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Plakatmotiv: Der Mann vom großen Fluss (1965)
Familie gegen Krieg in einem
melodramatischen Western
Titel Der Mann vom großen Fluss
(Shenandoah)
Drehbuch James Lee Barrett
Regie Andrew V. McLaglan, USA 1965
Darsteller James Stewart, Doug McClure, Glenn Corbett, Patrick Wayne, Rosemary Forsyth, Phillip Alford, Katharine Ross, Charles Robinson, Jim McMullan, Tim McIntire, Gene Jackson, Paul Fix, Denver Pyle, George Kennedy, James Best u.a.
Genre Western
Filmlänge 105 Minuten
Deutschlandstart
16. August 1968
Inhalt

Virgina, Südstaaten, zur Zeit des amerikanischen Sezessionskrieges: Der Farmer Charlie Anderson ist seit 16 Jahren Witwer und lebt mit seiner großen Familie hart arbeitend, während der Bürgerkrieg immer näher rückt.

Plakatmotiv: Der Mann vom großen Fluss (1965)Charlie Anderson ist ein Gegner der Sklaverei und grundsätzlich gegen den Krieg. Er meint deshalb, seine Familie aus dem Krieg heraushalten zu können und wehrt sich gegen den Einzug seiner Söhne in die Südstaatenarmee. Seine einzige Tochter Jennie heiratet dagegen den Südstaaten-Leutnant Sam, der am Tag der Hochzeit ins Feld einrückt. Am gleichen Tag wird Charlies Sohn James Vater einer Tochter.

Der jüngste Sohn Boy hatte in einem Bach eine Südstaatenmütze gefunden und trägt sie seitdem. Sein bester Freund Gabriel ist ein Sklavenjunge der Nachbarn. Gemeinsam sind sie auf Jagd als sie in eine Schießerei zwischen Südstaatlern und Nordstaatlern geraten. Wenig später wird Boy von Nordstaatlern gefangen genommen und aufgrund seiner Mütze für einen Rebellen gehalten. Jetzt geht der Krieg auch die Familie Anderson etwas an. Sie machen sich auf die Suche nach dem Gefangenen …

Was zu sagen wäre

Alles, was zu einem Western dazu gehört: eine große Farm, ein strenger, kinderreicher Farmer mit unverrückbarer Moral, zünftigen Schlägereien und jeder Menge Schießereien – hier nicht zwischen Cowboys und Indianer sondern zwischen Nord- und Südstaatler.

James Stewart spielt, ununterbrochen auf einem Zigarrestumpen herumkauend, so einen unfehlbaren Vater, dem wir im Kinosessel gerne zugucken, weil er so Recht hat. Er ist streng, erzieht seine Söhne nach klaren Prinzipien, lässt ihn aber genug Leine, damit sie sich entwickeln können – ein Fantasy-Pa (s.u.).

Plakatmotiv (US): Shenandoah – Der Mann vom großen Fluss (1965)Ähnlich wie in der TV-Serie „Bonanza“ gibt Pa – Stumpen kauend – seinem künftigen Schwiegersohn Ratschläge unter Männern, während gleichzeitig die einzige Tochter, die bald verheiratete Jennie, von ihrer Schwägerin Ann erklärt bekommt, dass Männer manchmal einfach allein sein wollen. „Ich dachte erst, ich hätte etwas falsch gemacht. Aber es ist einfach so.

So breitet sich ein episches Familienportrait im amerikanischen Bürgerkrieg vor uns aus mit pazifistischem Grundton, das sich in der zweiten Hälfte zu einem veritablen Antikriegsmelodram auswächst, ein bisschen sentimental, sehr Technicolor – in Bild wie Ton.

Man kann „Shenandoah“, 1965 in den Kinos, als Kommentar gegen den aufziehenden Krieg in Vietnam lesen, auch gegen andere große Kriege, in die die USA zuvor verwickelt waren – es gibt sogar einen Gefangenenzug, der an die Deportatonszüge der Nazis erinnert: „Das ist ein trauriger Zug, den Sie da fahren, Mister. Er bringt Menschen weg, wenn die nicht weg wollen und er bringt sie nicht zurück.

Der Film von Actionfreund Andrew V. McLaglen zeigt dann: Familie und Krieg geht eben nicht zusammen, Krieg zerstört Familie, immer; ein sich heraushalten gibt es nicht. Als Charlie Anderson seinen Schwiegersohn, Offizier der Südstaatenarmee, fragt, warum er an einem Krieg teilnehme, den er doch verloren wisse, antwortet dieser: „Mitmachen ist einfacher als weglaufen.

Durch den Einbruch der Kriegsfolgen in die Familie hält der Film uns Zuschauer zum Nachdenken über ethisch vertiefte Fragen an.

Wertung: 6 von 9 D-Mark
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