IMDB

Plakatmotiv: Es Kapitel 2 (2019)

Nachdem die Roman-Filetstücke schon verfilmt sind,
ist das hier ein nostalgischer Zusammenzucker

Titel Es Kapitel 2
(It Chapter Two)
Drehbuch Gary Dauberman
nach dem gleichnamigen Roman von Stephen King
Regie Andy Muschietti, USA, Kanada 2017
Darsteller

Jessica Chastain, James McAvoy, Bill Hader, Isaiah Mustafa, Jay Ryan, James Ransone, Andy Bean, Bill Skarsgård, Jaeden Martell, Wyatt Oleff, Jack Dylan Grazer, Finn Wolfhard, Sophia Lillis, Chosen Jacobs, Jeremy Ray, Teach Grant, Nicholas Hamilton, Javier Botet, Xavier Dolan, Taylor Frey, Molly Atkinson, Joan Gregson, Stephen Bogaert, Luke Roessler, Stephen King u.a.

Genre Horror
Filmlänge 169 Minuten
Deutschlandstart
5. September 2019
Website it-chapter-two.com
Inhalt

27 Jahre nach den Ereignissen des Sommers 1989, als eine Gruppe Kinder in Derry den Klub der Verlierer gründete, geschieht wieder Grausiges in der Stadt. Einem jungen Mann wird, nachdem er von einem homophoben Mob junger Männer verprügelt und von einer Brücke geworfen wurde, von einem Clown bei lebendigem Leib das Herz aus der Brust gebissen. Gleichzeitig kann Henry Bowers, der damals seinen Vater tötete, aus der Einrichtung entfliehen, in der er seitdem untergebracht ist. Wieder beginnen rote Ballons durch Derry zu fliegen. Als Mike Hanlon auf den Brückenpfeilern die in Blut geschriebenen Worte „Come home“ entdeckt, greift er zum Telefon.

Sein alter Freund Bill Denbrough arbeitet nun als Autor, dessen Bücher verfilmt werden. Auch Eddie Kaspbrak erhält einen Anruf von ihm, ebenso wie Richie Tozier, der erfolgreich als Stand-up-Comedian arbeitet, Ben Hanscom und Stanley Uris. Mike erzählt ihnen, dass Es wieder zurückgekehrt ist und erinnert seine alten Freunde an den Blutschwur, den sie einst leisteten, an den sie sich aber kaum noch erinnern können. Sie hatten sich geschworen, Es ein für allemal zu vernichten, sollte die Kreatur jemals wieder zurückkehren. Beverly Marsh, die von ihrem Mann misshandelt wird, muss aus der Wohnung flüchten, um nach Derry zu reisen.

Die Freunde treffen sich in einem asiatischen Restaurant in Derry. Lediglich Stanley erscheint nicht. Während ihres Gespräches kommen die Erinnerungen an ihre Kindheit zurück, die sie völlig verdrängt hatten. Mike glaubt, ihre Erinnerungen seien verschwunden, nachdem seine Freunde vor langer Zeit aus Derry weggezogen sind. Er klärt seine Freunde über das Echo auf, nachdem Es alle 27 Jahre ihre Stadt aufs Neue terrorisiert. Er glaubt auch, dass sie ihn, nach ihrem Sieg damals, irgendwie verändert, wahrscheinlich sogar stärker gemacht haben. Eine Nachricht, die sie in den Glückskeksen finden, lässt sie vermuten, dass Stanley tot ist. Ein Anruf von Bev bei dessen Frau bestätigt seinen Selbstmord am Tag zuvor. Diese Nachricht und auch die Visionen von mutiert wirkenden Wesen, die im Restaurant aus den Glückskeksen platzten, machen ihnen Angst und haben bei fast allen Mitgliedern des Klubs der Verlierer den Wunsch zur Folge, Derry so schnell wie möglich wieder zu verlassen.

