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Plakatmotiv: Verdacht
Ein durch und durch
künstliches Produkt
Titel Verdacht
(Suspicion)
Drehbuch Samson Raphaelson + Joan Harrison + Alma Reville
nach dem Roman „Vor der Tat (Before the Fact)“ von Anthony Berkeley unter dem Pseudonym Francis Iles
Regie Alfred Hitchcock, USA 1941
Darsteller Cary Grant, Joan Fontaine, Nigel Bruce, Cedric Hardwicke, May Whitty, Isabel Jeans, Heather Angel, Auriol Lee, Reginald Sheffield, Leo G. Carroll u.a.
Genre Thriller
Filmlänge 99 Minuten
Deutschlandstart
1. Dezember 1946
Inhalt

Johnny Aysgarth, ein gutaussehender und charmanter junger Mann, trifft während einer Zugfahrt auf die schüchterne Lina McLaidlaw, die Tochter eines strengen Ex-Generals, und borgt sich von ihr etwas Geld für die Zugkarten. In einem Buch entdeckt Lina Johnny auf einem Foto der High-Society und schließt daraus, dass er reich und angesehen ist.

Obwohl sie sich ihm gegenüber zunächst kühl verhält, fühlt sie sich schnell zu ihm hingezogen. Auf einem Jägerball kommt es einige Zeit später zu einem Wiedersehen: Johnny ist zwar ein Mädchenschwarm, jede scheint ihn zu kennen, und mit jeder scheint er zu flirten – doch er ist nur an Lina interessiert. Sie heiraten heimlich gegen den Willen von Linas Vater, der davon gehört hat, dass Johnny ein Taugenichts sei. Nach einer langen Hochzeitsreise durch Europa beziehen die Frischvermählten eine Villa in einem Dorf in Sussex.

Bereits nach kurzer Zeit muss Lina jedoch entdecken, dass ihr Mann durchaus auch Schattenseiten hat: Johnny entpuppt sich als Spieler, der das Hochzeitsgeschenk von Linas Vater – ein Familienerbstück der McLaidlaws – verkauft und mit dem erhaltenen Geld auf der Pferderennbahn wettet. Auch wird Lina von Johnnys bestem Freund Beaky gewarnt, ihr Mann sei ein unverbesserlicher, aber äußerst charmanter Spieler, der immer die unterhaltsamsten Lügengeschichten erzähle. Mehrmals verspricht Johnny Lina sich zu bessern und nimmt eine Stelle als Makler bei seinem Vetter Captain Melbeck an. Bei einem Besuch im Maklerbüro erfährt Lina, dass ihr Mann wegen Unterschlagung bereits vor sechs Wochen entlassen wurde. Captain Melbeck verspricht jedoch, es nicht zu einer Anzeige kommen zu lassen, falls Johnny das unterschlagene Geld zurückzahlt.

Plakatmotiv: VerdachtEnttäuscht von der Unterschlagung und der Verheimlichung, möchte Lina Johnny verlassen. Doch sie wird abgehalten, als überraschenderweise ihr Vater an einem Herzinfarkt stirbt. Johnny und Lina erben nur ein Porträt, und er zeigt sich etwas enttäuscht über die kleine Erbschaft. Nun will Johnny mit Beaky eine auf wackligen Füßen stehende Immobilienfirma gründen, finanziert mit dem Geld des naiv-gutmütigen Beaky. Lina warnt Beaky vor Johnnys Geldverschwendungen und Tricks, doch Johnny besteht darauf, dass seine Frau sich aus der Firmengründung heraushält, gibt allerdings später seinen Immobilienplan auf.

