Kinoplakat: Batman
Psychosen machen
noch keinen Superhelden
Titel Batman
(Batman)
Drehbuch Sam Hamm + Warren Skaaren
nach den Comics, erfunden von Bob Kane
Regie Tim Burton, USA, UK 1989
Darsteller Michael Keaton, Jack Nicholson, Kim Basinger, Robert Wuhl, Pat Hingle, Billy Dee Williams, Michael Gough, Jack Palance, Jerry Hall, Tracey Walter, Lee Wallace, William Hootkins, Richard Strange, Carl Chase, Mac McDonald u.a.

Genre Comic-Verfilmung
Filmlänge 126 Minuten
Deutschlandstart
26. Oktober 1989
Website batmanmovies.com
Inhalt
In Gotham City brodelt die Gerüchteküche. Es soll einen geheimnisvollen Fledermausmann geben, der den Ganoven schwer zu schaffen macht. Die Polizei leugnet jedoch hartnäckig, von der unliebsamen Konkurrenz etwas zu wissen. So macht sich die Reporterin Vicky Vale daran, das Geheimnis zu lüften. Daran – an der Lüftung – ist auch Charles Grissom interessiert, Gothams Unterweltboss. Einerseits macht ihm das Gerücht nämlich tatsächlich in Form von akutem Mitarbeiterschwund zu schaffen, andererseits aber ist die Polizei durch das Fledermausgerücht ordentlich abgelenkt.

Ein Grund für Grissom, sich ins Fäustchen zu lachen. Bis ihn Charles Napier, seine No. 1, umbringt. Der halbwahnsinnige ist gerade einem Säurebad entstiegen, wohinein der „Batman”  – wie das Gerücht bereits genannt wird – geworfen hatte. Aus Napier wurde der weißgesichtige „Joker”. Der Joker will Gotham City auslöschen. Ein für alle Mal!

Nur der Batman könnte das verhindern. Obwohl … der ist ein bisschen abgelenkt durch Vicky Vale. Die Reporterin ist nämlich seiner wahren Identität als Millionär Bruce Wayne auf der Spur. Und zudem ausgeprochen attraktiv …

Was zu sagen wäre

„Batman” hat für Schlagzeilen gesorgt. Nach neun Wochen hatte der Film in den USA 200 Millionen Dollar eingespielt und damit E.T. (1982) vom ersten Platz der erfolgreichsten Filme aller Zeiten verdrängt. Der Soundtrack von Prince stand bereits nach sechs Wochen auf Platz 1 der kassenträchtigsten Soundtrack-Hits ab 1960. Für die 35-Millionen-Dollar-Produktion wurde in den Londoner Pinewood Studios eine monumentale Dekoration geschaffen. Sie zeigt Gotham City als korrupte Alptraum-Metropole. Ausstatter Anton Furst gilt daher als eigentlicher Zauberer des Films. Die insgesamt dunkle Tonlage des Films geht auf Danny Elfmans Soundtrack zurück, der ein wuchtig-düsteren Klangteppich geschaffen hat, der – hört man ihn sich an, ohne Batman zu kennen – nach der Musik für einen Monsterfilm klingt.

Michael Keaton ist ein Total-Ausfall

Was Michael Keaton in diesen Film verschlagen hat, bleibt unklar. Er hat offensichtlich wenig Interesse an seiner Figur; das ist in diesem Fall besonders ärgerlich, weil Tim Burton sich mehr mit dem Drumrum befasst hat, mit der Optik. In diesem Berich ist „Batman” ein Hingucker – ArtDeco-Ornamente beherrschen die Innenräume, gigantische Skulpturen das Stadtbild, Jokers feiste Grimasse Jack Nicholson. Wer als Schauspieler da keine Idee für seine Rolle mitbringt, ist verloren – Michael Keaton („Das Traum-Team“ – 1989; „Süchtig“ – 1988; „Beetlejuice“ – 1988; „Gung Ho“ – 1986; „Mr. Mom“ – 1983; „Nightshift“ – 1982) ist ein Schwachpunkt. Jack Nicholson hat sich offenbar gedacht: „Der Joker ist irre, dem Publikum gefallen meine irren Grimassen, also spiele ich ihn doppelt irre.“ Im vorliegenden Film ist der Joker nun Wahnsinn in Dosen – aber wirklich bedrohlich ist auch er nicht. Die beiden Hauptfiguren ein Ausfall, der Regisseur ins Ambiente verliebt, da müssen die Nebenfiguren den Film tragen; das muss schief gehen. Das geht schief.

Insgesamt ist „Batman“ zu düster und zu abgehoben. Nicht nur ist der Character hierzulande eine, gemessen an „Superman“ wenig bekannter Charakter aus den „Heftchen“, wie Comics über Jahrzehnte geschmäht wurden. Der Film-Charakter hat im Auge der Fans, die in den deutschen 60er, 70er Jahren zur Fledermaus gefunden haben, auch nichts mit der Vorlage zu tun, hat sich statt dessen von Regisseur Tim Burton zum halbseidenen Psychopathen machen lassen müssen („Ein erwachsener Mann, der im Stretchanzug Verbrecher jagt, kann sie eigentlich nicht alle auf der Pfanne haben!“). Der besseren Verkäuflichkeit wegen wurde daraufhin der Comic-Charakter auch gleich neu erfunden und dabei so getan, als hätte es den moralischen „Batman“ ohnehin nie gegeben. Seither darf Batman Verbrecher auch umbringen, wenn's nicht anders geht. Das macht ihn zur Dutzendware. Denn aus dem Schwur am Grab der Eltern („Ich werde niemals töten!“) waren die wirklich legendären Geschichten um den Mann mit der Fledermausmaske entstanden.

Jack Nicholson verdient als Joker 80 Millionen US-Dollar

Jack Nicholson („Wolfsmilch“ – 1987; „Die Hexen von Eastwick“ – 1987; „Sodbrennen“ – 1986; „Die Ehre der Prizzis“ – 1985; „Zeit der Zärtlichkeit“ – 1983; „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ – 1981; Shining – 1980; Duell am Missouri – 1976; Einer flog über das Kuckucksnest – 1975; Chinatown – 1974; „Das letzte Kommando“ – 1973; Easy Rider – 1969; Psych-Out – 1968; Der Rabe – Duell der Zauberer – 1963) hat sich an dem Film eine goldene Nase verdient. Neben seiner immens hohen Gage ließ er sich Prozente am Einspiel und dem Merchandising zusichern. Auguren in Hollywood munkelten kurz nach US-Start, Nicholson habe sich mit der Rolle des „Joker“ etwa 80 Millonen Dollar aufs Konto geschaufelt.

Regisseur, Tim Burton, hat sich zunächst einen Namen als Zeichentrickfilmer bei Disney gemacht (Taran und der Zauberkessel – 1985; Cap & Capper – 1981), bevor er 1988 mit der Horrorkomödie „Beetlejuice” (auch mit Michael Keaton in der Titelrolle) einem größeren Publikum bekannt wurde.

Wertung: 5 von 10 D-Mark