Mike, der Derry nie verlassen und sich mittlerweile eine kleine Wohnung in der Bibliothek der Stadt eingerichtet hat, kann nur Bill überreden, sich die Ergebnisse seiner jahrelangen Recherchen anzusehen. Von Chokopiwar-Indianern hat er durch eine Vision erfahren, woher Es stammt und wie man das Wesen vernichten kann. Mithilfe eines Artefakts und einem besonderen Wurzelextrakt lässt er auch Bill an seinen Erfahrungen teilhaben. Ein Ritual, das die Freunde nur gemeinsam durchführen können, soll Es endgültig vernichten …

Was zu sagen wäre

Das Ende ist nicht gut!“ Dieser Satz zieht sich wie eine Art Leitfaden durch den Film. Selbst der Meister sagt es. Stephen King spielt in einer kleinen Gastrolle einen Trödelhändler in Derry, der Bill Denbrough, dem heute so erfolgreiche Autor von Horrorromanen, dessen altes Fahrrad aus Kindertagen verkauft. Als Bill auf dem Tresen einen seiner Romane liegen sieht, fragt er den Händler, ob er es ihm signieren solle. „Nein danke“, sagt der, „Das Ende ist nicht gut!" In vielen seiner Romane hat Stephen King eine Art Alter Ego eingebracht, immer wieder hat er in seinen Büchern Autoren weltweiter Bestseller mit ihrem Ruhm, mit ihren Romanfiguren, einer Schreibblockade oder verrückten Fans in Schwierigkeiten gebracht. Bill Denbroughs Schwierigkeit ist es, seinen offenbar sehr spannenden Romanen auch ein aufregendes Ende zu verpassen. Das macht den Film erst charmant, weil genau das auch auf Stephen Kings Romanvorlage zu diesem Film zutrifft, der das Ende eben dieser Vorlage nun zum Inhalt hat.

Das Finale des Romans ist ein verkorkster Esoteriktrip mit Anteilen von Gaga. Das sagt übrigens, wenn auch in anderen Worten, King selbst. Als er Mitte der 1980er Jahre diesen Roman – und andere wie Misery und "Tommyknockers" schrieb, so erzählt er es in seiner Biografie Das Leben und das Schreiben (2000), stand er meist unter Drogen („1985 war ich nicht nur alkoholabhängig, sondern auch noch drogensüchtig. Doch funktionierte ich, wie so viele Drogenkranke, weiterhin am Rande der Zurechnungsfähigkeit. Ich versteckte meine Drogen so sorgfältig wie möglich, und zwar sowohl aus Angst (was sollte ich ohne Stoff tun? Ich hatte den Trick vergessen, wie man nüchtern ist) als auch aus Scham.“); und so liest sich das große Finale auch: alles drin, was einem durchgekoksten Hirn so einfallen kann, darunter eine Universen gebärende Schildkröte, Kindergruppensex und buchstäblich weit hergeholte Monster. Und jetzt also die Verfilmung dieses heillosen Koksbreis. 169 Minuten Finale. Das Ende ist schlecht! Der dazugehörige Film also auch?

Vor zwei Jahren hatte Andy Muschietti nur die Kindheitserinnerungen der Romanvorlage verfilmt, einen Coming-of-Age-Thriller inszeniert, der die Zuschauer in die wohligen 1980er-Jahre-Gruselfilme entführte. Das war so schön gelungen, dass es wie ein Drohung wirkte, als es hieß, in Teil 2 dann erde die Geschichte der erwachsenen Kinder erzählt. Was soll da noch kommen? Im Buch laufen die Zeitebenen parallel verschachtelt. Aber nach dem Filmfinale vor zwei Jahren das Ganze jetzt nochmal mit älteren Darstellern, unter denen mit Jessica Chastain und James McAvoy (X-Men: Dark Phoenix – 2019; Glass – 2019; Deadpool 2 – 2018; Atomic Blonde – 2017; Split – 2016; X-Men: Apocalypse – 2016; "Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn" – 2015; Das Verschwinden der Eleanor Rigby – 2014; X-Men: Zukunft ist Vergangenheit – 2014; Trance – Gefährliche Erinnerung – 2013; X-Men: Erste Entscheidung – 2011; Die Lincoln Verschwörung – 2010; "Ein russischer Sommer" – 2009; "Wanted" – 2008; Abbitte – 2007; "Der letzte König von Schottland" – 2006) zwei große Namen leuchten?

