IMDB
Plakatmotiv: Die Wildgänse kommen
Ein melancholischer Actioner
Titel Die Wildgänse kommen
(The Wild Geese)
Drehbuch Reginald Rose
nach dem Roman „The Thin White Line“ von Daniel Carney
Regie Andrew V. McLaglen, Schweiz, UK 1978
Darsteller
Richard Burton, Roger Moore, Richard Harris, Hardy Krüger, Stewart Granger, Winston Ntshona, John Kani, Frank Finlay, Kenneth Griffith, Barry Foster, Ronald Fraser, Ian Yule, Patrick Allen, Rosalind Lloyd u.a.
Genre Action, Krieg
Filmlänge 134 Minuten
Deutschlandstart
28. September 1978
Inhalt
Im Auftrag des britischen Bankiers Matherson wird eine Truppe von fünfzig schwerbewaffneten Söldnern aufgebaut, um im afrikanischen Zembala den gestürzten und gefangengenommenen Regierungschef Limbani zu befreien. Man erhofft sich dadurch, die großen Vorkommen an Kupfer ausbeuten zu können. Der in die Jahre gekommene Colonel Allen Faulkner leitet die Operation mit der Hilfe einiger kampferprobter alter Freunde, darunter Shawn und Rafer, der einen kleinen Sohn hat.

Die Söldnerarmee springt terminlich vorgezogen nachts aus einer Lockheed C-130 Hercules über dem Zielgebiet in Zembala ab. Der eine Teil befreit Limbani in einer Kommandoaktion, der andere Teil erobert einen nahe gelegenen Flughafen. Die geplante Ausreise aber scheitert. Matherson hat mittlerweile kein Interesse mehr an der Befreiung, statt dessen mit der derzeitigen Regierung einen Vertrag über die Schürfrechte der Kupfervorkommen geschlossen …

Was zu sagen wäre
Ein Kommandofilm in der Tradition von Filmen wie Where Eagles dare oder Guns of Navarone. Andrew V. McLaglen, Spezialist für harte Männer in harten Situationen („Geier kennen kein Erbarmen“ – 1973; „Chisum“ – 1970; Bandolero – 1968; „Das Teufelsweib von Texas“ – 1967; Der Mann vom großen Fluss – 1965), hat ihn aufgeladen mit dem Zynismus, den die Zeit nach den genannten Filmen eben mit sich gebracht hat. Ein Film aus einer Welt, in der Banker die Macht haben, in Afrika ein Regime zu stürzen. Politik ist eine Frage des Geldes.

Harte Männer. Das ist schnell klar. Richard Burton (Die Schrecken der Medusa – 1978; „Equus – Blinde Pferde“ – 1977; „Exorzist II – Der Ketzer“ – 1977; „Hammersmith ist raus“ – 1972; Agenten sterben einsam – 1968; „Die Stunde der Komödianten“ – 1967; Der Widerspenstigen Zähmung – 1967; „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ – 1966; Der Spion, der aus der Kälte kam – 1965; Die Nacht des Leguan – 1964; „Cleopatra“ – 1963) verhandelt nicht. Er fordert bei zwei ordentlichen Glas Whiskey – und beruhigt seinen Auftraggeber, dass er nüchtern bleibe während des Jobs. Eine Sonderregel besage, dass seine Leber dereinst mit Sonderehren bestattet werde. Richard Burtons dämonischer Blick. Seine schnarrende Stimme. Hart. Straight. Trübe Vergangenheit. Keine Zukunft. Dazu Roger Moore, der mit James Bond seine TV-Karriere auf die Leinwand verlagert hat und hier seinen Killing Job mit Zigarre im lockeren Mundwinkel erledigt („Abrechnung in San Franzisko“ – 1976; „Bleib mir ja vom Leib“ – 1975; „Gold“ – 1974; „Ein Mann jagt sich selbst“ – 1970; „Tödlicher Salut“ – 1969).

Und Richard Harris, altgedienter Haudegen zahlreicher Abenteuer- und Actionfilme („Orca, der Killerwal“ – 1977; Cassandra Crossing – 1976; „Robin und Marian“ – 1976; 18 Stunden bis zur Ewigkeit – 1974; „Cromwell – Der Unerbittliche“ – 1970; Der Mann, den sie Pferd nannten – 1970; „Die Bibel“ – 1966; „Meuterei auf der Bounty“ – 1962; Die Kanonen von Navarone – 1961). Loyalität wird groß geschrieben. Es sind alte Männer mit alten Werten. Am Ende ihrer Laufbahn. Von Beginn an liegt ein Hauch von Abschied über dem Film, ohne dass ein Orchester die Tonspur voll fiedeln muss.

Hardy Krüger („Die Brücke von Arnheim“ – 1977; „Barry Lyndon“ – 1975; „Das rote Zelt“ – 1969; Der Flug des Phoenix – 1965; Hatari! – 1962) übernimmt als abgebrannter Südafrikaner Pieter die Rolle des zu bekehrenden Rassisten in diesem rassistisch angehauchten Kino. Er mag keine Schwarzen, tötet sie aber auch nicht gerne, sofern sie ihm nichts getan haben. „Moraldiskussionen unter Söldnern“, stöhnt Roger Moore, „wer hätte das gedacht?“ Pieter verfolgt keine moral-politischen Ziele, er will nur das Geld für eine Farm in Afrika. „In Afrika bedeutet `Freiheit’ nur ein anderer Despot.“ „Wir müssen Euch die Vergangenheit vergeben und Ihr uns die Gegenwart“, mahnt ihn dann der befreite Limbani. Diese Szenen sitzen wie ein Fremdkörper auf diesem Film, weil sie so gar nicht zum Genre des Söldnerfilms passen; aber wie schon die breit diskutierte Sinnfrage in den Guns of Navarone sind es dann eben diese breiten Diskussionen, die die „Wildgänse“ zu einem Besonderen in seinem Genre machen. Er ist mehr als die Ansammlung alternder Stars – zumal ja Roger Moore seine zweite Karriere – BondJamesBond – gerade erst startet.

Es ist ein Comando-Movie alter Schule inklusive testosteronhaltiger Männlichkeitsriten, angereichert mit den Erfahrungen der späten Sechziger Jahre, in denen die US-Army lernen musste, dass ihre Regierung sie wohlfeil hängen lässt, wenn das opportun erscheint und das British Empire begann, vergangener Glorie nachzutrauerern. So sind die britischen Söldner hier tapfer, selbstlos und charakterfester als gesichtslose Hundertschaften einer Spezialtruppe namens „Simbas“ und sie sterben einen heldenhaften Tod, den wir im Kinosessel trauernd begleiten.

Wertung: 7 von 9 D-Mark
IMDB