Kinoplakat: 3 Days to kill
Überraschend locker inszenierte
Familienväter, die zum töten gehen
Titel 3 Days to kill
(3 Days to kill)
Drehbuch Adi Hasak + Luc Besson
Regie McG, USA, Frankreich, Griechenland, Russland 2014
Darsteller Kevin Costner, Amber Heard, Hailee Steinfeld, Connie Nielsen, Tómas Lemarquis, Richard Sammel, Marc Andréoni, Bruno Ricci, Jonas Bloquet, Eriq Ebouaney, Joakhim Sigue, Alison Valence, Big John, Michaël Vander-Meiren, Paolo Calia u.a.
Genre Action
Filmlänge 117 Minuten
Deutschlandstart
8. Mai 2014
Inhalt
Secret-Service-Agent Ethan Runner ist sehr gut in seinem Job, aber nicht mehr der Jüngste. Als er dann auch noch erfährt, dass er eine tödliche Krankheit hat, will er die die kurze verbleibende Zeit seiner Tochter Zooey widmen.

Runners Ex-Frau Christine findet, dass Ethan seine Vaterpflichten lange genug vernachlässigt hat und übergibt Zooey in die Obhut ihres Vaters. Dann taucht plötzlich eine Agentin namens Vivi Delay auf und bietet Ethan einen Deal an: Wenn es ihm binnen drei Tagen gelingt, den Waffenhändler „Der Wolf" zu töten, einen der meistgesuchten Terroristen der Welt, erhält er ein Mittel, das sein Leben verlängern könnte.

Ein heikles Geschäft, da die Wirksamkeit des Heilmittels nicht bewiesen ist und Ethan gerade jetzt seine Tochter bei sich hat, die er nicht erneut enttäuschen will …

Was zu sagen wäre
Sieht nach Kevin-Costner-ist-ja-auch-ganz-schön-runtergekommen-Dutzendware aus. Wo aber McG (Terminator: Die Erlösung – 2009) Regie führt und Luc Besson produziert und schreibt (Malavita – The Family – 2013; „Michel Vaillant“ – 2003; „The Transporter“ – 2002), ist dann eben doch mehr drin. Der Film ist unterhaltsam und Kevin Costner (Jack Ryan – Shadow Recruit – 2014; Man of Steel – 2013; Thirteen Days – 2000; Aus Liebe zum Spiel – 1999; Message in a Bottle – 1999; Waterworld – 1995; JFK – Tatort Dallas – 1991; Der mit dem Wolf tanzt – 1990; Feld der Träume – 1989; No way out – Es gibt kein Zurück – 1987; Die Unbestechlichen – 1987) sieht als Ethan Runner zwar heruntergekommen aus, spielt seine Rolle aber mit cooler Melancholie. Da liegt der Vergleich zu dem anderen Film nahe, in dem er in diesem Jahr einen CIA-Mann spielte – Jack Ryan: Shadow Recruit – und dieser Vergleich macht auch gleich deutlich, was „3 Days to kill“ aus der Dutzendware der Mann-muss-unter-Ultimatumsdrohung-einen-Kill-erledigen-Film heraushebt. Der Jack-Ryan-Film hat sich und seine Story in ihrer kühlen Eleganz furchtbar ernst genommen.

„3 days to kill" nimmt sich nicht ernst. McG, der im bürgerlichen Leben Joseph McGinty Nichol heißt, hatte schon bei 3 Engel für Charlie (2000) mit Sehgewohnheiten gebrochen und ein Pop-Art-buntes Feuerwerk gezündet. Im vorliegenden Film hält er sich bei der Pop-Art zurück, die Tonalität des Film ist kühl. Die Typen cool, die Farben grau, das Leben ist irgendwie Mist. Die warmen Farben kommen bei den Familienszenen. So weit, so üblich.

Und dann gibt es noch die Killer, die heute immer auch Familienväter 2.0 sein müssen, Männer, die sich auch um ihre Kinder kümmern sollen. Und wenn dann Kevin Costner mit einem Handlanger der Schurken, der gefesselt und blutend vor ihm sitzt, Erziehungsfragen diskutiert und den eben noch Gefolterten – einen Italiener – bittet, seiner, Costners, Tochter per Telefon das Rezept für eine Tomatensauce zu verraten, damit die ihre Freunde beeindrucken kann, dreht der Film in eine Richtung mit schönen kleinen Überraschungen; diese Gespräche zweier Väter über ihre Töchter gehen auch weiter, wenn der eine Vater gefesselt in den Kofferaum geschoben wird, bevor er dann auch geknebelt wird. In Costners Wohnung haben sich afrikanische Flüchtlinge breit gemacht; auch daraus baut Luc Besson ein paar herzenswarme Szenen, die den Plot bereichern.

Das macht den Unterschied zur Dutzendware im Kino nebenan: Die grobe Handlung (s.o.) bleibt platt, aber die Plattheiten sind mit Überraschung und Herz erzählt. Die Schauspieler sind okay, erfüllen ihre Schema-F-Rollen. Hailee Steinfeld (Ender's Game – 2013; Can a Song Save Your Life? – 2013; True Grit – 2010) als brav pubertierende, wohl erzogene Tochter ist entzückend, Connie Nielsen („Nymphomaniac“ – 2013; Gladiator – 2000; Mission to Mars – 2000) halt eine weitere Agenten-Ex-Frau mit Tränen in den Augen. Amber Heard spielt auch hier wieder den Sex auf zwei Beinen („Machete Kills“ – 2013; Paranoia – 2013; Drive Angry – 2011; The Ward – Die Station – 2010; Zombieland – 2009; All the Boys love Mandy Lane – 2006; das ist ein bisschen langweilig: Kann sie eigentlich auch anders und sind nur die Regisseure so von ihr besessen, dass sie immer diesen Schnutenmund-Blick aufsetzen muss?

Da schließt sich der Kreis: Amber Heard als Agentin Vivi Delay ist so künstlich konstruiert wie der Film um sie herum. Muss man nicht mögen, muss man auch nicht gucken; aber längst gehen Menschen nicht mehr ins Kino, weil sie einen bestimmten Film sehen wollen. Häufig gehen sie ins Kino und gucken mal, was läuft. Und da ist dieser „3 Days to kill“ nicht der schlechteste, um von hier aus in einen langen Abend zu starten.

Wertung: 4 von 8 €uro