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Kinoplakat: 28 Tage später
Ein Zombie-Film mit etwas
Gesellschafts-Satire
Titel 28 Tage später
(28 Days Later …)
Drehbuch Alex Garland
Regie Danny Boyle, UK 2002
Darsteller Cillian Murphy, Toby Sedgwick, Naomie Harris, Brendan Gleeson, Alex Palmer, Bindu De Stoppani, Jukka Hiltunen, David Schneider, Noah Huntley, Christopher Dunne, Emma Hitching, Alexander Delamere, Kim McGarrity, Megan Burns u.a.
Genre Horror
Filmlänge 113 Minuten
Deutschlandstart
5. Juni 2003
Inhalt

Eine Gruppe militänter Tierfreunde bricht in ein Versuchslabor ein. Sie befreien einige Schimpansen. Diese Schimpansen sind mit einem Wut-Virus infiziert, das sich sturmartig über die britische Insel ausbreitet.

28 Tage später erwacht Fahrradkurier Jim nach einem Unfall aus dem Koma. In dem Krankenhaus herrscht Stille. Niemand da. Umgestürzte Tische, Klinikutensilien, Abfälle. Auch vor der Tür keine Menschenseele, nur ein paar Tauben. In einer Kirche wird Jim von einer wild gewordenen Meute zerlumpter Menschen angegriffen und beinah getötet. Er wird gerettet von Selena und Mark, zwei Überlebenden, die nicht infiziert wurden. „Infiziert?“ Ja, der Wut-Virus breitete sich aus, Menschen fielen übereinander her, infizierten andere, wenige konnten sich schützen.

Nun sind sie zu dritt. Und irren durch ein London, in dem der Wahnsinn tobt und sie einkreist …

Was zu sagen wäre

Ein Zombie-Film. Ich bin kein Anhänger von Zombie-Filmen: geistlose Untote fallen wahllos über kreischende und fliehende Menschen her und haben Fleischfetzen im Mundwinkel hängen – eine hübsche Allegorie auf den Verfall unserer Gesellschaft, manchmal ganz lustig, meistens aber immer dasselbe; kennst Du einen, kennst Du alle. Irgendwie dachte ich wohl, wenn Danny Boyle (The Beach – 2000; Trainspotting – 1996) Regie führt, wird mehr drin stecken, als die schnöde Inhaltsangabe vermuten lässt. So ist es auch.

Boyles Gemälde der nahen Zukunft ist eine Wundertüte gesellschaftlicher Missbildungen. Ein bisschen hiervon, ein bisschen davon. Es ist die Versuchsanordnung aus „Herr der Fliegen“, aus Das Experiment und der Versuch geht wie immer schlecht aus. Boyles und Garlands Gesellschaftsbeschreibung bleibt schon da stecken: Protestkundgebungen werden gewalttätiger. Die Regierung entwickelt im Geheimen ein Mittel gegen Aggressivität und … batsch! Und natürlich bricht für den Zuschauer der Horror in einer dunklen Kirche aus.

Ein Wut-Virus hat die Gesellschaft also lahm gelegt und plötzlich gelten wieder archaische Gesetze. Das Militär übernimmt die Leitung und stellt fest: Die Menschheit stirbt aus, wenn nicht ordentlich gevögelt wird. Also werden die beiden im Film verbliebenen Frauen – eine davon ist ungefähr 14 – kurzerhand zum Gebrauchsgegenstand erklärt. Da blitzt kurz schwarzer Briten-Humor auf – klug beobachtet, konsequent zu Ende gedacht – und dann sind wieder Zombies.

Die Produktion hat rund acht Millionen Dollar gekostet, war 2002 also eine Art Low Budget. Boyle arbeitet mit viel Schatten und Geräuschen und trüben britischen Arbeitslosen-Hochhaussiedlungen, schafft damit unweigerlich den ein oder anderen Achterbahn-Moment, verharrt kurz beim Thema „Zerfall der menschlichen Ordnung“ und fährt dann noch ein bisschen Achterbahn.

Naomie Harris, die hier Selena spielt, wurde zehn Jahre später bekannt als neue Miss Moneypenny im Vorzimmer des britischen Geheimdienstchefs.

Wertung: 3 von 6 €uro
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