Beaky will nach Paris, um die Firma aufzulösen, woraufhin ihn Johnny bis London begleiten möchte. Kurz darauf erfährt Lina von der Polizei, dass Beaky unter mysteriösen Umständen in Paris gestorben ist. Die Umstände von Beakys Tod und eine Lüge Johnnys ihr gegenüber lassen Lina darauf schließen, dass ihr Ehemann für Beakys Tod verantwortlich ist …

Was zu sagen wäre

Cary Grant und Joan Fontaine sind auf den ersten Blick ideal besetzt: Grant als der charmante Draufgänger (Sein Mädchen für besondere Fälle – 1940; „Die Schwester der Braut“ – 1938; Leoparden küsst man nicht – 1938) und Fontaine als die schüchterne Landpomeranze – „Ich bin zu ernst für solche Scherze. Ich kann auch nicht flirten.“ Er geht einem mit seinem öligen Humor dann schnell auf die Nerven, weil er wenig glaubhaft wirkt.

Aber da wirkt auch der Film nioch wie eine harmlose Romanze mit humorigem, später erhofftem mit Hitchcock-Touch. Aber das Setting bleibt künstlich. Johnny gibt sich offen als Windbeutel zu erkennen, der offen zugibt, Geld nicht durch Arbeit erwerben zu wollen, Lina ein ums andere Mal nicht die ganze Wahrheit gesagt zu haben, aber Lina glaubt auch nach der xten Flunkerei an den integren Gatten und ihre Romanze. Die Liebesgeschichte als solche aber interessiert Alfred Hitchcock nicht so sehr, sie ist eher sein MacGuffin, um die Basis für seine Misstrauensgeschichte auszurollen, in total künstlicher Umgebung stattfindet.

Plakatmotiv (US): Verdacht – SuspicionSeine zwischenzeitliche Spannung zieht der Film aus seiner konsequent eingehaltenen Perspektive, die bei Joan Fontaine steht, der der Zuschauer alles Schöne dieser Welt wünscht und der alle Welt erzählt, wie toll und witzig ihr Johnny sei – während ihre Zweifel, und damit unsere, wachsen. Die Erzählstruktur ist clever, Hitchcock spielt mehrfach mit den Erwartungen des Zuschauers.

Bei einem kleinen fröhlichen Umtrunk stirbt beinah sein bester Freund an einem Brandy und Johnny reagiert ganz kalt; im Immobilienbüro von Captain Melbeck erfährt Lina nicht nur, dass Johnny seit sechs Wochen nicht mehr dort arbeitet, sondern dann auch, dass er 2.000 Pfund unterschlagen hat, die er Lina gegenüber als Gewinn beim Pferderennen behauptet hatte. Nachdem sie das erfahren hat und sie ihn verlassen will steht plötzlich Johnny im Raum „Du weißt es also schon. Es tut mir furchtbar leid“, und während sich der Zuschauer noch wundert, wie oft sich Johnny eigentlich noch bei seiner Frau entschuldigen kann, hält er ein Telegramm in der Hand, das sie über den Tod ihres Vater informiert. Während sie glaubt, Johnny habe Beaky ermordet, bauen die beiden gerade eine Stereoanlage auf; und wenig später ist Beaky tatsächlich tot. Die Polizei ermittelt im Haus von Lina und als bei der Verabschiedung notwenige Abschiedsfloskeln gesprochen werden, bleibt die Kamera beim Polizeiassistenten, der sich über ein kubistisches Kunstwerk wundert. Auf dasselbe Bild hatte er schon ratlos gestarrt, als er auf die Dame des Hauses wartet. Durch solche Kunstgriffe macht Hitchcock eine für die Handlung wichtige, für seinen Film aber unwichtige Nebenfigur menschlich und dem Zuschauer zugänglich.

Und dann bringt Cary Grant seiner Frau das Glas Milch, perfekt anmoderiert durch die Erzählung der Kriminalschriftstellerin, wonach Johnny sie wegen eines Giftes gelöchert habe, das als Mordinstrument nicht nachzuweisen sei. Die Szene mit dem Milchglas ging in die Geschichte ein, weil es den titelgebenden Verdacht unterstrich, verstärkt durch eine Glühbirne, die Hitchcock in das Glas legte.

Wertung: 3 von 6 D-Mark
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