Kinoplakat: 23 – Nichts ist so, wie es scheint
Etwas bemühter Versuch eines
deutschen Verschwörungsthrillers
Titel 23 – Nichts ist so wie es scheint
Drehbuch Michael Dierking + Michael Gutmann + Hans-Christian Schmid
Regie Hans-Christian Schmid, Deutschland 1998
Darsteller August Diehl, Fabian Busch, Dieter Landuris, Jan Gregor Kremp, Stephan Kampwirth, Zbigniew Zamachowski, Peter Fitz, Burghart Klaußner, Lilly Marie Tschörtner, Patrick Joswig, Arnulf Schumacher, Sven Lehmann u.a.
Genre Thriller
Filmlänge 99 Minuten
Deutschlandstart
14. Januar 1999
Inhalt

„Die 23 ist die Zahl mächtiger Menschen, die im Hintergrund die Strippen ziehen, den sogenannten Illuminaten!“ Davon ist Karl überzeugt. Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland wurde am 23. Mai 1949 verabschiedet. Bedeutet: „Mai“ ist der 5. Monat. 5 ist die Quersumme aus 23. Das Jahr 1949 … zählt man 1 und 9 und 4 und 9 zusammen, ergibt das … 23. „Die meisten Attentate wurde an einem 23. irgendeines Monats begangen“, weiß Karl.

Hannover 1986: Der 19jährige Karl Koch lässt die in seinen Augen verlogene Welt der Erwachsenen hinter sich. Er will herausfinden, was es auf sich hat mit dem „Leben“, ob es mehr gibt als „Geld, Auto, Seitensprung“. Fasziniert von der Romanfigur Hagbard Celine aus Robert Shea und Robert Anton Wilsons Illuminatus!-Trilogie eifert Karl dem fiktiven Rebellen Hagbard Celine nach und taucht ab in eine Welt aus Industriespionage, Drogen und nächtlichen Reisen durch die Datennetze, macht sich von Hannover aus auf die Suche nach den Hintergründen politischer und wirtschaftlicher Macht und entdeckt Zeichen (die „23“), die ihn an eine weltweite Verschwörung glauben lassen.

Karls Vater, ein konservativer Hannoveraner Zeitungsredakteur, stirbt an einem Gehirntumor. Von den geerbten 50.000 Mark mietet Karl sich eine Wohnung und lädt seine Bekannten zu Partys ein. Bei einer Tagung des Chaos Computer Clubs lernt Karl den Schüler David kennen. Robert Anton Wilson, der Autor von Illuminatus!, hält auf dieser Tagung einen Vortrag. David und Karl gelingt es, das damals erst entstehende globale Datennetz (hier Datex-P) mit einem Commodore-PC und einem Akustikkoppler auszutricksen.

Im Glauben an die Gerechtigkeit werden sie zu Spionen für den KGB. Die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit verschwimmen – Karl wird zu einer Marionette im Machtspiel von Presse, Verfassungsschutz und Geheimdiensten …

Was zu sagen wäre

Nach seinem erfolgreichen Kinodebut „Nach fünf im Urwald“ (Deutschland 1995) wechselt Regisseur Hans-Christian Schmid mit seinem zweiten Spielfilm die Tonart: „23“ ist ein auf Tatsachen basierender Thriller, der als spannendes Abenteuer beginnt und dramatisch endet. Das mysteriöse Schicksal von Karl Koch hatte Ende der 80er Jahre für Schlagzeilen gesorgt.

Dabei erzählt Schmid eine Verschwörungsgeschichte aus einer Zeit, als Computer noch keine PCs, Smartphones oder Macs waren. Außerdem bleibt er sehr deutsch bedeutsam. Da, wo sein Thriller Tempo brauchen könnte, bleibt er langsam und erklärend.

Aber mit dieser Meinung stehe ich etwas abseits: Die Kritik war sehr angetan. Das Lexikon des Internatiionalen Films jubilierte etwa: „Ein thematisch wie formal außergewöhnlich komplexer, im Godardschen Sinne auch politischer Film, der zugleich von der Verarmung im zwischenmenschlichen Bereich handelt. Ausgehend von einer tatsächlichen Begebenheit, entstand ein Werk, in dem sich unerwartete Potenzen jenseits einer sich ansonsten in Belanglosigkeiten auflösenden, nationalen Kinematografie formulieren.

Wertung: 6 von 11 D-Mark