachem Beamten, der seine Familie in Sicherheit hält (und in der Freizeit vielleicht gerne Bowling spielen geht mit Kollegen, wären die nicht zumeist korrupt) und aufrechtem Polizisten, der sich von Korruption und Verrätern in den eigenen Reihen nicht einschüchtern lässt.
  • Liam Neeson liefert als Ra's Al Ghul die dunkle Variante seines Star-Wars-Charakters Qui-Gon Jinn: Geheimnisvoll und verschlagen glaubt er an die Kraft, die negative Gefühle wie Hass und Rache verleihen.
  • Morgan Freeman („Edison“ – 2005; Bruce Allmächtig – 2003; Der Anschlag – 2002; Im Netz der Spinne – 2001; Deep Impact – 1998; Denn zum Küssen sind sie da – 1997) gibt als alternder Wissenschaftler Lucius Fox (und damit plausible Erklärung, woher Batman eigentlich all seine Kampf-Gadgets hat) eine weitere Vorstellung als integrer, sich vom Leben nicht unterkriegender, freundlicher, kluger Mann. Und bevor der Kritiker „nicht schon wieder“ ruft, hat er ihn schon ins Herz geschlossen. Freeman ist für die klugen Oneliner zuständig, die in ein Hollywood-Comic zwingend gehören.
  • Auch Rutger Hauer (Blade Runner – 1982) spielt, was er am besten kann: Den netten, integren Könner, der Dir unauffällig den Boden unter den Füßen klaut. Er teilt das Schicksal des Iren Sean Bean: Wenn er auftaucht, weiß man, der ist einer von den Unangenehmen. Was im vorliegenden Fall aber nicht weiter schlimm ist, weil Hauer nur in der Nebenhandlung eine Rolle spielt.
  • Schließlich Katie Holmes („Ein Date mit Hindernissen“ – 2004; Nicht auflegen! – 2002; The Gift – Die dunkle Gabe – 2000; Tötet Mrs. Tingle – 1999; „Dawsons Creek“ – TV Serie 1998-2003) als Staatsanwältin Rachel Dawes. Aufrecht – Süß – Kämpferisch – Kulleraugen. Sie machte zum Filmstart ordentlich Schlagzeilen, weil Tom Cruise (Mission: Impossible) ihr gerade einen Heiratsantrag gemacht hatte und in Talkshows auf dem Sofa hüpfend in die Kameras rief, wie sehr er seine Katie liebe. Als Casting-Director würde ich sagen: Mit solchen Kulleraugen ist es schwer, die unbestechliche, energische Kämpferin zu geben. Ich hätte eher Evangeline Lilly („Lost“) ausprobiert oder Olivia Wilde („Dr. House“, Cowboys and Aliens – 2011; In Time – 2011). Beide in Katie Holmes Alter, beide sehr attraktiv und beide mit der energischeren Physiognomie ausgestattet.

Ich freue mich auf den nächsten Batman-Film! Zum ersten mal, seit es seit 1989 wieder Batman-Filme gibt. Es gilt: Batman begin!

Wertung: 6 von 6 €uro