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Kinoplakat: Barneys Version
Schöne Geschichte
aber kein Film
Titel Barneys Version
(Barney‘s Version)
Drehbuch Michael Konyves
nach dem Roman von Mordecai Richler
Regie Richard J. Lewis, Kanada, Italien 2010
Darsteller Paul Giamatti, Rosamund Pike, Dustin Hoffman, Scott Speedman, Minnie Driver, Mark Addy, Paula Jean Hixson,Thomas Trabacchi, Clé Bennett, Rachelle Lefevre, Saul Rubinek, David Cronenberg, Macha Grenon, Paul Gross, Atom Egoyan, Mark Camacho, David Pryde, Marica Pellegrinelli u.a.
Genre Drama
Filmlänge 134 Minuten
Deutschlandstart
14. Juli 2011
Inhalt

Barney Panofsky hat seine besten Zeiten offensichtlich hinter sich. Der erfolgreiche Produzent einer TV-Seifenoper in x-ter Staffel sitzt gerne mal nachts um drei Uhr mit einem Wiskey in der Hand am Telefon und klingelt den neuen Mann seiner Exfrau aus dem Bett, dem er dann Nacktaufnahmen der Frau anbietet, „damit Du sehen kannst, wie Miriam in ihrer Blütezeit aussah”.

Wir reden hier von Barneys dritter Exfrau.

Gerade ist ein Buch erschienen, in dem Barney als Mörder seines besten Freundes, Boogie, verleumdet wird. Anlass für den in die Jahre gekommenen Griesgram, „die wahre Geschichte meines vergeudeten Lebens” Revue passieren zu lassen. Dabei stehen die drei Ehefrauen des impulsiven Lebemanns im Zentrum: Von der exzentrischen Künstlerin seiner Sturm-und-Drang-Phase im Rom der 70er-Jahre über die Hassliebe zur nervigen Geldadel-Schickse in Montreal.

Bis hin zur perfekten Traumfrau: Miriam. Mit ihr zeugt er zwei Kinder und lebt ein glückliches Leben. Bis er auch das zerstört …

Was zu sagen wäre

Ein Film, der einen Romanbestseller als Vorlage hat, ist noch kein guter Film. Ein Film, in dem alle kanadischen Regie-Stars – von David Cronenberg über Atom Egoyan bis Denys Arcand – mit zweizeiligen Gastauftritten erscheinen, ist noch kein Kultfilm.

Dabei möchte man diesem liebenswerten Stoffel-Film alles Gute wünschen. Da ist gleich mal als erstes Paul Giamatti („Ein russischer Sommer” – 2009; „Duplicity – Gemeinsame Geheimsache„ – 2009; „Shoot 'Em Up” – 2007; „Sideways” – 2004; Paycheck – Die Abrechnung – 2003; Lügen haben kurze Beine – 2002; Planet der Affen – 2001), der den Golden Globe für seine Barney-Verkörperung zu Recht bekommen hat. Er trägt diesen Film, dessen Geschichte 40 Jahren überspannt.

Oder Rosamund Pike („Burning Palms – 2010; Surrogates – 2009; „An Education” – 2009; „Das perfekte Verbrechen” – 2007; Stolz & Vorurteil – 2005; James Bond 007 – Stirb an einem anderen Tag – 2002), die zwischen Charme, Erotik und Alltagsroutine variiert und als Traum-Ehefrau Miriam jede Sekunde glaubwürdig ist.

Dustin Hoffman, der als Barneys prolliger Dad endlich mal wieder ordentlich auftrumpfen kann („Liebe auf den zweiten Blick” – 2008; „Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders” – 2006; Das Urteil – 2003; Moonlight Mile – 2002; Sphere – Die Macht aus dem All – 1998;  Wag the Dog – 1997; Mad City – 1997; American Buffalo – 1996; Sleepers – 1996; Outbreak – Lautlose Killer – 1995; Hook – 1991; Dick Tracy – 1990; „Rain Man“ – 1988; Tootsie – 1982; Kramer gegen Kramer – 1979; Der Marathon-Mann – 1976; Die Unbestechlichen – 1976; Wer Gewalt sät – 1971; Little Big Man – 1970; Die Reifeprüfung – 1967).

Da ist diese zu Herzen gehende Geschichte eines Mannes der ein guter Freund und ein sympatisch einsilbiger Mensch ist, dessen Verhalten ihn nur ins Aus katapultieren kann. Es gibt wunderbare Kamerasequenzen. Es gibt einen sauberen, übersichtlichen Filmschnitt hin und zurück zwischen mehreren Zeitzonen.

Nichts ist da, was einen Film erzwingt

Aber es gibt keine Geschichte, die einen Film erzwingt. Die Story ist wunderschön und der zum Bestseller avancierte Roman von Mordecai Richter wahrscheinlich ein Genuss, ihn an müden Nachmittagen auf der Couch zu lesen. Aber will ich mir das zwei Stunden und zehn Minuten im Kino angucken? Nein. Auch nicht wegen Paul Giamatti oder Rosamund Pike. Es fehlt die Motivation, der Moment, der den Zuschauer an die Hand nimmt und sagt „und deshalb muss Barney sein Leben überdenken”. Dem Film fehlt die innere Spannung. Der Film erhielt dennoch sehr gute Kritiken.

In der New York Times lobte A. O. Scott, dass „Barneys Version“ eine gelungene Romanverfilmung sei, die sich vielleicht sogar etwas „zu pflichtbewusst, vorsichtig und gewissenhaft” an die Vorlage halte. Auch die Besetzung des Films lobte er, wobei er es als einen „Geniestreich der Filmemacher” hervorhob, dass Dustin Hoffman den Vater von Paul Giamattis Figur spiele. Obwohl der renommierte Filmkritiker Roger Ebert von der Chicago Sun-Times das Buch nicht kannte, befand er, dass der Film trotz aller Kritik an der Umsetzung gelungen sei. Außerdem sei es gut, Paul Giamatti für die Rolle des Barney zu engagieren, denn dieser sei darauf spezialisiert „unauffällige, aber dennoch unvergessliche” Figuren zu spielen.

Nachdem der Film erstmals am 10. September 2010 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig lief, hatte er seinen offiziellen US-Kinostart am 14. Januar 2011 und konnte seitdem 4,4 Mio. US-Dollar seiner 30 Mio. US-Dollar Produktionskosten wieder einspielen. Insgesamt spielte der Film weltweit nur 8,4 Mio. US-Dollar ein, womit er als finanzieller Flop angesehen wird.

Wertung: 4 von 7 €uro
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