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Kinoplakat: Eraser
Farewell to Arnold Schwarzenegger!
Ein Comic-Held verlässt die Leinwand.
Titel Eraser
(Eraser)
Drehbuch Tony Puryear + Walon Green + Michael S. Chernuchin
Regie Charles Russell, USA 1996
Darsteller

Arnold Schwarzenegger, James Caan, Vanessa Williams, James Coburn, Robert Pastorelli, James Cromwell, Danny Nucci, Andy Romano, Nick Chinlund, Michael Papajohn, Joe Viterelli, Mark Rolston, John Slattery, Robert Miranda, Roma Maffia u.a.

Genre Action
Filmlänge 115 Minuten
Deutschlandstart
22. August 1996
Inhalt

US-Bundesmarshal John Kruger arbeitet für das Zeugenschutzprogramm des FBI. Sein Job: Auslöschen der Vergangenheit wichtiger Kronzeugen und Verpassen einer neuen Identität. Jüngste Klientin: die Wissenschaftlerin Lee Cullen, die eine illegale High-Tech-Waffenlieferung ihrer Firma an russische Terroristen aufgedeckt hat.

Nicht nur die mächtigen Firmenbosse wollen Lee an den Kragen, auch Krugers Boss und Mentor DeGuerin, der ebenfalls in den Deal verwickelt ist. Kruger ist auf sich allein gestellt. Er und Cullen tauchen unter; dabei hilft Kruger ein anderer Schützling, Johnny Casteleone, der Kontakte in der Welt des organisierten Verbrechens hat.

DVD-Cover (US): EraserDa die CD-ROM, auf der Cullen die Beweise gesammelt hat, auf konventionellen Computern nicht lesbar ist, verschaffen sich Kruger und Cullen Zutritt zum Gebäude der Waffenfirma, um herauszufinden, worum es bei dieser Verschwörung eigentlich geht …

Was zu sagen wäre

Ich will der Filmhistorie nicht vorgreifen (und vielleicht überrascht mich das Hollywood-Kino ja auch mal wieder), aber ich glaube mal, dass wir hier Arnold Schwarzenegger in seiner letzten ordentlichen Rolle erleben. Der Comic-Held des Kinos der 80er Jahre, der Supermann des sehr analogen Hau-drauf-und-Schluss-Kinos gibt hier wohl seine letzte – für sein Schwarzenegger-Genre – ernstzunehmende Vorstellung; und für die braucht er jetzt doch schon eine Menge Blue-Screen-Technik.

Auf dem Plakat zum Film steht „Arnold Schwarzenegger“ und Arnold-Schwarzenegger-Style (True Lies – 1994; Last Action Hero – 1993; Total Recall – 1990; Red Heat – 1988; Running Man – 1987; Predator – 1987; Der City Hai – 1986; Das Phantom Kommando – 1985; Terminator – 1984; Conan, der Barbar – 1982) ist, was wir bekommen: Action. Knappe Sätze. Heldenpose! „Ich arbeite immer allein. Wenn also jemand mit dem Spruch kommt, ich hätte ihn geschickt, erschießen Sie ihn!“ Regisseur Charles Russell („Die Maske“ – 1994; „Der Blob“ – 1988; „Nightmare 3 – Freddy lebt“ – 1987) baut Schwarzenegger die große Bühne, seine Inszenierung ist pure Kinetik – Kamera, Menschen, Schauplätze … alles ist in Bewegung.Schwarzenegger überzeugt durch seine Physis. Sein Muskelkörper lässt uns jede noch so absurd überlebte Actionszene glauben; der Mann sieht ja selbst nicht echt aus.

„Eraser“ erfüllt die Erwartungen. Ein Actionfilm, der auf die Logik pfeift (mit den unterschlagenen Rail Guns es geht um Aluminiumwaffen, deren Projektile „Lichtgeschwindkeit“ erreichen – hält Aluminium das eigentlich aus?), der die technischen Grenzen seines Genres auslotet und Arnold prominente Altstars zur Seite stellt: James Coburn („Maverick – Den Colt am Gürtel, ein As im Ärmel“ – 1994; ”Steiner – Das Eiserne Kreuz“ – 1977; „Schlacht um Midway“ – 1976) und James Caan (Misery – 1990; Dick Tracy – 1990; „Der Einzelgänger“ – 1981; „Die Agenten-Elite“ – 1975; Der Pate – 1972). Großartig. Natürlich fällt einem, wenn man die übliche Dramaturgie solcher Geheimdienst-Action-Possen kennt, nach zwei Sätzen auf, dass der gute Mentor der Verräter ist, der über Leichen geht und deshalb hält der Film damit auch nicht lange hinterm Berg; nach 40 Minuten ist die Ahnung Gewissheit. Auch das gehört zur Action à la Schwarzenegger: Know Your Enemy!

Vanessa Williams‘ Rolle ist als die der Hilfe bedürftigen Prinzessin angelegt. Aber die in TV-Rollen gestählte Williams („Harley Davidson und der Marlboro-Mann“ – 1991; „Das andere Ich“ – 1991; „Geschäft mit dem Tod“ – 1988; „Jack der Aufreisser“ – 1987) macht mehr daraus. Nicht, dass sie Big Arnie ebenbürtig wäre. Aber den diversen Schurken tritt sie schon schmerzhaft vors Schienbein. Williams nutzt die Momente, die ihr das Script einräumt.

Für Schwarzenegger war‘s das wohl. Die Kinotechnik hat dem Unbesiegbaren stets die letzten 20 Prozent gegeben, die ihn Bigger Than Life erscheinen lassen (seine rundum digitalisierte Rolle als metallene Kampfmaschine aus der Zukunft ist die Ausnahme). Jetzt hat ihn die Kinotechnik überholt, ermöglicht mehr als die Hälfte Schwarzeneggerscher Action; mittlerweile sorgen CGI und Bluebox dafür, dass er riesige Alligatoren abwehren und auch noch ohne Fallschirm aus dem Flugzeug geschossen werden kann. Als nächstes springt er dann wohl aus einer Raumstation gen Erde? Größer. Härter. Weiter – das Gesetz des kommerziellen Kinos macht auch vor Schwarzenegger nicht Halt. Wenn aber die Digitaltechnik zu Rate gezogen werden muss, um den steirischen Hünen Heldentaten vollbringen zu lassen, verliert dieser Hüne sein größtes Potenzial – seine Glaubwürdigkeit und Integrität.

Wertung: 9 von 11 D-Mark
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