Die Fragen, die nach dem ersten Teil offen geblieben sind, bleiben offen. Außer, dass wir tatsächlich erfahren, dass der diabolische Pennywise mehr ist als ein MacGuffin für einen Coming-Of-Age-Thriller. Gegen ihn müssen die Freunde das Ritual von Chüd aufführen, auf das Andy Muschietti undankbar aus der Romanvorlage zurückgreifen musste. Das wirkt im Verlauf der filmischen Umsetzung wie eine rasch daher geholte Lösung für ein Problem, das so monströs ist, dass es dafür eigentlich keine Lösung aus Menschenhand gibt; schon im Buch war das schwierig. Im Film lasse ich das nur mitlaufen, weil's halt irgendwie enden muss. Der Film heißt "Es" und also sollte er sich an die Vorlage halten – und welches andere Ende, glaubhafter noch dazu, würde es denn wohl geben? Ja, vom Abspann aus betrachtet, ist der Film eher nicht gut.

Aber während der knapp drei Stunden, in denen zur besseren Unterscheidung der Figuren noch ein paar Mal nach 1989 geschnitten wird, macht er Spaß, drückt mich auch mal in den Sessel. Er ist blutiger als Teil 1, was aber nicht schwierig ist, weil allein Beverly auf dem Klo eingeschlossen einmal beinah in einer Blutfontäne ertrinkt. Zwischendrin habe ich Zeit zu überlegen, dass ich diese große Darstellerin stolzer Frauen, die aufrechte Jessica Chastain noch nie in einer solchen Blut-und-Schmodder-Situation gesehen habe (Die Frau, die vorausgeht – 2017; Molly's Game – 2017; Die Erfindung der Wahrheit – 2016; The Huntsman & the Ice Queen – 2016; Der Marsianer – 2015; Interstellar – 2014; Das Verschwinden der Eleanor Rigby – 2013; Mama – 2013; Zero Dark Thirty 2012; The Help – 2011; Coriolanus – 2011). Der Ort des Schreckens, Derry, ist noch seltsamer geworden in den zurückliegenden 27 Jahren, nur auf dem Rummel tobt das Leben, konservativ-spießig; wenn hier ein paar Schläger einen Homosexuellen totschlagen, interessiert das sonst niemanden, außer Pennywise, der dann dessen Herz frisst. Außerhalb des Rummels ist die Stadt noch lebloser als in Teil 1.

Nicht viel lebendiger erscheinen die erwachsenen Rückkehrer. Beverly, erfolgreich in der Modebranche, hat aber einen Mann an ihrer Seite, der sie wie einst ihr Vater mit dem Gürtel verprügelt. Mike, der immer weg wollte aus Derry, ist dort hängen geblieben. Ben ist sein Babyspeck los geworden und hat sich einen ordentlichen Sixpack antrainiert, die erträumte Liebesgeschichte blieb ihm aber verwehrt. Wenigstens Bill, der Stotterer, macht mit seinen Wortkaskaden heute in Romanform Millionen. Das erzeugt Wehmut, wenn man im Kinosessel unvermittelt daran erinnert wird, dass das Leben selten so wird, wie man sich das als Junge einst erträumt hat – vom Sessel hauen tut es auf Dauer aber nicht.

Wie schon im ersten Teil setzt Andy Muschietti (Mama – 2013) auf den Thrill des Gruselfilms der 1980er-Jahre. Aber diesmal wildert er nicht in John Carpenters Andeutungshorror. Diesmal schlachtet Muschietti Carpenters Motion-Controle-Splatter-Remake von The Thing aus. Da erwachsenen abgehackten Köpfen Beine, mit denen sie dann spinnengleich durch die Zimmer sausen, da glitschen Ekelfiguren aus Glückskeksen, dass es zur Gänsehaut gereicht und staksige, nackte Zombietöchter erzeugen echten Grusel.

Der Film ist so geworden, wie das zu erwarten war, wenn die Filetstücke der Vorlage schon verfilmt sind. Das Ende dieses verfilmten Endes ist okay und so kurzweilig, dass mir die 169 Minuten Laufzeit selten aufgestoßen sind.

Wertung: 5 von 8 €uro
IMDB