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Kinoplakat: A beautiful Mind
Dem „Gladiator” gelingt als
Schizophrener die Kehrtwende
Titel A beautiful mind – Genie und Wahnsinn
(A beautiful mind)
Drehbuch Akiva Goldsman
nach einem Buch von Sylvia Nasar
Regie Ron Howard, USA, UK 2001
Darsteller Russell Crowe, Ed Harris, Jennifer Connelly, Christopher Plummer, Paul Bettany, Adam Goldberg, Josh Lucas, Anthony Rapp, Jason Gray-Stanford, Judd Hirsch, Austin Pendleton, Vivien Cardone, Jill Marie Simon, Victor Steinbach, Tanya Clarke u.a.
Genre Drama, Biografie
Filmlänge 135 Minuten
Deutschlandstart
28. Februar 2002
Inhalt

Wir schreiben das Jahr 1947. John Forbes Nash, Jr. ist in Princeton eingetroffen, um sein weiterführendes Studium in höherer Mathematik aufzunehmen. „Das geheimnisvolle Genie aus Virginia” hat weder die richtigen Vorbereitungskurse besucht, noch stammt er aus einer der alteingesessenen oder wohlhabenden Familien; somit genießt er keinerlei Privilegien, die ihm seinen Eintritt in die „Ivy League” erleichtern würden – doch er hat das renommierteste Stipendium erhalten, das Princeton zu vergeben hat. Das bedeutet: Er gehört wirklich hierher.

Es fällt Nash nicht leicht, sich in Princeton zurechtzufinden – und auch das ehrwürdige College tut sich mit dem Neuankömmling schwer. Gesellschaftliches Geplänkel und oberflächliche Neuigkeiten haben für ihn keinerlei Bedeutung, und auch die Vorlesungen sind ihm ziemlich gleichgültig. Er ist von einer einzigen Idee besessen: eine wahrhaft originelle Theorie zu entwickeln. Er ist davon überzeugt, dies sei seine Aufgabe, sein Lebensweg – die einzige Möglichkeit, jemals etwas Bedeutsames zu bewirken.

Eines Nachts dann in einer Kneipe: Nash beobachtet die Reaktionen seiner Kommilitonen auf eine heiße Blondine und eine Idee nimmt Formen an, die ihn Tag und Nacht nicht mehr loslassen wird. Daraus entsteht seine Forschungsarbeit zum Thema „Spiel- und Entscheidungstheorie” über die mathematischen Prinzipien des Wettbewerbs – eine Theorie, die in kühnem Widerspruch steht zur Doktrin von Adam Smitsh, dem Vater der modernen Wirtschaftswissenschaften. 150 Jahre gültiges Gedankengut ist überholt, und Nashs Leben hat sich für immer verändert.

Nash erhält einen Posten als Forscher und Dozent am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT), ist dort aber nicht zufrieden. Er sehnt sich danach, im Kalten Krieg eine ähnliche Rolle spielen zu können, wie die Wissenschaft im Zweiten Weltkrieg. Sein Wunsch geht in Erfüllung, als ihn William Parcher vom Verteidigungsministerium anspricht. Nash soll einen Code dechiffrieren, mittels dessen die Russen eine Atombombe in die USA schleusen wollen. Nash stürzt sich mit Feuereifer in die Arbeit.

Kinoplakat (US): A beautiful MindNebenbei kommt er seinen Pflichten als Dozent nach und erregt dort die unnachgiebige Aufmerksamkeit einer Studentin: Alicia ist nicht nur eine gute Mathematikerin, sondern lässt sich auch durch die Schrullen des Dozenten nicht davon abbringen, das Genie möglichst ganz für sich zu gewinnen. Bald wird geheiratet, doch Nash kann ihr nichts über das gefährliche Projekt anvertrauen, an dem er für Parcher arbeitet. Der Stress, die Heimlichtuerei und die ständige Gefahr fordern ihren Preis: Nash ist verschlossen, obsessiv und schließlich völlig verloren in einer anderen Welt – Halluzinationen begleiten ihn auf Schritt und Tritt.

Die Diagnose lautet: paranoide Schizophrenie …

Was zu sagen wäre

Was für ein Film! Die Filmbiografie eines echten Nobelpreisträgers, wenn auch der echte Nash kein solch begeisterter Kalter Krieger war, wie der Film-Nash.

Howard und Crowe sind ein gutes Gespann

Ron Howard gehört zu den unterschätzten Regisseuren in Tinseltown (EDtv – 1999; Kopfgeld – 1996; „Schlagzeilen“ – 1994; „In einem fernen Land“ – 1992; „Willow“ – 1988; Cocoon – 1985; Splash: Jungfrau am Haken – 1984; „Nightshift“ – 1982). Viel beschäftigt, aber vom Feuilleton nicht so wichtig befunden. Ob er in Apollo 13 die Klaustrophobie einer Raumkapsel mitten in den Kinosaal thrillt oder hier das vermeintlich dröge Formel-Leben eines Mathematikers beschreibt, der trotz Schizophrenie im Jahr 1994 den Nobelpreis verliehen bekommt für eine Theorie, die der normale Kinogänger eher nicht verstehen wird … Ron Howard schafft es, seine Zuschauer bei der Stange zu halten.

Russel Crowe als schizophrenes Genie erweist sich, nehme ich als Relation seinen Gladiator (2000) oder seinen Wissenschaftler in Insider (1999), als brillantes Chamäleon. Anders als die Größen der 70er und 80er in seinem Fach (DeNiro-Pacino-Hoffmann) braucht Crowe keine Manierismen, um sein Genie zu spielen – was einzig etwas irritiert, ist sein muskulöser Körperbau, der einem mathematischen Dauerformulierer nicht gerecht wird. Es ist kein Wunder, dass Crowe beim Rennen um die Oscars wieder (nach „Insider” und „Gladiator”) ein gewichtiges Wort mitspricht.

Ich liebe Jennifer Connelly

Jennifer Connelly (*12. Dezember 1970 in Catskill Mountains, New York) spielt Nashs Ehefrau Alicia. Auch sie ist – und auch zurecht – für den Oscar nominiert und das könnte ihr endlich auf die große Bühne helfen. Ich habe mich in sie verliebt, als sie 1986 als große genervte Schwester in dem Fantasy-Spektakel „Labyrinth“ gegen den kauzigen Magier David Bowie antreten musste; später sah ich sie wieder in Produktionen wie „Hot Spot – Spiel mit dem Feuer“ (1991), wo sie Don Johnson den Kopf verdrehte, in dem Superheldenspaß Rocketeer (1991) oder in Dark City (1998), gerade musste sie ein Drogenmartyrium erleiden in Darren Aronofsky Requiem for a Dream (2000) – und demnächst gibt sie die Betty Ross in der Neuverfilmung des Hulk. Sie zählt zu den Hoffnungsträgerinnen im aktuellen Hollywood.

„A beautiful Mind“ passt in seine Zeit. Das Kino nach der Jahrtausenwende spielt mit den doppelten Böden individueller Wahrnehmung. Ron Howard präsentiert seinen Zuschauern zunächst eine ganz normale Kinoeschichte mit Held, Geheimnis, Liebe und Gefahr – und wenn sich die Hälfte davon in der Luft schizophrener Einbildung auflöst, müssen wir Zuschauer erst einmal überprüfen, was von dem bislang gesehenen denn überhaupt noch Bestand hat. Die kleinen Überraschungen und Howards Verpflichtung seinen Zuschauern gegenüber, diese nie zu langweilen, machen den Film einzigartig.

Wertung: 5 von 6 €uro
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